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Schönheitsoperationen

Gute Aussichten für Gutaussehende: mehr Küsse als Kind, bessere Noten als Schüler und später im Job ein höheres Gehalt. Immer wieder kommen Attraktivitätsforscher zu dem Ergebnis: Schönheit zahlt sich aus. Jahrhundertelang war ein Leben ohne Höckernase und Fettschürze, mit vollen Lippen und perfekten Brüsten ein genetisches Privileg, heute soll es sich jeder kaufen können - aber zu welchem Preis?

Männerhände in Latexhandschuhen ziehen das Gesicht einer jungen Frau straff. (Rechte: Mauritius)

Auf der Suche nach Perfektion

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Neue Nase auf Raten

In den vergangenen Jahren sind Schönheitsoperationen für immer mehr Menschen erschwinglich geworden: "Teilzahlungsmodelle" sind bei vielen Ärzten schon länger üblich. Für rund 2600 Euro gibt es bei einem deutschen Chirurgen gestraffte Lider, neue Brüste kosten etwa das Doppelte.

Die beliebteste Schönheits-OP in Deutschland ist die Faltenglättung im Gesicht, gefolgt von Fettabsaugung und Lidkorrektur, Nasen-OP und Brustvergrößerung. Die meisten Patienten sind Frauen, aber auch Männer interessieren sich immer häufiger für kosmetische Eingriffe. Faltenbekämpfung steht auch bei ihnen an erster Stelle, aber 2009 ist auch die Zahl der Brust-OPs bei Männern stark gestiegen. Allerdings geht es dabei vor allem um Brustverkleinerungen. Weil Doping mit Hormonen im Amateursportbereich weit verbreitet ist, würden immer mehr Männer einen Männerbusen entwickeln, "eine ausgeprägte Vergrößerung der männlichen Brust mit weiblicher Ausformung", sagt Matthias Gensior, Generalsekretär der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie (GÄCD).

Eine Ärztin setzt einem Mann eine Botox-Spritze im Mundbereich. (Rechte: Mauritius)

Immer mehr Männer tun es

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Wie viele Schönheitsoperationen in Deutschland jedes Jahr durchgeführt werden, weiß niemand so genau. 2008 meldeten die 453 Mitglieder der GÄCD 141.000 Operationen. Aber nur ein geringer Teil der Ärzte, die "ästhetisch-plastische Eingriffe" durchführen, ist der GÄCD angeschlossen. Bei der DGÄPC, der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie, schätzt Präsident Joachim Graf von Finckenstein die Zahl der Eingriffe auf 470.000 pro Jahr, das von der Branche finanzierte Informationsportal "mybody" spricht sogar von einer Million Eingriffen. Klar ist: Die Dunkelziffer ist bei Schönheitsoperationen sehr hoch.

Ein Notizzettel steckt in einer Computertastatur. Darauf steht: 'To Do: Botox spritzen, Fett absaugen, Brust-OP'. (Rechte: picture-alliance/allOver)

Einkaufsliste für den Körper

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Brüste gut, alles gut?

Dass ein straffes Kinn eine Karriere befördern soll, ist eine erschreckende Vorstellung, aber Studien zeigen, dass gerade Männer daran glauben. Vor allem Besserverdiener messen jugendlichem Aussehen große berufliche Bedeutung bei. Tatsächlich haben Versuche deutlich gemacht, dass attraktiven Menschen oft wie selbstverständlich positive Charaktereigenschaften und höhere Intelligenz zugeschrieben werden - aber nur auf den ersten Blick. Auch blendendes Aussehen kann nicht dauerhaft von fehlendem Fachwissen ablenken.

Schönheitsoperationen können eine große Erleichterung sein: Menschen, die viel Gewicht verloren haben, könnten ohne eine OP nie die Meter nutzloser Haut loswerden, die sie mit sich herumtragen. Die psychische Belastung durch sehr kleine oder ungleiche Brüste kann für Frauen so groß sein, dass sogar die Krankenkasse den Eingriff übernimmt. Und ja, auch eine Gesichtsstraffung kann dazu führen, dass der Patient sich dauerhaft besser fühlt. Aber eine Schönheitsoperation ist kein Friseurbesuch. Ein gelungener Schnitt lässt sich nicht beliebig oft wiederholen. Und wenn etwas schiefgeht, wächst das Ergebnis nicht raus.

Zwei künstliche Brüste liegen auf einem grünen OP-Tuch. Darüber ist eine Spritze platziert. (Rechte: picture alliance/dpa)

Straff und schön?

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Happy Hour beim Chirurgen

Ein Angebot mehrerer deutscher Schönheitskliniken sorgte 2009 für Empörung: die "Flatrate gegen Falten". Die Idee: Wer die Flatrate bucht, bekommt für weniger als 100 Euro im Monat so viele Injektionen mit dem Nervengift Botox, wie er möchte und die Mediziner für vertretbar halten. Ein Werbeversprechen, das auch viele Schönheitschirurgen entsetzte, schließlich bemüht sich die Branche seit Jahren um ein seriöses Image und möchte mit Botox-starren Gesichtern gerade nicht in Verbindung gebracht werden.

Sicher ist: Schönheitsoperationen können süchtig machen. Problematisch wird es immer dann, wenn hinter dem Wunsch nach einem veränderten Aussehen ein gestörtes Selbstbild steckt, und die Hoffnung, dass mit einer Operation nicht nur die Schönheit, sondern auch das Glück größer wird. Die Suche nach Anerkennung wird schnell zur Sucht, nach immer weiteren "Korrekturen", weiteren Operationen.

Weil Schönheitschirurgen immer wieder betonen, wie schnell sich viele Eingriffe erledigen lassen, unterschätzen viele Patienten außerdem die Belastung für den Körper. Eine Brust-OP ist ein schwerer Eingriff, bei dem Komplikationen nicht ungewöhnlich sind. Bei Fettabsaugungen kommt es immer wieder zu Todesfällen.

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Reiseländer für Medizintouristen (2'38'')
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Operation unter Palmen

Seht her, ich hatte eine Schönheits-OP! Die meisten Frischoperierten wollen das nicht allen Kollegen und Nachbarn verkünden und fürchten sich vor schiefen Blicken. Die Alternative ist: sich verstecken, bis Wunden und Blutergüsse ausgeheilt sind. Oder: die Operation mit einer Reise verbinden, nach einigen Wochen strahlend und braungebrannt ins Büro zurückkehren und die neugewonnene Schönheit mit dem hervorragenden Essen am Urlaubsort erklären. Für viele Menschen ist das eine verlockende Vorstellung. Das wissen auch die Anbieter im Ausland und werben mit Beauty-OP-Reisen und Schönheitssafaris.

Mehr Diskretion und Privatsphäre verspricht die Werbung, mehr Erholung an schöneren Orten und vor allem: deutlich geringere Kosten. "Sparen Sie bis zu 70% in unseren tschechischen EU-Schönheitskliniken", heißt es zum Beispiel im Internet. Aber auch Brasilien und Südafrika sind beliebte Reiseziele. Grundsätzlich gilt: Schönheitsoperationen müssen anderswo nicht schlechter sein als in Deutschland. Im Ausland gibt es viele hervorragende Ärzte, die mit den gleichen Materialien in vergleichbar ausgestatteten Kliniken arbeiten. Aber wenn doch etwas schiefgeht und es zu einem Rechtsstreit kommt, muss dieser in dem Land geführt werden, in dem der Eingriff stattfand. Das kann kompliziert und teuer werden.

Die Kombination Operationstisch/Strand, die oft beworben wird, hat ebenfalls Tücken. Heiß-feuchtes Klima ist bei der Wundheilung nicht günstig und nach einer Schönheitsoperation wie einem Lifting sollte man eine weitere Belastung der Haut durch Sonne unbedingt meiden. Nach einer Vollnarkose steigt außerdem das Thrombose-Risiko erheblich an, Fliegen ist deshalb für mehrere Wochen tabu. Das sollte man bei der Planung einer Schönheits-OP im Ausland unbedingt bedenken.

Ärzte bei einer Fettabsaugung im Operationssaal. (Rechte: WDR/Doris Reinemann)

Eine gute Ausbildung ist unverzichtbar

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Vorsicht bei der Arztwahl!

Auch in Deutschland gilt leider: Es ist nicht leicht, den richtigen Arzt zu finden. Immer noch darf sich jeder Mediziner "Schönheitschirurg" oder "Ästhetischer Chirurg" nennen - auch wenn er nur mal einen Wochenendkurs belegt hat. Aussagekräftiger ist der Titel "Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie": Ihn darf nur führen, wer eine sechsjährige Ausbildung absolviert und mindestens 600 Operationen durchgeführt hat. In keinem Fall sollte man sich allein auf Empfehlungen in Internetforen verlassen - viele gute Bewertungen werden von Auftragsarbeitern geschrieben, die damit Geld verdienen.

Wer ist die Frau?

Wie ein neuer Mensch auszusehen kann etwas Wunderbares sein - oder ein großes Problem. Immer wieder müssen Therapeuten Menschen behandeln, die mit ihrem veränderten Aussehen nicht zurechtkommen. Eine Nasenoperation ist eigentlich ein leichter Eingriff, kann aber schwere Folgen haben, weil sie den ganzen Typ verändert. "Wer ist die denn?", fragt der Vierjährige, als er seine Mutter nach der OP in einer Fernsehshow das erste Mal wiedersieht. "Wer ist das denn?", fragten wohl auch die Filmproduzenten, als Jennifer Grey, Hauptdarstellerin des Kassenschlagers "Dirty Dancing", bei ihnen vorstellig wurde. Mit dem Geld ihres ersten Erfolges hatte sie ihre große Nase zu einer süßen, unauffälligen operieren lassen - und damit jeglichen Wiedererkennungswert verloren.

Christine Buth, Stand vom 27.07.2010
Sendung: Medizintourismus - Für Kronen nach Polen, 27.07.2010

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