Phänologische Beobachtungsnetze
Das Grundnetz des Deutschen Wetterdienstes
Das Grundnetz des Deutschen Wetterdienstes umfasst circa 1550 Stationen, deren Beobachtungen zu Blattentfaltung, Blüte, Fruchtreife und Laubverfärbung an ausgewählten Bäumen und Pflanzen einmal jährlich per Meldebogen übermittelt werden. Die Beobachtungen dieser sogenannten Jahresmelder werden immer zum Jahresende, am Ende der Vegetationsperiode, erfasst und archiviert.
Die Daten werden von ehrenamtlichen Pflanzenbeobachtern erhoben. Viele dieser ehrenamtlichen Mitarbeiter haben Berufe, die sie als Pflanzenbeobachter sozusagen prädestinieren: Sie sind zum Beispiel Landwirt, Gärtner, Förster oder Biologielehrer. Es gibt jedoch auch viele Beobachter, die einfach aus Liebe zur Natur und einem großen Interesse am Umweltgeschehen Melder werden.
Die Sofortmelder des Deutschen Wetterdienstes
Etwa 400 Jahresmelder sind gleichzeitig auch als Sofortmelder in ihren Regionen tätig. Zweck der Sofortmeldernetze ist der sofortige Zugriff auf die Ergebnisse der phänologischen Betrachtungen. Das nützt vor allem der Abteilung Landwirtschaft, die landwirtschaftliche Unternehmen agrarmeteorologisch berät und Vorhersagen für landwirtschaftlich bedeutsame Ereignisse und Zustände macht, zum Beispiel Bodenfeuchte, Wasserbedarf von Pflanzen, Kornfeuchte oder Pflanzenkrankheiten. Die Ergebnisse nutzt auch der Polleninformationsdienst, der medizinische Einrichtungen informiert.
Internationale Netze
Damit phänologische Daten noch größere Aussagekraft erhalten, gibt es seit einigen Jahren Bemühungen, die Arbeit der einzelnen europäischen Beobachtungsnetze miteinander zu koordinieren. Bis es soweit ist, müssen jedoch noch viele Hürden genommen werden.
Die nationalen Netze haben viele Jahrzehnte unabhängig voneinander gearbeitet und in dieser Zeit eigene Standards entwickelt. Jedes Netz hat eigene Traditionen und eigene Reihen, die man nicht aufgeben will. Das hat zur Folge, dass die Daten unterschiedlicher Regionen oft nicht vergleichbar sind. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Österreich sammelt jedoch bereits gemeinsame Daten aus mehreren europäischen Ländern und stellt sie mit einheitlichen Codes dar. Bis die größten Vereinheitlichungsprobleme überwunden sind und die europäischen Phänologen zusammenarbeiten können, wird es wohl noch ein langer Prozess, sagt Ekko Bruns, Phänologie-Experte des Deutschen Wetterdienstes.
Christine Buth, Stand vom 18.11.2011
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