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GAU und Super-GAU

Der "Größte anzunehmende Unfall" (GAU) ist der schlimmste denkbare Störfall beim Betrieb eines Atomkraftwerkes, für den die Sicherheitssysteme der Anlage ausgelegt sein müssen.

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Was macht einen GAU zum Super-GAU?

Durch den Normalbetrieb eines Atomkraftwerkes ist die Belastung durch radioaktive Strahlungen eher gering, so dass zu Beginn der Atomenergienutzung Einrichtungen zum Abschalten der Reaktoren quasi die einzigen Sicherheitsvorkehrungen waren. Nachbesserungen kamen mit einem US-Konzept, das als GAU den plötzlichen Bruch einer Hauptkühlmittelleitung festlegte. Die Notkühlung und die äußere Schutzhülle des Reaktorgebäudes – eine große Umhüllung aus Metall oder Beton – wurden damit zu gängigen Sicherheitssystemen. 1979 kam es im amerikanischen Atomkraftwerk "Three Mile Island" (Pennsylvania) zum ersten Mal zum GAU. Die Brennstäbe konnten nicht mehr gekühlt werden, und es setzte die sogenannte Kernschmelze ein. Bei der Kernschmelze erhitzen sich die Brennstäbe im Kraftwerk so stark, dass sie schmelzen und die Gefahr einer Explosion besteht. Diese trat im amerikanischen Kraftwerk aber nicht ein. So blieben die Gefahren durch austretende radioaktive Substanzen für die Bevölkerung relativ gering.

Der Komplex eines Kernkraftwerkes in Luftansicht: Im Zentrum der Anlage steht ein halbrundes Betongebäude, das den Reaktorkern umschließt. (Rechte: dpa)

Eine Betonumhüllung soll den Austritt radioaktiven Materials verhindern.

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Super-GAU

Ist eine Reaktorkatastrophe dagegen nicht mehr beherrschbar, spricht man von einem Super-GAU. Im April 1986 trat er in Tschernobyl in der heutigen Ukraine ein. Während eines Experiments geriet Block 4 des Atomkraftwerkes außer Kontrolle. Die Hitze verbog Metall und Reaktorstäbe und der Kern konnte nicht mehr gekühlt werden. Wie zuvor in "Three Mile Island" kam es zur Kernschmelze. In Tschernobyl konnte die Situation aber nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden: Durch die folgende Explosion gerieten innerhalb des Reaktors 1500 Tonnen Graphit in Brand. Ein regelrechter Feuersturm riss radioaktive Materialien kilometerhoch in die Atmosphäre, wo sie von starken Winden erfasst wurden. Die radioaktive Wolke verteilte verseuchtes Material über weite Teile Europas. Nach Schätzungen wurden 600.000 Menschen einer starken Strahlenbelastung ausgesetzt, unter den Bergungsmannschaften gab es circa 7000 Tote. 125.000 Helfer erkrankten nach Informationen der Weltgesundheitsorganisation schwer. Ein Gebiet halb so groß wie die Bundesrepublik wurde in der Ukraine, Weißrussland und Russland verseucht, 375.000 Bewohner mussten umgesiedelt werden. 3,5 Millionen Menschen sind allein in der Ukraine offiziell als Opfer des Unglücks registriert.

In Tschernobyl waren verschiedene Umstände daran Schuld, dass aus dem GAU ein Super-GAU wurde. Als schwerwiegendstes Merkmal des Unfalls wurde später der Graphitbrand bezeichnet, der die radioaktiven Substanzen weiträumig verteilte. Der offiziellen Version zufolge, führten eine Reihe menschlicher Irrtümer zum Unfall. So wollten die Techniker des Kraftwerkes am Tag des Unglücks einen Turbinentest bei noch laufenden Reaktoren durchführen und legten dafür das automatische Steuerungssystem und die Notkühlung still. Außerdem hatte das Kraftwerk keine Schutzhülle um das Reaktorgebäude, die möglicherweise das Austreten radioaktiven Materials hätte verhindern oder begrenzen können.

Silke Rehren, Stand vom 29.07.2010

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Bildcollage zum Thema Atomkraft (Rechte: frei)

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