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Religiöse Positionen zur Organspende

Oft nennen Menschen religiöse Gründe, warum sie der Organspende kritisch gegenüber stehen. Doch was genau sagen die verschiedenen Religionen zu diesem Thema? Dreh- und Angelpunkt ist meist der Aspekt der Nächstenliebe und die Skepsis gegenüber der Hirntod-Definition.

Papst Bendikt breitet die Arme zum Segen aus (Rechte: picture alliance / dpa)

Organspende - Zeichen der Nächstenliebe

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Christentum

Die christlichen Kirchen haben zur Organspende positiv Stellung genommen und sagen: Organspende ist ein Akt der Nächstenliebe, der jedem Christen gut zu Gesicht steht. Sich zu Lebzeiten für die Organspende bereit zu erklären und als Angehöriger der Organentnahme zuzustimmen, bewerten die christlichen Kirchen als moralisch verantwortliches Handeln. Papst Benedikt XVI. geht mit gutem Beispiel voran und trägt einen Spenderausweis bei sich.

Islam

Da es im Islam verschiedene Glaubensrichtungen gibt, herrscht kein einheitliches Meinungsbild zum Thema. Traditionell geprägte islamische Würdenträger sind noch heute gegen die postmortale Organspende, da der Körper Allah gehöre und ihrer Auffassung nach nicht verletzt werden dürfe. Der moderne Islam dagegen erlaubt die Organspende und sieht sie als Zeichen der Nächstenliebe, sofern die Organspende die einzig lebensrettende Maßnahme für den Empfänger bedeutet. Die religiösen Gesetzestexte von verschiedenen islamischen Ländern verlangen wie im deutschen Transplantationsgesetz den festgestellten Tod und die Zustimmung des Spenders oder der Angehörigen. Auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat 1997 zur Organspende Stellung genommen. Demnach ist die Organspende für in Deutschland lebende Muslime mit dem islamischen Prinzip vereinbar.

Zwei schwarz gekleidete Rabbiner interhalten sich (Rechte: picture alliance / dpa)

Judentum ist geteilter Meinung

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Judentum

Hier kommt es drauf an, ob es sich um liberale oder orthodoxe Juden handelt. Liberale Juden bewerten das Leben höher als die Unversehrtheit des Leichnams. Die Orthodoxen legen dagegen Wert auf einen heilen Leichnam. Ende der 80er Jahre gab es eine Änderung in der Lehrmeinung in Bezug auf das Hirntodkriterium. Gemäß der Halacha war bis dahin das Hirntodkriterium zur Feststellung des Todes nicht ausreichend, denn ein Mensch gilt demnach erst als tot, wenn Atmung und Herzschlag ausgesetzt haben. Zwar ist eines der wichtigsten Gebote des Judentums, Leben zu retten, doch nicht auf Kosten eines anderen. Seit Israels Chefrabbinat die postmortale Organspende Ende der 80er Jahre akzeptiert hat, sind Juden sogar durch ein religiöses Gebot dazu aufgerufen, ihre Organe zu spenden. Selbst einige ultraorthodoxe Juden tolerieren seitdem die Organtransplantation. Auch die Lebendspende, die Blut-, Haut- oder Knochenmarksspende, ist akzeptiert, da dadurch Leben gerettet werden kann.

Buddhismus

Der Buddhismus betrachtet den menschlichen Körper als unzertrennbare Einheit aus Körper und Seele. Diese Einheit wird durch den Todesprozess aufgehoben. Gemäß dem buddhistischen Glauben dauert der Todesprozess allerdings länger als äußerlich sichtbar. Vor allem die tibetisch-buddhistischen Anhänger stehen deshalb der Organspende kritisch gegenüber. Der Tod als prozesshafter Vorgang steht im Widerspruch zu einem festgestellten Todeszeitpunkt bei der Hirntoddiagnostik. Dennoch ist Lebendspende und postmortale Spende von Organen erlaubt. Denn zu den Grundsätzen des Buddhismus und zu den Voraussetzungen zur Erlangung des Nirwana gehören Mitgefühl, Geben, Teilen und Solidarität. Betont wird dabei, dass der Mensch sich nicht mit seinem Körper identifizieren und sich nicht an ihn klammern soll.

Hinduismus

Die Seele des Verstorbenen wird in einem anderen Lebewesen wiedergeboren. Obwohl im Hinduismus Körper und Seele klar getrennt wahrgenommen werden, herrscht die Meinung vor, dass der Leichnam unversehrt bleiben muss. Andererseits gibt es eine große Tradition, Leidenden zu helfen. Es gibt aber keine religiösen Bestimmungen zur Organspende. Generell ist dies eine individuelle Entscheidung.

Schintoismus

Der Schintoismus und sein zentraler Wert, die Reinheit, prägen die ethische Identität der Japaner. Organentnahmen bei Verstorbenen werden abgelehnt, da sie als Schändung des Leichnams gelten. Nur ein unversehrter Leichnam ermöglicht die Wiedergeburt der Seele. Darüber hinaus glauben die Japaner, würde die Zustimmung zur Organentnahme der Familie Unglück bringen. Obwohl ein toter Körper Inbegriff der Unreinheit ist und schnell „entsorgt“ werden muss, wird der Geist des Toten durch die Ahnenverehrung vergöttlicht. Bezweifelt wird außerdem, dass der Hirntod der tatsächliche Tod des Menschen sei, da nur der Ausfall der Gehirnfunktionen gemessen werde.

Undatierte Darstellung von Konfuzius (Rechte: picture alliance / dpa)

Unversehrtheit des Leichnams

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Konfuzianismus

Im Konfuzianismus, der chinesischen Staatsreligion, steht die gesellschaftliche Bedeutung eines Menschen im Vordergrund. Wenn das Leben eines Menschen seine jeweilige existenzielle Bedeutung für die Gesellschaft verliert, verliert auch der Mensch an Bedeutung. Der Nutzen einer medizinischen Behandlung für den Einzelnen wird mit dem Nutzen für die Gemeinschaft abgewogen. Die Bereitschaft zur Organspende ist jedoch gering. Denn nach dem Tod ist die Unversehrtheit des Leichnams anzustreben, damit er als „Ganzes“ in der Verbrennung dem Himmel übergeben werden kann. Nur bei demjenigen, dessen Verbrechen auch durch den Tod nicht gesühnt werden können, werden Organe entnommen.

Christiane Gorse, Stand vom 16.08.2010

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