• Zum Inhalt springen
  • Zur Hauptnavigation springen
  • Zur Themennavigation springen
  • Zum Suchfeld springen
Logo von Planet Wissen

Planet Wissen
Tschernobyl

  • Hilfe
  • Kontakt
  • WDR
  • SWR
  • BR Alpha

Themennavigation

  • Natur Technik
  • Politik Geschichte
  • Kultur Medien
  • Länder Leute
  • Sport Freizeit
  • Alltag Gesundheit

Suche

Hauptnavigation

  • Startseite
  • Sendungskalender
  • Wissen interaktiv
  • Bildergalerien
  • Podcast
  • Kontakt
  • Newsletter
  • Hilfe
  • Impressum

Navigationspfad

Sie befinden sich hier:

  • Planet Wissen
  • Natur & Technik
  • Atomkraft
  • Tschernobyl

Das Reaktorunglück von Tschernobyl

Am 26. April 1986 kam es im Atomkraftwerk von Tschernobyl zum bisher schwersten Unfall in der Geschichte der Kernenergie. Zwei Explosionen zerstörten einen der vier Reaktorblöcke und schleuderten radioaktives Material in die Atmosphäre, das weite Teile Russlands, Weißrusslands und der Ukraine verseucht. Die radioaktive Wolke zieht bis nach Mitteleuropa und zum Nordkap.

Reaktor von Tschernobyl 2006 (Rechte: dpa)

Tschernobyl im Jahr 2006

Vergrößern

Mehr zum Artikel

Tschernobyl
Video
Klaus Traube
Der erste Störfall?
Schilddrüsenzentrum Gomel
Literatur & Co
Link-Tipps

Der Ablauf der Katastrophe von Tschernobyl

Am 25. April 1986 startete die Reaktormannschaft in Block IV des Atomreaktors von Tschernobyl eine Versuchsreihe. Es sollte überprüft werden, ob nach dem Abschalten der Turbine die Rotationsenergie ausreicht, um ausreichend Strom zu produzieren, bis die Notstromaggregate laufen.

Beginn des Versuchs

Der Reaktor blieb in Betrieb, das Notkühlsystem und weitere Sicherheitssysteme wurden ausgeschaltet. Direkt danach musste das Experiment wegen einer Stromanforderung für neun Stunden verschoben werden; es wurde erst nachts fortgesetzt. Als der Reaktor dazu auf 25 Prozent seiner Leistung heruntergefahren werden sollte, sank die Leistung plötzlich auf unter ein Prozent seiner Nennleistung. Der Grund für diesen Leistungsabfall in einen Bereich, in dem der Reaktor nicht mehr stabil läuft, ist bis heute ungeklärt.

Eine fatale Konstruktion

Anstatt den Reaktor abzuschalten, versuchte die Bedienmannschaft, die Leistung zu steigern. Dazu wurden die Regelstäbe, mit deren Hilfe die Leistung des Reaktors gesteuert wird, aus dem Reaktorkern herausgezogen. Und hier wirkte nun die besondere Konstruktion des Tschernobyl-Reaktors vom Typ RBMK (grafitmoderierter Siedewasserreaktor) fatal: In deutschen Kernkraftwerken beispielsweise wird Wasser verwendet, um die Neutronen zu moderieren, also "abzubremsen". Bei niedriger Neutronenenergie erhöht sich die Spaltung im Reaktor. Hat der Reaktor nicht ausreichend Wasser, werden die Neutronen zu schnell und es kommt auch nicht zur Kettenreaktion. Beim Reaktor des Typs RBMK hingegen befinden sich rund 1700 Brennelemente in einzelnen, wassergekühlten Röhren, die wiederum senkrecht in einem Grafitblock stecken, der als Moderator dient. Die großen Nachteile dieser Technik: Kühlmittel und Moderator sind nicht identisch – bei einer Steigerung von Leistung und Temperatur nimmt auch die Kettenreaktion immer schneller zu; außerdem handelt es sich bei Grafit um brennbares Material.

Reaktor außer Kontrolle

Der Unfall selbst ereignete sich innerhalb weniger Minuten nach Testbeginn. Nach 30 Sekunden kam es zu einem rapiden Anstieg der Reaktorleistung, die Betriebsmannschaft versuchte eine Notabschaltung. Innerhalb der nächsten vier Sekunden stieg die Leistung jedoch weiter - auf das geschätzte 100-fache der Nennleistung des Reaktors. Um den Reaktor zu bremsen, hätten die Regelstäbe wieder komplett in den Grafitkern eingefahren werden müssen - ein Vorgang, der 18 bis 20 Sekunden dauert. Dazu kam, dass sich an den Spitzen der Regelstäbe Grafit befindet, was bei Reaktoren des Typs RBMK zunächst zu einer kurzfristigen Leistungssteigerung führt, ehe sie abgebremst oder abgeschaltet werden können. In Tschernobyl kam die Abschaltung zu spät. Der Druck, der sich im Reaktor durch Aufheizung und Verdampfung aufgebaut hatte, war bereits zu hoch. Es kam zu einer ersten Explosion, bei der Teile des Reaktors und des 64 Meter hohen Reaktorgebäudes zerstört wurden, der Grafitmantel des Reaktors begann zu brennen. Radioaktives Material wurde in die Atmosphäre geschleudert. Wenige Sekunden nach der ersten Explosion kam es zu einer zweiten Detonation.

Ursachensuche

Auch Jahrzehnte nach dem Unglück ist nicht abschließend geklärt, was in Tschernobyl wirklich geschehen ist. Sicher ist nur, dass viele Faktoren wie die Bauart des Reaktors, fehlende Sicherheitseinrichtungen und die Abschaltung von Sicherheitssystemen zusammenwirkten. Bei der Rekonstruktion des Unglücks und der Suche nach den Ursachen waren die Wissenschaftler auf Beschreibungen der Ereignisse und Schäden angewiesen. So ist bisher noch immer unbekannt, was den ursprünglichen Leistungsabfall ausgelöst hatte. Und es ist in der Fachwelt noch immer umstritten, was letztendlich die beiden Explosionen ausgelöst hat. Dies hängt auch damit zusammen, dass im Westen zur Zeit des Unglücks nur sehr wenig über diese Art von Reaktoren bekannt war. Informationen zur Funktionsweise und zum Unfall selbst kamen erst nach und nach ans Licht.
Nach der Katastrophe von Tschernobyl wurde in Russland, Litauen und der Ukraine mit der Nachrüstung der RBMK-Reaktoren begonnen, die als äußerst unsicher gelten.

Luftaufnahme des zerstörten Reaktorblocks des ukrainischen Atomkraftwerks in Tschernobyl (Aufnahme von 1986). (Rechte: dpa)

Um 1.23 Uhr explodierte der Reaktor

Vergrößern

Das Löschen des Reaktors

Um das Ausmaß der Katastrophe einzudämmen, musste der Reaktor gelöscht und abgedeckt werden. Noch in der Nacht des 26. April begannen die Feuerwehrleute damit, Kühlwasser in den Reaktorkern zum pumpen. Als das fehlschlug, wurden Militärhubschrauber organisiert, mit deren Hilfe man Blei, Bor, Sand und Lehm abwarf, insgesamt rund 5000 Tonnen Material. Dies führte jedoch zum gegenteiligen Effekt: Durch die Abdeckung erhöhte sich die Temperatur und es wurden umso mehr radioaktive Materialien freigesetzt. Erst als der Reaktor mit Stickstoff gekühlt werden konnte, war der Brand zehn Tage später unter Kontrolle.

Damit der Reaktor keine Radioaktivität mehr an die Umwelt abgeben konnte, musste er abgedeckt werden. Bis zum Herbst 1986 wurde daher ein sogenannter Sarkophag aus Beton um den Reaktor gebaut. Er war für eine Dauer von 20 bis 30 Jahren ausgelegt, doch bereits nach einigen Jahren zeigen sich schwerwiegende Schäden. 1997 wurde bei einer internationalen Konferenz, an der sich unter anderem die G7-Staaten, Russland, die Ukraine und die Europäische Union beteiligten, der Bau einer neuen Hülle beschlossen, die den zerstörten Reaktor für mindestens 100 Jahre sicher umgeben soll. 2012 soll die neue Schutzhülle fertig sein.

Die Liquidatoren

Insgesamt waren mit den Aufräumarbeiten und der Errichtung des ersten Sarkophags schätzungsweise 600.000 bis 800.000 Männer, sogenannte "Liquidatoren", im Einsatz. "Liquidatoren" hießen sie, weil sie die Folgen der Katastrophe liquidieren, also beseitigen sollten. Roboter, die für die Aufräumarbeiten eingesetzt werden sollten, blieben einfach stehen, weil die Elektronik angesichts der hohen Strahlenbelastung versagte. So schickten die Verantwortlichen, noch während der Reaktor brannte, Männer aufs Dach der Reaktorblöcke, um das herauskatapultierte Graphit und andere strahlende Brocken, die durch die Explosion nach außen geschleudert worden waren, mit Schaufeln zurück in den Krater zu werfen. In welcher Lebensgefahr sich die Liquidatoren durch die unvorstellbar hohe Strahlendosis am Reaktor befanden, das sagte den Männern niemand.

Eine Bergungsmannschaft bei Aufräumarbeiten am zerstörten Reaktor während der Nachtschicht (Aufnahme von 1986). (Rechte: dpa)

800.000 sogenannte "Liquidatoren" waren im Einsatz

Vergrößern

Schutzmaßnahmen

Als Schutzmaßnahme sollten die Männer nur 45 Sekunden auf dem Dach bleiben sowie einen Bleischutz vor der Brust und auf dem Rücken tragen. Doch was sind 45 Sekunden, um mit Blei ausgestattet über eine Leiter auf ein meterhohes Dach zu klettern, um dort zu arbeiten? Die jungen Männer wollten zupacken, von der unsichtbaren, tödlichen Strahlung merkten sie nichts. Also blieben sie länger und legten teilweise die Schutzkleidung ab, weil es so heiß war. Auch als unter dem Reaktor ein Tunnel gegraben wurde, um eine Betonschicht unter den Reaktorkern zu ziehen, der drohte, sich nach unten ins Grundwasser durchzufressen, arbeiteten die Männer ohne weiteren Schutz. 300 Millisievert wurde als Grenzwert für die radioaktive Belastung der Liquidatoren festgesetzt, Strahlenmediziner wie der Münchner Professor Edmund Lengfelder gehen aber davon aus, dass viele Männer das Zehnfache, also drei Sievert, abbekommen haben. Das ist 300.000-mal so viel, wie in Deutschland als durchschnittliche Jahresdosis als unbedenklich gilt.

Eine Aufnahme der Geisterstadt Pripjat (25.10.1990). (Rechte: dpa)

Seit dem 27. April 1986 eine Geisterstadt: Pripjat

Vergrößern

Evakuierung und Einrichtung einer Sperrzone

Obwohl den Verantwortlichen die Gefahr bewusst war, kümmerten sie sich vor allem um die Eindämmung der Katastrophe, nicht aber um die Information und den Schutz der Bevölkerung. Es vergingen anderthalb Tage, bevor die Gegend um den Reaktor von Tschernobyl, allen voran die Stadt Pripjat, in der 47.000 Menschen vor allem als Kraftwerksmitarbeiter lebten, evakuiert wurde. Am 27. April 1986 wurde die Bevölkerung dann mit Bussen weggebracht. 135.000 Menschen wurden insgesamt umgesiedelt, weitere 300.000 schlossen sich an, weil die Sperrzone, die dann wie mit einem Zirkel im 30 Kilometerradius um den Reaktor gezogen wurde, auch mitten durch Dörfer verlief. So zerbrachen Gemeinschaften und Wirtschaftseinheiten. Die nur wenige Kilometer vom Unglücksort entfernte Stadt Pripjat ist heute eine Geisterstadt.

Auch außerhalb des 30 Kilometerradius sind viele Gebiete hoch verstrahlt. Nach 1990 wurden teilweise so hohe Strahlendosen gemessen wie im direkten Umkreis des Reaktors. In der Nähe der weißrussischen Stadt Gomel wurde deswegen noch nachträglich eine Sperrzone eingerichtet - aber fünf Jahre lang hatten hier die Menschen ahnungslos gelebt.

Ein krebskrankes Mädchen (rechts) betrachtet in der Kinder-Krebsstation einer Spezialklinik in Kiew seinen Leidensgenossen, einen kleinen Jungen. (Rechte: dpa)

Die Krebsrate ist heute 30-mal so hoch wie vor der Katastrophe

Vergrößern

Gesundheitliche Folgen

Aus der regionalen Katastrophe wurde ein globales Problem, das mächtig am Image der Kernkraft kratzte. Noch heute leiden die Menschen in den betroffenen Regionen in der Ukraine und in Weißrussland an den Folgen der radioaktiven Verseuchung. Schwere Erkrankungen, vor allem der Schilddrüse, und eine Krebsrate, die 30-mal so hoch ist wie die vor der Katastrophe, machen das Ausmaß deutlich.

Die sogenannte Strahlenkrankheit bedeutet, dass die Körperzellen und roten Blutkörperchen zerstört werden und sich die Schleimhäute auflösen. Auch die Haut wird durch extreme Strahlung zerstört. Auch die Niedrigstrahlenbelastung greift den Körper an: Fehlfunktionen der Schilddrüse sind in der Ukraine und vor allem in Weißrussland noch heute ein großes Problem.

Genaue Zahlen, wie viele Menschen wirklich an den Folgen von Tschernobyl gestorben sind, sind schwer zu ermitteln, weil oft die Krankenakten der Liquidatoren als geheim gelten und selbst behandelnden Ärzten nicht zur Verfügung stehen. Man geht aber davon aus, dass über 50.000 Liquidatoren bis heute gestorben sind. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) geht allerdings davon aus, dass "nur" rund 30 Menschen, an der direkten Strahleneinwirkung gestorben sind.

Martina Frietsch, Christiane Gorse, Stand vom 16.03.2011
Sendung: Die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima - und ihre Folgen, 17.03.2011

Mehr zum Thema

Bildcollage zum Thema Atomkraft (Rechte: frei)

Atomkraft


  • Atommüll
  • Entstehung der Grünen
  • Grundlagen der Atomkraft

Wissen interaktiv

Bildcollage zum Thema Zeitreise 80er Jahre (Rechte: dpa)

Die 80er Jahre

nach oben

  • Seite empfehlen
  • Seite drucken
  • Impressum

URL dieser Seite: http://www.planet-wissen.de/natur_technik/atomkraft/tschernobyl/index.jsp

© WDR / SWR / BR-alpha 2012

WDR, SWR und BR-alpha sind nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.