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Wie Urin entsteht

Wasser, Tee, Säfte und alle anderen Flüssigkeiten, die wir zu uns nehmen, scheiden wir auch wieder aus, unter anderem in Form von Urin, auch Harn genannt. Gebildet wird Urin in der Niere, von dort gelangt er in die Harnblase. Am Urin kann man außerdem erkennen, ob die Nieren gut funktionieren. Blut im Urin deutet zum Beispiel auf Entzündungen hin. Außerdem gibt es Menschen, die meinen, dass das Trinken des eigenen Urins bestimmte Krankheiten heilen kann.

Den Urin untersuchen (1'26")Urologe Dr. med. Martin Rathert erklärt, was man anhand einer Urinprobe über den Gesundheitszustand eines Menschen sagen kann.

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Ein besonderer Saft

Mit dem Urin werden die Abfall- und Schadstoffe ausgeschieden. Dazu wird das Blutplasma in den feinen Verästelungen der Niere gefiltert. Übrig bleibt der sogenannte Primärharn, eine Vorstufe des Urins. Darin enthalten sind zum einen Stoffe wie Harnstoff, Kreatinin und Harnsäure. Das sind - zum Teil giftige - Abfallprodukte des Stoffwechsels. Zum anderen enthält der Primärharn wertvolle Stoffe wie Traubenzucker, Aminosäuren und Elektrolyte. Sie werden wieder in den Organismus zurückgeführt. Deshalb bleiben von den mehr als 150 Litern Primärharn, die die Niere am Tag bildet, rund zwei Liter übrig. Wie viel Harn über die Harnleiter in die Blase geleitet und ausgeschieden wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einer davon ist die Flüssigkeitsmenge, die aufgenommen wurde. Aber auch die Art der Ernährung, der Blutdruck und die Körpertemperatur spielen eine Rolle. Außerdem haben bestimmte Medikamente, zum Beispiel Wasser ausleitende Mittel, Einfluss auf die Urinmenge, die ausgeschieden wird.

Welche Stoffe sind im Urin? (2'08")

Urin: Indikator für viele Krankheiten

Urin besteht zu 95 Prozent aus Wasser. Die restlichen fünf Prozent sind Elektrolyte, also elektrisch geladene Teilchen, Abfallstoffe des Stoffwechsels wie Harnstoff, Kreatinin oder Harnsäure und Rückstände von Medikamenten. Urin ist ein guter Indikator für viele verschiedene Erkrankungen. So können Blutströpfchen auf Harnwegsinfektionen oder andere Entzündungen hinweisen und Zucker im Harn ist ein Anzeichen für Diabetes.

Auch die Farbe kann dabei helfen, bestimmte Krankheiten zu erkennen. Für Lebererkrankungen ist brauner bis leicht grünlicher Urin typisch. Seine normale gelbe Farbe bekommt der Urin übrigens von den Gallenfarbstoffen. Sie entstehen unter anderem, wenn die roten Blutkörperchen abgebaut werden. Auch der Geruch ist für Experten aussagekräftig. Bei Menschen, die unter Diabetes Mellitus leiden, riecht der Urin zum Beispiel leicht säuerlich.

Außerdem hat die Ernährung Einfluss auf den Geruch. Viele Menschen merken das, nachdem sie Spargel gegessen haben. Bei ihnen bekommt der Urin einen charakteristischen Geruch. Grund dafür ist ein Enzym, das die im Spargel enthaltene Asparaginsäure in schwefelhaltige Stoffe zersetzt. Dass nicht alle Menschen diese Stoffe identifizieren, kann entweder daran liegen, dass ihnen das spaltende Enzym fehlt oder dass ihre Rezeptoren in der Nase den Geruch nicht wahrnehmen können.

Ein Mann macht einen Umschlag, getränkt mit eigenem Urin.

Urin soll gegen Hautkrankheiten helfen

Vergrößern

Heilung durch eigenen Urin?

Es gibt Menschen, die der Meinung sind, dass der eigene Urin, wenn man ihn trinkt, bestimmte Krankheiten, darunter auch Multiple Sklerose, Rheuma oder sogar Krebs heilen kann. Die Befürworter der Therapie berufen sich dabei vor allem auf Traditionen und Lehren wie die indische Ayurveda-Lehre oder naturheilkundliiche Quellen. Belegt ist allerdings weder die Wirkung noch die Herkunft der angeblich uralten Therapieform.

Die Kollegen der WDR-Wissenschaftssendung "Quarks und Co" haben trotz intensiver Recherche keinen Anhaltspunkt dafür gefunden, dass die Eigenurin-Therapie eine Jahrtausende alte Tradition habe. Sowohl in der ayurvedischen Medizin als auch in der Naturheilkunde und der europäischen Klostermedizin gibt es keinen einzigen schriftlichen oder mündlich überlieferten Beleg dafür, dass Menschen zu irgendeiner Zeit ihren eigenen Urin getrunken haben. Vielmehr gehen alle modernen Ratgeber auf ein Buch des selbst ernannten englischen Urinheilers John W. Armstrong aus dem Jahr 1940 zurück. Armstrong behauptet darin, dass das Trinken des eigenen Urins nahezu alle Krankheiten heilen könne. Schulmediziner hingegen warnen ausdrücklich davor, zu große Mengen des eigenen Urins zu sich zu nehmen. Dies könne im schlimmsten Fall zu einer schleichenden Vergiftung des Körpers führen.

Christiane Tovar/Tobias Aufmkolk, Stand vom 03.05.2013
Sendung: Planet Wissen Extra - Wunderwerk Mensch, 05.04.2013

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