Interview: Dr. Dirk Meyer-Rogge
Planet Wissen (PW): Herr Meyer-Rogge, die Laser, die Sie verwenden, kommen aus dem Bereich der Medizin. Welche Voraussetzungen sind für die Anwendung nötig?
Dr. Dirk Meyer-Rogge (MR): Diese Laser haben eine sehr starke Wirkung. Neben den gewünschten Effekten besteht somit auch die Gefahr von Nebenwirkungen wie zum Beispiel Verbrennungen. Deswegen darf sie nur ein Arzt mit einer entsprechenden Ausbildung verwenden. Laser gehören ganz klar in der Bereich der Medizin!
PW: Was macht man mit diesen Lasern in der Kosmetik?
DMR: Die Kosmetik ist ja in genauerem Sinne eine Verschönerung. Und da können Laser sehr hilfreich sein. Ich kann zum Beispiel Pigmentierung wie Altersflecken mit dem Laser entfernen, oder störende Äderchen, Couperose. Natürlich kann ich auch versuchen, das Gleiche mit kosmetischen Produkten zu machen. Aber da, wo kosmetische Produkte nicht mehr greifen, ist der Laser im Grunde die Fortsetzung oder Erweiterung von kosmetischen Anwendungen. Man kann zum Beispiel bei der Kosmetikerin eine Wachsenthaarung machen lassen. Aber wenn jemand dauerhaft enthaart werden möchte, dann mache ich es mit dem Laser.
PW: Wie dauerhaft ist dieser Enthaarungseffekt mit dem Laser?
DMR: Ich mache das jetzt seit zehn Jahren. Vor zehn Jahren haben wir gesagt, es ist eine dauerhafte Haarentfernung. Aber seitdem wir diese lange Zeit Erfahrung haben, sagen wir nur noch, es ist eine lang anhaltende Haarreduktion. Denn aus den Hautzellen können wieder Haare entstehen. Es kommen wieder neue Haare nach, nicht mehr so viele. Nur sie sind auch nicht so dunkel und weniger dick. Aber es kommen wieder Haare nach.
PW: Welchen Stellenwert hat die moderne Lasertechnologie in der Kosmetik?
DMR: Ich würde immer sagen in der "Ästhetik". Ohne den Einsatz von Lasergeräten kann man lange nicht so effektiv sein. Mir fehlt ein ganzes Behandlungsspektrum.
PW: Welches Spektrum ist das?
DMR: Vom Prinzip kann man sagen, man kann mit dem Laser fast alles Störende entfernen. Pigmentflecken, Altersflecken, Tätowierungen, Couperose. Dinge, die durchs Alter entstehen. Aber auch Blutschwämmchen und Feuermale. Wir verwenden auch zunehmend Laser, die das Kollagen straffen. Durch eine Art Hitzewirkung.
PW: Was passiert da genau?
DMR: Die Kollagenfasern leiern ja aus im Laufe der Zeit aus. Wenn ich die Kollagenfasern über einen kürzeren Zeitraum auf ungefähr 60 Grad erhitze, dann ziehen sie sich zusammen, sie kontrahieren. Dadurch wird das Gewebe oben drüber wieder straffer. Der sichtbare Effekt ist eine Hautstraffung.
PW: Wie lange hält dieser Effekt?
DMR: Die Kollagenfasern kontrahieren für eine sehr lange Zeit. Je nachdem, welches Verfahren eingesetzt wird, kann man sagen, dass man die Haut um drei bis fünf Jahre verjüngen kann. Die Haut altert dann wieder, aber vom letzten Stand nach der Behandlung aus. Aber ich drehe sozusagen ein bisschen das Rädchen der Zeit zurück.
Und das Schöne daran ist, ich mache keinen Schaden. Ich werde später nicht nachweisen können, hier ist mal früher eine Laserbehandlung gewesen. Ich kann das durchaus nach Jahren einfach wiederholen. Da kommt es jetzt wieder darauf an, das gut zu kombinieren. In der Tiefe soll die Haut Struktur haben. Aber oben drüber sollte sie nicht Altersflecken drauf haben.
PW: Wo sind Grenzen des Lasereinsatzes in der ästhetischen Kosmetik?
DMR: Die Lasermedizin ist recht schonend, sie ist aber auch von ihrer Leistungsfähigkeit begrenzt. Ich kann mit dem Laser kein Lifting ersetzen, also eine sehr deutliche Hautstraffung. Zwar straffe ich die Haut mit dem Laser etwas, aber nicht so, wie ich es mit einer Lifting-OP mache. Die aber auch eine richtig eingreifende Operation ist, mit allen Risiken.
PW: Hat sich denn durch den Einsatz dieser Lasertechnologie in der Kosmetik das Verhalten der Kunden verändert?
DMR: Ja, wobei ich es nicht auf den Laser alleine zurückführen würde. Ich würde sagen, durch alle modernen Methoden wie Laser, Botox, Filler hat sich das Verhalten massiv geändert. Man will nicht mehr diese großen Liftingoperationen, durch die man auch lange Ausfallzeiten hat. Man möchte lieber einen kleinen Eingriff, der auch nicht so eine große, massive Änderung bringt, so nach dem Motto, man wird hinterher noch erkannt. Ich habe mit dem Laser eine Behandlung, die ich donnerstags mache und freitags wieder ins Geschäft gehen kann. Das hat auch ganz klar zur Folge, dass sich auch das Verhalten der Ärzte ändert, dass also auch die Chirurgen weggehen von ihren Operationen und auf einmal auch viel mehr mit Füllsubstanzen und so etwas arbeiten. Die Lasertechnologie ist ein großer Gewinn.
PW: Was sind Softlaser, die öfter in Kosmetikstudios angeboten werden?
DMR: Ein Softlaser, so etwas haben wir im CD-Player. Das ist kein echter Laser. Laser und Medizingeräte sind eine ganz klare Schutzklasse. Ich kann damit viel bewirken, ich kann damit aber auch etwas kaputt machen, wenn ich es falsch ansetze. Ein Softlaser ist im besseren Sinn eine Lichtlampe, aber nicht so wirklich effektiv. Damit macht man aber auch nichts kaputt.
Dr. Dirk Meyer-Rogge im Planet Wissen Studio
PW: Es gibt immer häufiger Behandlungsangebote für eine dauerhafte Haarentfernung mit IPL. Was verbirgt sich dahinter?
DMR: IPL steht für "Intensed Pulsed Light". Das ist eine Entwicklung, die ich als sehr problematisch sehe. Ich habe Kundinnen, die mit erheblichen Nebenwirkungen aus dieser Behandlung rausgegangen sind. Da gibt es einige ganz unschöne Fotos, die das belegen. Wie ich schon sagte, einen Laser darf nur jemand anwenden, der einen Laserschutzkurs hat und damit betraut ist. Es gibt aber eine Möglichkeit, das zu umgehen. Wenn ich aber das Licht nicht mit einem Laser erzeuge, also ein monochromatisches Licht, sondern ich nehme eine Blitzlichtlampe, die erzeugt erst einmal nur Licht. Und dann filtere ich die nicht gewünschten Lichtanteile durch verschiedene Filtersysteme weg.
Dann habe ich ein Gerät, was nicht der Laserschutzkunde unterliegt. Was aber im Prinzip genauso stark ist wie ein Laser. Das kann ich in die Hand eines jeden geben, der allenfalls eine Zweitages-Ausbildung hat. Hier in der Region gibt es überall solche Enthaarungsstudios, in der die Haarentfernung mit IPL angewandt wird. Das Ergebnis ist teilweise fatal. Da kommen zum Beispiel Frauen, die einen recht dunklen Teint haben. Denen ist mit dieser Behandlung regelrecht das Pigment aus der Haut rausgeschossen. Dann hat es Verbrennungen gegeben und dergleichen.
Es sind aggressive Geräte, die in die Hand eines erfahrenen Fachmannes, eines Mediziners gehören, und nicht in ein Kosmetikstudio. Also egal ob Laser oder IPL - entscheidend ist, dass es nur in der Hand eines erfahrenen Anwenders ist. Sonst kann man mehr kaputt machen als gut.
PW: Wie kommt es zu dieser Wirkung, dass die Haut Farbe verlieren kann?
DMR: Das braune Pigment Melanin nimmt die Energie des Laserlichtes auf. Dadurch wird die Haarwurzel verödet. Wenn über dem braunen Pigment des Haares, der Haarwurzel, braunes Pigment der Haut liegt, dann schießt er erstmal das Pigment aus der Haut raus.
PW: Das heißt, sehr helle Haare kann man gar nicht mit dem Laser entfernen?
DMR: Nein, wenn zum Beispiel ältere Damen mit einem weißen Damenbart zu mir kommen, die kann ich nicht lasern. Weil das weiße Haar keine braunen Pigmente hat und die Laserenergie nicht aufnimmt. Ein blondes Haar, das geht. Man kann sagen, schwarze Haare auf schwedischer Haut, das geht am besten. Helle Haare auf mediterraner Haut ist für uns mit dieser Behandlung extrem schwierig.
PW: Wie lange dauert so eine Sitzung?
DMR: Eine Sitzung, wenn es die Oberlippe ist, dauert keine fünf Minuten. Wenn es aber der halbe Rücken ist, dauert es auch 25 Minuten.
PW: Sind Enthaarungen die häufigsten Einsatzgebiete für die Laserbehandlung?
DMR: Enthaarung und Gefäßbehandlungen ist das häufigste.
PW: Wie oft setzen Sie den Laser ein?
DMR: Im Sommer sehr wenig, weil man nach einer Laserbehandlung nicht in die Sonne soll. Da kann es zu Dunkelverfärbungen kommen. Aber von September bin Ende Mai dagegen laufen die Geräte bei uns den ganzen Tag. Der Laser ist ein fester Bestandteil in der Kosmetik geworden.
PW: Herr Meyer-Rogge, herzlichen Dank für das Gespräch.
Andrea Wengel, Stand vom 28.09.2007




