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Klaus Traube

Der Super-GAU kann auch in Deutschland passieren – davon ist Klaus Traube fest überzeugt. Die Technik ist so gefährlich, dass menschliches Versagen verheerende Konsequenzen haben kann, sagt er mit Blick auf die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Wenn Traube seine Überzeugungen darlegt, erinnert er gerne an seine eigenen Erfahrungen als Manager in der Atomindustrie.

Klaus Traube (Rechte: SWR Freeze)

Vom Atommanager zum Umweltschützer: Klaus Traube

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"Atomtechnik ist nicht gutmütig"

Anfang der 1970er Jahre, Klaus Traube war damals Chef von Interatom, kam es im AKW Brunsbüttel zu einem gravierenden Störfall und nur um Haaresbreite konnte verhindert werden, dass Radioaktivität in die Umwelt gelangte. Die Fehleranalyse ergab eine triviale Ursache: Ein Mitarbeiter hatte mit dem Schraubenzieher an einer falschen Schraube gedreht. Klaus Traube fasst das so zusammen: "Jeder Mensch, der Jahre lang in einem Atomkraftwerk arbeitet, gewöhnt sich an die Gefahr und nimmt die Atomtechnik irgendwann als etwas Gutmütiges wahr." Und das sei die große Gefahr. In Tschernobyl hat die Betriebsblindheit zur größten Katastrophe in der Geschichte der Kernenergie geführt. Alltägliche Unachtsamkeit ist aber auch die Ursache für die vielen "kleinen" Störfälle, die alljährlich in Deutschland passieren.

Der Atomwissenschaftler Klaus Traube, aufgenommen am 27. Februar 1977. (Rechte: dpa)

Klaus Traube war in den 1970er Jahren Chef der Firma Interatom

BND-Affäre lässt Traube die Fronten wechseln

Klaus Traubes Biografie wäre ein Buch wert: 1928 wird er in Hannover als Sohn eines jüdischen Zahnarztes geboren. Der sozialdemokratische Vater hält die Schikanen der Nationalsozialisten nicht aus und nimmt sich 1938 das Leben. Der Sohn muss das Gymnasium wegen seiner jüdischen Abstammung verlassen und gegen Ende des Krieges transportieren ihn die Nazis in ein Arbeitslager. Dennoch bleibt Klaus Traube in Deutschland und studiert in den 1950er Jahren Maschinenbau und Romanistik. Bei AEG steigt Klaus Traube rasant auf, bis er Direktor des Fachbereichs Kernenergie wird. Nach Auslandsaufenthalten wird er 1972 Chef der zu Siemens gehörenden Firma Interatom, wo er unter anderem den schnellen Brüter in Kalkar mitentwickelt.

"Als Sozialdemokrat dachte ich, die Atomkraft behebt Umweltprobleme und Arbeitslosigkeit", begründet Klaus Traube seine Arbeit damals, als die Welt noch im Atomrausch war. Doch dann liest er 1972 den Bericht des Club of Rome über die Grenzen der Wachstumsgesellschaft, der damals großes Aufsehen erregte und die Anti-AKW-Bewegung in Deutschland inspirierte. Auch Klaus Traube denkt um. Seine Kontakte zur Studentenbewegung machen den BND misstrauisch, jahrelang wird er beschattet und schließlich zum "größten Sicherheitsproblem der Bundesrepublik" erklärt. Ihm wird vorgeworfen, sensible Informationen über Atomkraftwerke an RAF-Sympathisanten weitergegeben zu haben. "Der Spiegel" deckt mitten in der Diskussion um Lauschangriff und Radikalenerlass die Abhörmethoden des BND auf. FDP-Innenminister Werner Maihofer muss seinen Hut nehmen und Klaus Traube bekommt einen erstklassigen Freispruch. Freilich ist er da seinen Job bei Interatom schon los. Aber Klaus Traube blickt nachsichtig zurück: Die Zeit für einen Wechsel der Fronten war reif ...

Das Bild von 1994 zeigt das Kernkraftwerk Tschernobyl mit seinem Sarkophag um den Unglücksreaktor IV. (Rechte: dpa)

Was war in Tschernobyl genau geschehen?

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Ein Leben für den schrittweisen Atomaustritt

Seitdem streitet Klaus Traube für den Austritt aus der Atomenergie und liefert dafür triftige technische, ökologische und ökonomische Argumente, die aus seinem Mund besonders glaubwürdig sind. Als 1986 der Super-GAU in Tschernobyl bekannt wird, ist er einer der wenigen Experten, die herleiten können, was vermutlich im 2000 Kilometer entfernen Tschernobyl passiert sein könnte - denn die Sowjets geben kaum Informationen weiter. Bis heute engagiert sich Klaus Traube für den Austritt: Nachdem er lange energiepolitischer Sprecher des BUND war, arbeitet er jetzt für den Deutschen Naturschutzring. Und er betätigt sich als wissenschaftlicher Energieberater, zum Beispiel für die SPD-Bundestagsfraktion zum Thema Atomausstieg.

Die Atomenergie wird überschätzt

Für Klaus Traube ist die Atomenergie mehr denn je ein Flop. Dennoch ist die Diskussion seit der Erhöhung der Energiepreise wieder aufgeflammt. Wenn die Betreiber die Umverteilung der Restproduktionsmengen für die Atomkraftwerke, die in den nächsten Jahren abgeschaltet werden sollen, durchsetzen, verlängern sich die Laufzeiten der ältesten und unsichersten Kernkraftwerke Deutschlands bis in die nächste Legislaturperiode nach 2009. Dann könnte eine andere Bundesregierung den Ausstieg aus dem Ausstieg wahr machen. Das aber darf nach Ansicht von Klaus Traube nicht passieren. Deswegen rechnet der Experte vor: Die Atomenergie ist zu teuer, zu gefährlich und nicht zukunftstauglich, weil sie dem weltweit steigenden Strombedarf nicht gewachsen ist; die Uranvorkommen würden schlicht nicht ausreichen. Auch das Argument, Atomkraftwerke seien klimaschonend, lässt er nicht gelten. Denn klimaschonend sei die Atomenergie nur, wenn mit ihr die CO2-intensive Energieproduktion wie etwa durch Kohle ersetzt würde. Aber das spielt im weltweiten Maßstab nur eine geringe Rolle. Die Argumente der Atomlobby, so betont Klaus Traube, sind nicht stichhaltig. Stattdessen hofft er, dass die Politiker weiter bei der Erkenntnis bleiben, dass sie keine Alternative zum Energiesparen und zu erneuerbaren Energien haben.

Christiane Gorse, Stand vom 26.04.2006

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