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Erkrankungen der Schilddrüse

Obwohl die Schilddrüse ein sehr kleines Organ ist, hat sie großen Einfluss auf den Körper. Wenn sie nicht mehr richtig funktioniert, führt das zu zahlreichen Beschwerden. Etwa jeder dritte Deutsche leidet laut der "Schilddrüsen-Initiative Papillon" an einer krankhaften Veränderung der Schilddrüse. Frauen erkranken vier Mal häufiger als Männer. Viele Betroffene wissen zunächst gar nicht, was die Ursache ihrer Beschwerden ist, denn oft wird die Krankheit erst nach Jahren entdeckt. Doch welche verschiedenen Erkrankungen an der Schilddrüse gibt es überhaupt?

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Vergrößerte Schilddrüse (Kropf)

Die häufigste Schilddrüsen-Erkrankung in Deutschland ist die vergrößerte Schilddrüse. Ursache dafür ist in erster Linie eine schlechte Ernährung. Fertiglebensmittel, zu wenig Obst und Gemüse und nur selten Fisch: Viele Menschen geben dem Köper heute nicht mehr die Nährstoffe, die er braucht, um richtig zu funktionieren.

Afrikanerin mit starkem Kropf. (Rechte: Mauritius)

Die häufigste Schilddrüsenkrankheit: der Kropf

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Um den Körper mit Hormonen zu versorgen, benötigt die Schilddrüse das Spurenelement Jod. Wenn der Jod-Spiegel im Blut zu niedrig ist, sendet die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) das Hormon TSH (Thyreotropin) an die Schilddrüse aus. Die Schilddrüse reagiert, indem sie vermehrt Zellen produziert. Durch diese zusätzlichen Zellen kann die Schilddrüse den Hormonspiegel auch bei einer schlechten Jod-Versorgung für eine Weile konstant halten. Doch wenn dauerhaft zu wenig Jod aufgenommen wird, bilden sich immer mehr neue, größere Zellen und die Schilddrüse wächst. Der medizinische Ausdruck dafür lautet Hypertrophie, im Volksmund ist die Krankheit unter dem Namen "Kropf" bekannt.

Einen entstehenden Kropf bemerkt man zunächst kaum, denn im gesunden Zustand ist eine menschliche Schilddrüse nicht größer als eine Walnuss. Oft wird das Problem erst entdeckt, wenn der Kropf auf die Luft- und Speiseröhre drückt. Häufiges Räuspern, Schluck- und Atembeschwerden sind die Symptome. In diesem Fall hat sich meist bereits ein Knoten (Struma) in der Schilddrüse gebildet. Die Medizin kennt hier zwei verschiedene Ausprägungen: kalte und heiße Knoten.

Kalte und heiße Knoten

Kalte Knoten bestehen aus überlasteten Zellen, die ihre Arbeit eingestellt haben und keine Hormone mehr produzieren. Im schlimmsten Fall können diese Knoten durch das enorme Zellwachstum bösartig wuchern. Heiße Knoten hingegen produzieren unkontrolliert immer mehr Hormone, ohne vom Gehirn dazu aufgefordert worden zu sein. Dies bringt das komplizierte Zusammenspiel der Hormone im Körper durcheinander.

Umso wichtiger ist es daher, die Symptome zu beachten, um die Krankheit rechtzeitig zu erkennen. Im Frühstadium eines Kropfes genügt oft schon eine medikamentöse Hormon-Therapie, um die Entwicklung zu stoppen. In weit fortgeschrittenen Fällen ist jedoch manchmal eine Operation notwendig, in der das überschüssige Schilddrüsengewebe entfernt wird. Die beste Methode, um sich vor einem Kropf zu schützen ist allerdings eine jodhaltige und gesunde Ernährung.

Ein Arzt misst bei einer Patientin den Blutdruck. (Rechte: WDR)

Eine Überfunktion kann zu Bluthochdruck führen

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Über- und Unterfunktion

Fast ebenso weit verbreitet wie die vergrößerte Schilddrüse sind Funktionsstörungen des Organs. Entweder werden zu viele oder zu wenige Hormone produziert. In beiden Fällen hat dies erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Betroffenen. Das offensichtlichste Merkmal einer Funktionsstörung ist eine extreme Veränderung des Körpergewichts. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) nehmen die Patienten oft in nur wenigen Wochen stark zu, auch wenn sie sich gesund ernähren. Bei einer Überfunktion (Hyperthyreose) hingegen, verlieren Betroffene rasant an Körpergewicht – und zwar unabhängig davon, wie viel sie essen. Grund für diesen Vorgang ist der Einfluss der Schilddrüsenhormone auf die Geschwindigkeit des Stoffwechsels. Bei beiden Krankheiten kann es sich um eine so genannte Autoimmunerkrankung handeln. Das heißt, die Immunabwehr reagiert auf natürliche Stoffe innerhalb des Körpers, als wären es Krankheitserreger. Oft ist dieser Defekt erblich bedingt.

Die Schilddrüsenüberfunktion ist auch bekannt unter dem Namen Morbus Basedow. Bei dieser Krankheit kann das Hormon TSH nicht an den Rezeptoren der Schilddrüsenzellen andocken, da diese durch die Autoantikörper des Immunsystems bereits besetzt sind. TSH steuert normalerweise, wie viele Schilddrüsenhormone produziert werden. Doch wenn es nicht mehr in die Zellen gelangt, produziert die Schilddrüse immer weiter ihre Hormone T3 und T4 – ungebremst. Für die Patienten bedeutet dies nicht nur Gewichtsverlust, sondern ständigen Heißhunger, Unausgeglichenheit, Nervosität, Bluthochdruck und Hitzewallungen. Bisher ist nicht genau bekannt, warum dieser genetische Autoimmuneffekt bei manchen Menschen ausbricht und bei anderen nicht. Es besteht allerdings die Vermutung, dass Nikotin den Ausbruch begünstigen kann.

Rücken einer übergewichtige Frau in schwarzer Unterwäsche. (Rechte: WDR)

Übergewicht – nicht immer eine Frage der Ernährung

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Bei der Schilddrüsenunterfunktion (auch Hashimoto-Thyreoiditis genannt) handelt es sich um eine chronische Entzündung. Die Autoimmunabwehr ist hier noch viel stärker ausgeprägt als bei einer Unterfunktion. Statt nur die Rezeptoren zu blockieren, greift die Autoimmunabwehr das gesamte Schilddrüsengewebe an und zerstört die Zellen. Nach einer Weile ist die geschwächte Schilddrüse nicht mehr in der Lage, genügend Hormone zu produzieren. Die Folgen: Der Stoffwechsel verlangsamt sich und die Patienten leiden unter schlechter Haut, brüchigen Fingernägeln, Antriebsschwäche und Übergewicht. Bei Frauen können unregelmäßige Blutungen und Unfruchtbarkeit hinzukommen; Männer können die Zeugungsfähigkeit verlieren.

Wirklich heilbar sind beide Krankheiten nicht. Allerdings lassen sie sich durch eine Hormontherapie in den Griff bekommen. Bei einer Überfunktion der Schilddrüse muss der Patient regelmäßig Medikamente einnehmen, die die Hormonproduktion hemmen. Bei der Unterfunktion nimmt der Patient das Hormon L-Thyroxin ein – eben jenes Schilddrüsenhormon, das der Körper nicht mehr selbständig produziert.

Schild am Tor des Atommüll-Endlagers Morsleben warnt vor Radioaktivität. (Rechte: ddp)

Radioaktive Strahlung kann den Krebs auslösen

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Schilddrüsenkrebs

Krebs kann auch die Schilddrüse befallen. In Deutschland erkranken laut Robert-Koch-Institut jährlich etwa 5000 Menschen an einem Schilddrüsenkarzinom (Tumor). Damit ist dies eine eher seltene Form des Krebses. Die Betroffenen sind meist zwischen 50 und 60 Jahre alt. Frauen sind, wie bei allen Schilddrüsenerkrankungen, weit häufiger betroffen als Männer. Es gibt verschiedene Formen des Schilddrüsenkrebses. Sie unterscheiden sich danach, in welchem Bereich des Drüsengewebes der Tumor seinen Ursprung hat. Man unterteilt hierbei drei Gruppen: die differenzierten, die medullären und die undifferenzierten Karzinome.

Am häufigsten entsteht der Krebs in den Follikelzellen (differenzierte Karzinome), dort wo die Hormone T3 und T4 gebildet werden. Rund drei Viertel der Tumore befinden sich in diesem Bereich. In etwa 15 Prozent der Fälle entstehen Tumore in den C-Zellen, die das Hormon Calcitonin produzieren. In diesem Fall spricht man von einem medullären Tumor. Auch die undifferenzierten Karzinome entstehen im Bereich der Follikelzellen und machen etwa ein Zehntel der Tumore aus. Undifferenzierte Karzinome treffen häufig ältere Patienten und gelten als besonders aggressiv.

Die Ursachen, die zur Entstehung von Schilddrüsenkrebs führen, sind bislang noch nicht vollständig geklärt. Allerdings gibt es einige Risikofaktoren, die den Ausbruch der Krankheit begünstigen können. Dazu zählen vor allem Jodmangel, Röntgenstrahlen und radioaktive Strahlen. So erkrankten zum Beispiel Betroffene des Tschernobyl-Unglücks besonders häufig an dieser Krebsform. Aber auch eine genetische Vorbelastung kann das Krankheitsrisiko erhöhen. Menschen, in deren Familie es bereits Fälle von Schilddrüsenkrebs gab, sollten sich daher regelmäßig untersuchen lassen und auf die Alarmsignale des Körpers reagieren. Ein schnell wachsender Kropf, Schluck- und Atembeschwerden sind meistens die ersten Symptome. Wenn tatsächlich eine Krebserkrankung festgestellt wird, hilft nur eine Operation in der das Tumorgewebe entfernt wird. Überreste des Tumors werden, je nach Art, entweder mit einer Radiojod- oder Strahlentherapie behandelt.

Bei einer rechtzeitigen Therapie des Krebses stehen die Chancen auf Heilung verhältnismäßig hoch. Solange sich noch keine Metastasen gebildet haben, kann die Krankheit gemäß einer Statistik des Robert-Koch-Instituts in rund 90 Prozent aller Fälle geheilt werden.

Jennifer Dacqué, Stand vom 01.06.2009

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