Kernkraft
Energie durch Atomspaltung
Ein Kernkraftwerk (KKW) wird unter anderem oft als Atombrenner, Kernreaktor oder Atomofen bezeichnet. Diese Bezeichnungen meinen zwar verschiedene Teile der Kernkraftgewinnung, spielen aber alle auf die grundlegende Funktionsweise an: die Atomspaltung. Entdeckt wurde sie 1938 von den deutschen Chemikern Otto Hahn und Friedrich Wilhelm Strassmann. Sie merkten schnell, dass dabei immense Energien freigesetzt werden. In Kernkraftwerken wird diese Energie benutzt, um Wasserdampf, also Wärmeenergie zu erzeugen. Die Turbinen eines Generators wandeln die Wärmeenergie schließlich in die nutzbare elektrische Energie um, die an die Haushalte weitergeleitet wird. Das Kernkraftwerk ist also im Grunde ein Dampfkraftwerk, das mithilfe der Atomspaltung betrieben wird.
Das spaltbare Material, welches in den Kraftwerken benutzt wird, ist in der Regel Uran - ein radioaktives Schwermetall. Es befindet sich in Brennstäben, die zu Brennelementen zusammengebündelt werden. Durch den Beschuss mit Neutronen wird das Uran in kontrollierten Kettenreaktionen gespalten. Dies geschieht im Kernreaktor. Dieser ist von einer dicken Betonkammer umhüllt, die verhindern soll, dass radioaktive Strahlung nach außen dringt.
Klimaschutz durch Atomenergie? (4'00'')
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Kernkraftwerke - theoretisch vorteilhaft
Sauber, leistungsstark und kostengünstig - dies sind die wichtigsten Argumente der Kernkraftbefürworter. Mit einem Kilogramm Uran lassen sich etwa 350.000 Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugen. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Öl reicht für etwa zwölf kWh. Besonders die "Schnellen Brüter" erreichen eine sehr hohe Brennstoffausnutzung, weil sie auch die normalerweise unspaltbaren Bestandteile des Urans verwenden können. Im "Schnellen Brüter" werden diese in Plutonium umgewandelt. Das führt dazu, dass in diesen Werken mehr Spaltstoff hergestellt wird, als zur Wärmerzeugung nötig ist.
Während ein Braunkohlekraftwerk pro erzeugter Kilowattstunde Strom 1,040 Kilogramm des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2) ausstößt, ist der Wert bei Kernkraftwerken mit 25 bis 50 Gramm gering. Lässt sich also mit Kernenergie die Klimaerwärmung stoppen? Nach Angaben des "Infokreises Kernenergie Bonn" setzten im Jahr 2006 weltweit 31 Länder Kernkraftwerke zur Stromproduktion ein. Von insgesamt 437 Werken wurden allein 104 in den USA, 59 in Frankreich und 56 in Japan betrieben. Wissenschaftler des "Öko-Instituts" haben errechnet, dass weltweit also mit Kernenergie rund 15 Prozent des Strombedarfs produziert wird, insgesamt rund sechs Prozent des globalen Primärenergie-Verbrauchs. Um einen wirklich spürbaren Klimaeffekt zu erreichen, müssten etwa 1000 bis 1500 neue AKW weltweit gebaut werden. Doch Uran ist ein endlicher Rohstoff und die Reserven sind begrenzt: Bei einer Verdopplung der Nuklearkapazitäten in den nächsten 40 Jahren wären die Uranvorräte bald erschöpft.
Das Risiko der praktischen Anwendung
Den Vorteilen der Kernenergie steht ein hohes Risiko gegenüber. Durch die Spaltung des atomaren Materials wird neben der gewünschten Energie radioaktive Strahlung erzeugt. Welche verheerenden Auswirkungen diese auf Mensch und Umwelt haben kann, ist seit dem Abwurf der ersten US-Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki ins öffentliche Bewusstsein gelangt. Kernkraftwerke aber, so wurde jahrelang beteuert, seien absolut sicher. Dieses Vertrauen wurde am 26. April 1986 zum ersten Mal erschüttert. Rund 600.000 Menschen wurden in Folge eines Reaktorunfalls in Tschernobyl in der heutigen Ukraine starken radioaktiven Strahlungen ausgesetzt. Allein unter den Bergungsmannschaften gab es zirka 7000 Tote, Hunderttausende Menschen mussten umgesiedelt werden. Die Umwelt war verseucht, Menschen erkrankten in Folge der Bestrahlung und starben.
Doch auch im Normalbetrieb sind Kernkraftwerke gesundheitlich nicht vollkommen unbedenklich. Im Jahr 2001 sorgte eine Studie vom "Umweltinstitut München" für Aufsehen, die erhöhte Kinderkrebsraten in der Umgebung von Kernkraftwerken nachwies. Das Bundesamt für Strahlenschutz bestätigte nach anfänglichen Zweifeln die Richtigkeit der Untersuchung.
Ein weiteres Problem und Gefahrenpotenzial stellt der anfallende atomare Müll dar, für den bis heute weltweit kein geeignetes Endlager gefunden wurde. Hinzu kommt die Angst vor terroristischen Anschlägen auf Atomanlagen. Außerdem befürchten Atomgegner die Verbreitung von atomwaffentauglichem Material, das zum Beispiel Terroristen in die Hände fallen könnte.
Silke Rehren/Johanna Rüschoff, Stand vom 29.07.2010
Sendung: Atomkraft - Das ABC der Kernenergie, 29.07.2010





