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Das Schilddrüsenzentrum in Gomel/ Weißrussland

Wer versucht, Professor Edmund Lengfelder in seinem Institut in München (Otto Hug Strahleninstitut) zu erreichen, hat nur zu 50 Prozent die Chance, ihn dort anzutreffen. Denn Weißrussland, insbesondere die Stadt Gomel, ist für ihn so etwas wie ein zweites Zuhause geworden.

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Leben unter höchsten Strahlendosen

Die Region um Gomel, rund 100 Kilometer von Tschernobyl entfernt, ist die Region, die mit am meisten betroffen ist von der Reaktorkatastrophe aus dem Jahr 1986. Als Edmund Lengfelder und seine Mitarbeiter nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion das erste Mal in die Region fuhren, trauten sie ihren Augen nicht. Die Messinstrumente zeigten um Gomel radioaktive Werte auf, die fast genauso hoch waren wie die Verseuchung direkt um den zerborstenen Reaktor. Dort war seit 1986 eine Sperrzone errichtet, nicht aber in dem Gebiet bei Gomel. Über fünf Jahre hatten hier also die Menschen Tag ein Tag aus unter höchsten Strahlendosen gelebt. Nachträglich wurden die Menschen noch evakuiert und Gebiete gesperrt.

Eine Karte auf der in verschiedenen Farben die unterschiedlichen radioaktiven Belastungen um Tschernobyl und Gomel (Finger) dargestellt sind. (Rechte: SWR Freeze)

Neben Tschernobyl ist Gomel mit am stärksten belastet

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Die Schilddrüse – ein empfindliches Organ

Für Edmund Lengfelder war das der Beginn seiner Mission in Weißrussland. Mit Spenden baute er innerhalb der Poliklinik in Gomel ein Schilddrüsenzentrum auf, schaffte modernste medizinische Geräte an und ließ weißrussische Ärzte in Deutschland weiterbilden.

Die Schilddrüse ist das Organ, durch das radioaktives Jod im menschlichen Köper abgelagert wird. Funktionsstörungen, Entzündung der Schilddrüse und Schilddrüsenkrebs sind die Folgen. Früherkennung und Therapie ist überlebenswichtig, denn gerade bei Kindern und Jugendlichen ist die normale Körperentwicklung von der Hormonproduktion der Schilddrüse abhängig. Funktionsstörungen wie die Schilddrüsenunterfunktion schwächen nicht nur das Immunsystem, so dass eine normale Grippe statt zwei Wochen sechs dauert, sie begünstigen auch Schilddrüsenkrebs. Edmund Lengfelder rechnet damit, dass sich noch Jahrzehnte nach Tschernobyl bei den Menschen in Weißrussland neue Krebstumore bilden werden.

Einem kleinen Jungen wird die Schilddrüse per Ultraschall von einer Ärztin untersucht. (Rechte: Otto Hug Strahleninstitut - MHM)

Manche Kinder reisen 250 Kilometer für eine Untersuchung in Gomel

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30-mal mehr Schilddrüsenkrebs seit Tschernobyl

Schilddrüsenkrebs ist heutzutage relativ gut zu behandeln. Dennoch muss dazu der Krebs so früh wie möglich erkannt werden. Flächendeckende Untersuchungen kann aber auch das Schilddrüsenzentrum in Gomel nicht leisten, obwohl manche Kinder 250 Kilometer weit reisen, um sich in Gomel untersuchen zu lassen – eine Reise, die sich die meisten Menschen nicht leisten können. Dennoch wollen sich so viele Menschen im Schilddrüsenzentrum in Gomel untersuchen lassen, dass die Kapazität der mit Spenden finanzierten Einrichtung nicht ausreicht. Die Statistik sagt: Seit dem Reaktorunglück von Tschernobyl sind durchschnittlich 30-mal mehr Menschen an Krebs erkrankt als vor dem Unglück.

Christiane Gorse, Stand vom 16.03.2011
Sendung: Die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima - und ihre Folgen, 17.03.2011

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