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Interview: Roland Kaiser

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Roland Kaiser mit neuer Lunge

Es schien das Ende seiner Karriere zu sein, als Roland Kaiser Januar 2010 sein Konzert wegen Atemnot abbrechen musste. Sein Zustand war lebensbedrohlich. Zehn Jahre litt Kaiser unter einer chronisch obstruktiven Bronchitis (COPD), einer unheilbaren Krankheit. Die Bronchien verengen sich dauerhaft, die Lungenbläschen nehmen Schaden. Der Patient bekommt immer schlechter Luft. Die Hauptursache der Krankheit ist das Rauchen. Kaiser hatte Glück: 2011 feierte er sein Comeback – nach einer erfolgreichen Lungentransplantation.

Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
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Roland Kaiser - Leben mit der Lungenkrankheit COPD (5'33'')
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Planet Wissen (PW): Herr Kaiser, wie haben Sie zum ersten Mal gemerkt, dass etwas mit Ihrer Lunge nicht stimmt?

Roland Kaiser (R.K.): Das war ziemlich deutlich nach einem Abend mit zu vielen Zigaretten. Am nächsten Morgen bin ich aufgewacht und dachte, was ist denn jetzt los? Die Luft, die ich einatmete, ging nur bis zum Brustkorb – weiter nicht. Das löste ein gewisses Unwohlsein in mir aus und ich versuchte, dies mit konzentrierter Atmung wegzukriegen. Doch das funktionierte nicht. Zwei Tage später war ich beim Lungenfacharzt, weil sich mein Zustand nicht bessern wollte. Der Arzt hat mich blitzschnell ins Krankenhaus eingewiesen.

PW: Vielen Betroffenen wird erst im Nachhinein klar, dass sie schon viel früher Probleme mit der Atmung und ihrer Leistungsfähigkeit hatten. Aber sie schieben es dann immer auf die äußeren Umstände. Trifft das auch auf Sie zu?

R.K.: Nein. Ich bin noch im Sommer vor der Krankheit mit meiner Frau die Berge hochgeklettert. Das ging recht gut. Allerdings hatte ich da eine Phase, in der ich kaum geraucht habe. Da wäre sicherlich noch Zeit gewesen, auf die Bremse zu treten, wenn mir einer gesagt hätte, ich müsse auf sie treten.

Roland Kaiser steht vor einem Mikrofon. (Rechte: Imago)

Roland Kaiser, trotz Krankheit aktiv

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PW: Vor Ihrer Lungentransplantation 2010 litten Sie oft unter Atemnot. Was sahen Sie, wenn Sie morgens in den Spiegel blickten?

R.K.: Einen kranken Mann. Ich hatte eine ungesunde Gesichtsfarbe, bläulich verfärbte Lippen. Das war kein angenehmes Bild – je nach Tagesform. Aber ich konnte das nicht ändern und habe mich damit arrangiert.

PW: Auch ihre Gesprächspartner haben mitbekommen, dass Sie aus Sauerstoffmangel im Gesicht mitunter bläulich anliefen. Die reagierten dann sicherlich seltsam. Wie sind sie damit umgegangen?

R.K.: Am Anfang habe ich mich versteckt und habe nicht darüber gesprochen, weil ich dummerweise geglaubt habe, die anderen merken das nicht. Später habe ich dann zu den Leuten gesagt: "Ich sehe schlimmer aus, als es mir geht." Ich habe versucht, meine Krankheit humorvoll zu bewältigen und diese runter zu spielen.

PW: Warum?

R.K.: Aus männlicher Eitelkeit. Die Eitelkeit eines Künstlers, der gesund aussehen will – der sich nicht eingestehen will, dass er krank ist. Wenn mich jemand ansprach, ging ich wortlos weiter. Das wirkte häufig arrogant. Ich sah alles andere als topfit aus. Die Spekulationen über meinen Gesundheitszustand wurden immer wilder.

Daher hat meine Frau gesagt: "Pass mal auf, wenn wir nicht jetzt etwas unternehmen und den Menschen erklären, was tatsächlich mit dir los ist, reißt Du mit deinem Hintern ein, was du dir mit deiner Stimme aufgebaut hast." Sie hatte Recht und so bin ich an die Öffentlichkeit gegangen.

Altes Schwarz-Weiß-Foto von Roland Kaiser mit einem Mikrofon in der Hand. (Rechte: dpa)

Mit Titeln wie "Dich zu lieben" oder "Santa Maria" wurde Kaiser berühmt

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PW: Haben Sie das Gefühl, dass viele COPD-Betroffene versuchen, ihre Krankheit zu verheimlichen?

R.K.: Mit einem solchen Handicap geht kaum einer hausieren. Vertuschen bringt aber auch nichts. Ein Beispiel: Ein Mensch, der im Baumarkt arbeitet, hat diese Krankheit. Er kann nicht mehr durch die ganze Halle laufen, um die Kunden zu bedienen. Wer so krank ist, muss sich mit den Kollegen sprechen und diesen erklären, dass bestimmte körperliche Tätigkeiten nicht mehr gehen. Findet man den Mut, die Krankheit – und die damit verbundenen Handicaps – anzusprechen, fällt der Umgang damit im Alltag leichter. Wenn das Umfeld von der Krankheit jedoch nichts weiß, kann es auch nicht helfen.

PW: Wer unter Atemnot leidet, könnte sich denken: Bleibe ich eben in meinen vier Wänden, dann geht das schon. Sind sie durch ihre Krankheit inaktiv geworden?

R.K.: Nein, überhaupt nicht. Das ist die einzige Chance ist, zu gewinnen. Ich habe von Anfang an gesagt: Die Krankheit wird es nicht leicht haben mit mir. Ich lass mich nicht so leicht unterkriegen. COPD ist jedoch leider unheilbar. Ein Kranker bleibt nichts anderes übrig, als sich so lange wie möglich dagegen zu wehren. Mit fortgeschrittener Krankheit haben meine Frau und die Kinder etwa einen Fahrradausflug gemacht. Ich bin mit dem Auto zu einem Treffpunkt nachgekommen, den wir vorher verabredet haben. Es gibt immer Wege, auch mit COPD gemeinsam schöne Freizeiterlebnisse zu haben. Und es gibt Hoffnung: Ich habe das Glück, durch die Lungentransplantation wieder gesund zu sein.

Roland Kaiser singt auf der Bühne und trägt eine getönte Brille. (Rechte: dpa)

Ohne eine Brille, die seine geröteten Augen verdeckte, trat er nicht mehr auf

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PW: Gibt es weitere Beispiele dafür, wie Sie ihr Leben aktiv umgestaltet haben, um an alltäglichen Dingen teilzunehmen?

R.K.: Ja, etwa im Umgang mit meinen Kindern. Ich konnte mit ihnen nicht mehr toben, wie es Kinder in ihrem Alter gerne tun. Also habe ich versucht, das durch Brettspiele und längere Gesprächen zu kompensieren. Und ich habe Hausaufgaben mit ihnen gemacht. Wir hatten auf eine ruhigere Art und Weise unseren Spaß. Wir verbrachten unsere Zeit sehr bewusst und intensiv Zeit miteinander. Das hat uns zusammengeschweißt. Ich habe mehr gelesen und geschrieben als früher.

Auf diesem Weg kam ich auch auf die Idee, mein Buch "Atempause" zu schreiben. Letztendlich war ich nur unbeweglicher. Das nervt natürlich auf Dauer, weil Kleinigkeiten, die jedem gesunden Menschen so selbstverständlich erscheinen, plötzlich nicht mehr gehen. Standen Konzerte an, habe ich an den Tagen zuvor versucht, meine Kräfte zu sammeln und auf den Auftritt zu konzentrieren.

PW: Sie hatten 2009 noch 60 Bühnenauftritte. Ihnen wurde deswegen oft vorgeworfen, Sie würden Ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Wie sehen Sie das im Nachhinein?

R.K.: Das sehe ich überhaupt nicht so. Hätte ich weniger gemacht, wäre der Zustand genauso eingetreten. Im Gegenteil: Das Singen hat meine Chance, zu arbeiten, verlängert. Heute würde ich das genauso tun. Ich bin nach meiner Lungentransplantation wieder voll im Beruf. Die Schreiberlinge der Buntblätter schreiben nun: "Bringt das nicht sein Leben in Gefahr?" Diese Journalisten haben keinen vernünftigen Arzt konsultiert. Die Ärzte in Hannover, die mich operiert haben, sind weltspitze. Sie wollen, dass ihre Patienten nach einem halben Jahr wieder arbeiten. Und sie finden speziell meine Arbeit ganz exzellent. Laufen, Sport, Singen ist ideal für die Lunge.

Roland Kaiser lacht. (Rechte: dpa)

Nach Lungentransplantation wieder fit

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PW: Wie fühlt sich eigentlich das Leben mit einer neuen Lunge an?

R.K.: Ganz normal. Ich kann wieder genauso tief durchatmen wie früher. Ich fühle mich vitaler denn je, weil ich diesem blöden Satz "No Sports" abgeschworen habe. Ich fahre täglich 20 Kilometer auf dem Ergometer, mache jeden Tag Kraftübungen für die Muskulatur, bin fitter denn je.

Ich genieße meine wiedergewonnene Mobilität. Weil ich alles machen will, was geht. Ich werde morgens um halb sieben wach und starte gleich voll durch, so dass meine Frau schon mal sagt "Schatz, könntest Du bitte etwas leiser sein? Lass uns doch erst mal wach werden." Mein Problem ist heute eher, dass ich "zu" aktiv bin.

Interview: Birgit Amrehn, Stand vom 04.11.2011
Sendung: Atemlos - Wenn die Lunge streikt, 04.04.2012

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