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Organspende - die wichtigsten Antworten

Den eigenen Standpunkt zum Thema Organspende haben viele Menschen für sich noch nicht geklärt. Die Ursache ist oft fehlendes Hintergrundwissen und die verständliche Scheu, sich mit der eigenen Sterblichkeit zu beschäftigen. Wir haben neun häufige Fragen und Antworten zusammengefasst.

Nahaufnahme eines Organspende-Ausweises, der aus einer Brieftasche gezogen wird. (Rechte: dpa)

Der Organspende-Ausweis zeigt den Willen zur Spende

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Was hilft mir bei der Entscheidung, ob ich mich als Organspender zur Verfügung stellen soll oder nicht?

Transplantationsmediziner weisen oft auf eine merkwürdige Diskrepanz hin: So wollen in Deutschland mehr Menschen in einer Notsituation von einem Spenderorgan profitieren als umgekehrt selbst durch eine Organspende bedrohtes Leben retten. Ärztliche Experten, die täglich mit Todkranken konfrontiert sind, betrachten diese Haltung als inkonsequent. Wer diese Argumentation nachvollzieht, findet möglicherweise zu einer eindeutigen Haltung, was konkret ihn selbst angeht.

Die Grafik verdeutlicht, dass nur wenige Menschen sich schriftlich zu einer Organspende bereit erklären. (Rechte: DSO)

Nur wenige halten ihre Spendeabsicht schriftlich fest

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Wie kann ich Zustimmung oder Ablehnung zu einer Organspende dokumentieren?

Am augenfälligsten ist ein Organspende-Ausweis. Darauf lässt sich eintragen, ob man zu einer Organspende bereit ist und ob man nur bestimmte Organe spenden möchte. Man kann auch Organe von einer Übertragung ausschließen. Genauso kann man vermerken, dass man auf keinen Fall als Organspender in Frage kommt. Diese Angaben lassen sich im Prinzip auch auf einem selbst gefertigten Dokument machen, das zum Beispiel in die Brieftasche gesteckt wird. Es hat den gleichen Stellenwert.

Wo bekomme ich einen Organspende-Ausweis?

Organspende-Ausweise sind in Apotheken und Arztpraxen erhältlich. Man kann sie sich aber auch im Internet bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation unter www.dso.de herunterladen. Auf dieser Seite findet sich auch die Nummer des kostenfreien Infotelefons Organspende, über das man ebenfalls den Ausweis anfordern kann.

Reicht es, wenn ich aufschreibe oder per Ausweis dokumentiere, wie meine Haltung ist?

Besser ist es, wenn auch Angehörige oder andere nahe stehende Personen von Ihrer Einstellung zu Organspende wissen. Denn sie sind oft die entscheidenden Gesprächspartner für Ärzte, die nach einer möglichen Organentnahme fragen. Wichtig ist dies vor allem, weil in Deutschland laut Transplantationsgesetz von 1997 die erweiterte Zustimmung gilt. Das heißt: Wenn nicht bekannt ist, was der Betroffene selbst zu Lebzeiten gewünscht hat oder was in seinem Sinne wäre, werden die Angehörigen gefragt.

Bedeutet der Hirntod als entscheidendes Kriterium, dass mir Organe möglicherweise zu früh entnommen werden – wenn ich noch gar nicht wirklich gestorben bin?

Das Gehirn ist das entscheidende Wahrnehmungs- und Steuerungsorgan für den Körper. Der Hirntod ist erst eingetreten, wenn Groß-, Klein- und Stammhirn nicht mehr aktiv sind. Wenn dies passiert ist, ist der Schaden irreversibel, das heißt der betroffene Mensch kann nicht genesen oder aufwachen wie aus einem Koma. Zwar werden bei einem hirntoten Patienten sein Herzschlag und die Atmung durch medizinische Apparaturen in Gang gehalten. Doch wenn diese Geräte abgeschaltet werden, bricht innerhalb weniger Minuten auch der Herzkreislauf zusammen.

Anatomische Zeichnungen verdeutlichen die Struktur des Zentralen Nervensystems. (Rechte: AKG)

Anatomische Darstellung des Zentralen Nervensystems

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Wie wird der Hirntod festgestellt?

Dies muss nach den Richtlinien der Bundesärztekammer unabhängig voneinander durch zwei Ärzte geschehen. Diese Mediziner dürfen nichts mit einer potenziellen Transplantation zu tun haben. Zwischen den Tests liegen mehrere Stunden. Der Hirntod wird unter anderem durch eine EEG-Nulllinie festgestellt. Sie bedeutet, dass im Hirn keine Aktivitäten mehr stattfinden. Dazu wird der Betroffene auf eindeutige Reflexe untersucht: Bei Hirntoten verengen sich zum Beispiel bei Lichteinfall nicht mehr die Pupillen. Auch wird die Durchblutung des Gehirns durch ein schwaches Kontrastmittel überprüft. Wenn dieses Mittel bei einer Durchleuchtung nicht sichtbar ist, so ist auch das Gehirn nicht mehr durchblutet.

Ein weiß gekleideter Organ-Transporteur mit Organ-Koffer auf dem Weg zum Flugzeug (Rechte: dpa)

Gibt es ein Organ für die Transplantation, muss es schnell gehen

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Wie sieht der technische Ablauf bei einer Transplantation genau aus?

Wenn der Hirntod festgestellt ist und einer Organentnahme zugestimmt wurde, melden die Krankenhausärzte der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) einen potenziellen Spender. Ein Koordinator der DSO veranlasst, alle wichtigen Organ- und Gewebewerte festzustellen, den Zustand des Spenderorgans zu überprüfen und auch zu prüfen, ob der Spender eventuell an einer übertragbaren Krankheit leidet. Diese Daten gibt er an Eurotransplant weiter. Eurotransplant ist die Organvermittlungsstelle für Deutschland, die Benelux-Staaten, Österreich und Slowenien. Ihren Sitz hat sie in der niederländischen Stadt Leiden. Hier suchen Experten in einer Datenbank nach einem geeigneten Empfänger und benachrichtigen ein Transplantationszentrum in seiner Nähe, wo die Organverpflanzung stattfinden soll. Dorthin werden innerhalb weniger Stunden die Organe in einer Konservierungslösung transportiert. Direkt nach der Ankunft findet die entscheidende Operation statt, bei der ein schwer kranker Patient ein neues Herz oder eine neue Niere erhält.

Worauf müssen Angehörige gefasst sein?

Schon die Todesnachricht ist für Angehörige ein schwerer Schock. Die Frage nach einer Organspende empfinden viele als zusätzlich belastend. Die Motivation dennoch zuzustimmen, hat oft mit der Einstellung zu tun, noch einen Tod zu verhindern und anderen Familien ähnliches Leid ersparen zu wollen. Dies erfordert Mut und einen feinfühligen Umgang durch das nächste Umfeld: Denn das Abschiednehmen in aller Ruhe wird leider durch die intensivmedizinische Behandlung von Hirntoten beeinträchtigt. Angehörige erleben einen Tod, der einer herkömmlichen Vorstellung vom Sterben nicht entspricht. Dazu passt auch, dass viele nicht die Feststellung des Hirntodes, sondern das Ende der Organentnahme als Todeszeitpunkt wahrnehmen.

Was verbirgt sich hinter der Hirntod-Diskussion?

Es gibt Menschen, die sehr kritisch mit dem Thema Organspende umgehen. Dazu gehören auch Angehörige von Patienten, denen ein Organ entnommen wurde. Sie weisen darauf hin, dass selbst Hirntote sich manchmal noch bewegen oder die Betroffenen Hautreaktionen wie Schwitzen zeigen können. Die Argumentation lautet, dass mit letzter Bestimmtheit nicht gesagt werden kann, ob der Hirntote nicht doch noch etwas spüre. Ihr Eindruck: Der Sterbeprozess werde manipuliert, die Organentnahme verhindere ein friedvolles Hinübergleiten in den Tod.

Sigrid Lauff/Prem Lata Gupta, Stand vom 21.01.2010

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