Unsere kleine Obstblütenanleitung
Wussten Sie, dass die Obstblüte nicht nur männlich oder weiblich sein kann? Ganz im Gegenteil, denn in unseren Breitengraden besitzt eine Blüte meist zwei Geschlechter. Sie ist zwittrig, wenn Sie sowohl das männliche Merkmal, die Staubblätter als auch das weibliche Kennzeichen, die Fruchtblätter besitzt. Männliche und weibliche Blüten bestehen aus drei Blattelementen, wohingegen zwittrige Blüten vier Blattelemente vorweisen. Wir wollen hier die zweigeschlechtliche Obstblüte von außen nach innen betrachten.
Die Hülle der Blüte bilden die grünen Blätter, die in der Fachsprache Kelchblätter heißen. Die eigentliche Blüte beginnt dann eine Stufe weiter innen mit den sogenannten Kronblättern, die man umgangssprachlich als Blütenblätter bezeichnet. Innerhalb dieser von den Kronblättern gebildeten Blütenkrone befindet sich der Kranz der Staubblätter, das männliche Kennzeichen. Dieser umschließt die Pollensäcke mit den Pollen und dem Blütenstaub, die durch Tiere, meist Bienen, oder durch den Wind von einer Blüte zur anderen transportiert wird und die Blüten befruchten. Im Zentrum der Obstblüte findet man die Fruchtblätter, das weibliche Merkmal der Obstblüte. Diese wachsen oft zu einem Fruchtknoten zusammen, in dessen Mitte sich die Samenanlage der Blüte befindet, aus der sich der Samen entwickelt, wenn ihre Eizelle befruchtet wurde.
Der Pfirsich
Wer denkt, der Pfirsich sei eine junge Obstsorte, die durch spezielle Züchtung oder Kreuzung entstanden ist, liegt falsch, denn der Pfirsich war schon vor mehr als 4000 Jahren in China bekannt. Im frühen Mittelalter gelangte er über den heutigen Iran nach Europa.
Im Gegensatz zu den Chinesen, bei denen der Pfirsich für Unsterblichkeit steht, legen wir Europäer weniger Wert auf die symbolische Bedeutung, sondern vernaschen den Pfirsich lieber und schätzen seinen süßen, erfrischenden Geschmack. Das Merkmal der Pfirsichblüte ist seine Farbe, denn der rosarot blühende Pfirsichbaum ist unverwechselbar. Die Pfirsichblüte öffnet sich schon im Erstfrühling ab Ende März und ist somit eine der ersten Obstblüten des Jahres. Wenn Spätfröste den Pfirsichblüten zu stark zu schaffen machen, kräuseln sich die Blüten, werden bald abgeworfen und neue Blüten bilden sich nach.
Die Kirsche
Seit der Steinzeit schmeckt die Kirsche den Menschen in nahezu jeder Form, ob süß oder sauer, frisch oder in neuerer Zeit zu Marmelade verarbeitet. Noch bevor das Obst reift und geerntet werden kann, bietet aber auch die Blüte der Kirsche schon Grund genug, beim Spaziergang einige Minuten stehen zu bleiben. Von weitem zieht ein Kirschbaum oft die Aufmerksamkeit durch seine Größe auf sich, von Nahem beeindruckt er während der Vollblüte durch seine weiße Pracht.
Aufgrund dieses einheitlichen Weißtons der Blüten kann man schon mal sicher sein, dass es kein Apfel oder Pfirsich ist. Die fünf Blütenblätter der Kirsche umrahmen im Innern genau ein Fruchtblatt, auf dem sich später auch nur ein Same befinden kann. Von außen werden die Kirschblüten durch länglich ovale Blätter geschützt, die am Ende spitz zusammen laufen. Ein weiteres Merkmal der Kirschblüte sind die gelben Staubbeutel, die sonst nur die Äpfel besitzen.
So ist es gerade beim Kirschbaum möglich, ihn anhand eindeutiger Blütenmerkmale zu identifizieren. Auch wenn er für unsere Apfelblütenaktion keine Rolle spielt: Nutzen Sie die Gelegenheit, den wunderschönen Anblick eines voll blühenden Kirschbaumes zu genießen.
Die Pflaume
"Nimm Pflaumen für des Alters morsche Last, denn sie pflegen zu lösen den hartgespannten Bauch" schrieb schon der römische Dichter Martial vor fast 2000 Jahren.
Die Pflaume oder Zwetschge, wie sie in einigen Regionen Süddeutschlands genannt wird, ist nicht nur wegen ihres überaus leckeren Geschmacks beliebt, sondern wird aufgrund ihrer Schönheit auch oft als Ziergewächs angebaut und zu Dekorationszwecken verwendet.
Pflaumen- und Kirschenblüten haben einige Gemeinsamkeiten. Genauso wie die Kirsche besitzt auch die Pflaume meist weiße Blütenblätter, wobei der Farbton je nach Sorte auch manchmal rosa oder grünlich erscheint. An zwei bis drei flaumig behaarten Blütenstielen, die jeweils zusammen wachsen, entwickeln sich die Blüten, die – ebenfalls wie die Kirsche – ein Fruchtblatt im Innern besitzen. In der Farbe der Staubbeutel aber unterscheidet sich die Pflaumenblüte von der Kirsche, denn die der Pflaume sind nicht gelb, sondern orange bis braun.
Die Birne
Nicht ganz so alt wie der Pfirsich, die Kirsche und die Pflaume ist die Birne, von der schon Homer in der griechischen Antike berichtete. Neben dem Anbau der Birne als Zierpflanze besteht ihre Hauptaufgabe aber nach wie vor darin, unseren Gaumen in verschiedensten Geschmacksrichtungen zu verwöhnen.
In der optischen Unterscheidung hebt sich der Birnbaum auf den ersten Blick nicht sonderlich von Kirsch- und Pflaumenbäumen ab, da auch die Birnenblüte ganz weiße Blätter besitzt. Die fünf Kronblätter der zwittrigen Birnenblüte jedoch umschließen im Innern nicht nur ein, sondern fünf Fruchtblätter und auch ihre Staubbeutel, von denen jede Blüte etwa zehn besitzt, sind markant rot.
Ein weiteres Merkmal des Birnbaums ist seine Form und die Beschaffenheit seines Holzes. Die Zweige stehen meist in spitzem Winkel zum Stamm und verlaufen nach außen bogenförmig abwärts. Die Rinde der Birne ist meist rauh, krümelig und hat tiefrissige Furchen, wobei die Farbe des Holzes gelb-rot-braun ist.
Wem all das zu kompliziert ist, der kann seine Nase einmal an eine Birnenblüte halten und wird sich vielleicht wundern, dass ihm kein wohl duftender Frühlingsgeruch entgegen kommt, denn die Blüte der Birne riecht leicht fischig.
Der Apfel
Zu guter letzt wollen wir Sie mit den Eigenarten und Merkmalen des Apfelbaumes und seiner Blüten vertraut machen.
Ein prägendes Merkmal hat die Apfelblüte, die von den genannten Obstsorten als letztes blüht, wohl durch ihre Farbe, denn eine solche Kombination aus rosa und weiß findet sich sonst nicht so schnell. Sind die Knospen noch zu, erscheinen sie in einem Rosaton, der nicht selten als tiefes Rot erscheint. Die zwittrigen Apfelblüten unterscheiden sich in der Anzahl der Fruchtblätter nicht von der Birne, doch im Gegensatz zu dieser sind die Staubblätter der Apfelblüte gelb und nicht rot. Auch in ihrer optischen Gesamterscheinung unterscheidet sich der Apfel- vom Birnbaum durch seine fast rechtwinkligen Zweige am Stamm, die nach außen auch weitgehend starr wachsen. Im Gegensatz zum Holz des Birnbaums kann man am Apfelbaum nur leichte Furchen erkennen, wobei die Rinde meist flächig abschuppend aussieht und das braun-schwarze Holz dunkler ist als das der Birne.
Bettina Werheid, Stand vom 18.03.2010











