"Deep Blue"
"Deep Blue" hat gleich mehrere Väter: fünf IBM-Ingenieure und einen internationalen Schach-Großmeister. Zusammen schufen sie einen Computer der IBM-RS/6000-SP-Baureihe, dessen Mikrochips für Schach optimiert wurden. "Deep Blue" ist eine Kombination aus dem Namen eines älteren Computers namens "Deep Thought" und dem inoffiziellen Firmennamen des Unternehmens "Big Blue" alias IBM. Besonders intelligent ist Deep Blue allerdings nicht. Er ist sogar dümmer als der stupideste Mensch. Aber eines kann er: Schach spielen. Und das mit atemberaubender Geschwindigkeit: Er berechnet in Sekunden etwa 200 Millionen Spielmöglichkeiten.
Vorsprung durch Taktik
Natürlich braucht auch ein Computer eine Taktik. Umso mehr, da er nicht intuitiv oder emotional spielt und auch nicht von seinem Gegner während des Spieles lernen kann. "Deep Blues" Berechnungen werden von folgenden zentralen Parametern bestimmt:
1. Das Brettzentrum muss gehalten werden.
2. Die Springer sind so früh wie möglich einzusetzen.
3. Gegnerische Springer sind so früh wie möglich zu schlagen.
4. Der König wird möglichst wenig bewegt.
Die Berechnung der Spielzüge geht nur bis zum Endspiel gut. Hier wäre der Computer hilflos, wenn er nur nach den Schachregeln spielen würde. In dieser Phase benutzt er, ähnlich wie zu Beginn, wieder eine Spielbibliothek, um den Gegner zu schlagen.
Ende gut, alles gut?
Jedes noch so perfekt scheinende System hat auch seine Tücken: "Deep Blue" kann zwar schnell und sehr weit eine Partie vorausberechnen, aber er geht einen vorgezeichneten Weg, der von einem guten Analytiker wie Kasparov zu durchschauen ist.
Warum verlor der Schachweltmeister dennoch? Wahrscheinlich aus ganz menschlichen Gründen, denn in einem ist er der Maschine hoffnungslos unterlegen: ein System wie "Deep Blue" kennt keine Konzentrationsschwächen, keine Müdigkeit und keine Langeweile.
Sabine Kern, Stand vom 02.06.2006







