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Kernfusion - Energie der Zukunft?

Die Sonne bezieht ihre ungeheure und schier unerschöpfliche Energiemenge aus der Kernfusion - der Verschmelzung von Atomkernen. Die Verlockung, das Sonnenfeuer auch auf der Erde zu entzünden, ist groß. Das dafür benötigte Brennmaterial, Wasserstoff, ist auf dem blauen Planeten reichlich vorhanden.

Technische Schnittzeichnung des Kernfusionsreaktors mit dem zum Plasma erhitzten Wasserstoff. (Rechte: mauritius-images)

Die Voraussetzungen für die Kernfusion sind der Knackpunkt

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Wenig radioaktiver Abfall - reichlich vorhandener Brennstoff

Im Vergleich zur Kernspaltung hat die Kernfusion einige Vorteile. Bei beiden Techniken entstehen nur wenig Treibhausgase. Fusionskraftwerke wären sicherer und radioaktiver Abfall entsteht in geringeren Mengen. Der gilt zudem als erheblich ungefährlicher. Schon nach etwa 100 Jahren soll keine Gefahr mehr von ihm ausgehen, während die Abfälle aus der Kernspaltung uns eine "strahlende Zukunft" auf Jahrtausende hinaus bescheren und das Endlagerproblem nach wie vor ungelöst ist. Der Brennstoff für ein Fusionskraftwerk ließe sich aus Meerwasser und dem häufig vorkommenden Metall Lithium gewinnen. Bei der Kernfusion verschmelzen Wasserstoffisotope (Deuterium und Tritium) zu Helium. Dabei wird ungeheuer viel Energie frei. Der Haken: Wasserstoffatome verschmelzen nicht freiwillig. Man muss sie auf 100 Millionen Grad erhitzen, sie in ein sogenanntes Plasma überführen.

Forschungsreaktor "ITER" - eine technische Herausforderung

Die enorme Hitze, die man für das Plasma braucht, ist ein Problem. Mit gewaltigen Elektromagneten muss man das Plasma von den Reaktorwänden fernhalten, weil es sich sonst zu stark abkühlt und das Fusionsfeuer wieder ausgeht. In bisherigen Testanlagen kann der Fusionsprozess deshalb nur kurze Zeit am Laufen gehalten werden - etwa eine Minute - und man muss auch noch mehr Energie reinstecken, als bei der Fusion wieder frei wird. Deshalb wurde 2005 der Bau des internationalen Forschungsreaktor "ITER" (lateinisch: "der Weg") beschlossen, der seit 2008 im französischen Cadarache gebaut wird. Japan, Russland, die USA, Südkorea, Indien und die Europäische Union sind Partner in dem "Weltprojekt". Damit soll es erstmals gelingen, die technischen Probleme in den Griff zu bekommen. Und der Reaktor soll, auch zum ersten Mal, mehr Energie produzieren, als zu seinem Betrieb notwendig ist. Die Anlage wird etwa zehn Milliarden Euro verschlingen und soll 2018 in Betrieb gehen. Ziel des Projekts ist es, die wissenschaftliche und technische Machbarkeit der Energieerzeugung aus Kernfusion zu demonstrieren. Kritiker bezweifeln, dass dies gelingt, und selbst wenn, ist mit einem kommerziellen Fusionskraftwerk nicht vor dem Jahr 2060 zu rechnen. Die beteiligten Forscher und Ingenieure indes sehen bislang keinen wissenschaftlichen Grund, warum diese Form der Energieerzeugung nicht erfolgreich sein sollte.

Grafik der geplanten Anlage von ITER, dem internationalen Atom-Fusionsreaktor im suedfranzoesischen Cadarache. (Rechte: ddp)

"ITER" wird wohl über die Zukunft der Kernfusion entscheiden

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Langer Weg

Seit rund 50 Jahren betreiben Wissenschaftler Fusionsforschung, und es wird mindestens noch weitere 50 Jahre dauern, bis ein kommerziell erfolgreicher Reaktor ans Netz gehen könnte. Wer auf Kernfusion setzt, braucht einen langen Atem. Als energiepolitische Option kommt die Technik aller Wahrscheinlichkeit nach zu spät. Bis der erste Fusionsreaktor läuft, könnten erneuerbare Energiequellen wie Sonne, Wind und Biomasse längst den Hauptteil der Stromerzeugung übernommen haben.

Harald Brenner/Martin Gent, Stand vom 29.07.2010

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