Care-O-bot - Pfleger aus Stahl
Gucken, scannen, greifen
Seit mehreren Jahren arbeiten sie schon an dem Prototyp. Ihr erster Entwurf, der Care-O-bot 1, war zunächst nur eine Art computergesteuertes Servierwägelchen. Die zweite Version, der Care-O-bot 2, ist dagegen schon ein richtiger Roboter. Er kann Gegenstände durch zwei Kameras in seinem Kopf orten, mit seinem beweglichen Roboterarm greifen und auch anreichen. Entfernung, Form und Größe müssen dazu ständig neu berechnet werden. Um zum Beispiel eine Flasche erkennen zu können, muss der Roboter ihre Form mit Eigenschaften auf einer Datenbank abgleichen. Damit er sie nicht zerquetscht oder sie ihm aus der Hand fällt, werden beim Zupacken die Kräfte durch Sensoren gemessen.
Aber der Care-O-bot 2 kann noch mehr - sogar einer plötzlich auftauchenden Person ausweichen, da er mit einem Laserscanner seine Umgebung abtastet. Auch Befehle kann der er über ein abnehmbares Funkpanel mit Touchscreen entgegennehmen. So kann der Benutzer die Aktionen des Roboters überwachen, auch wenn er sich in einem anderen Raum befindet. Das Fraunhofer-Institut entwickelt seine Roboter jedoch stetig weiter. Die Version Care-O-bot3 verfeinert und erweitert die Fähigkeiten ihrer Vorgänger um ein Vielfaches. Dieser Roboter kann beispielsweise Gegenstände holen und bringen, den Tisch decken oder Türen und Schubladen öffnen.
Ersatz für menschliche Pfleger?
Auch die Japaner arbeiten an einem Altenheim-Roboter. Er heißt RI-MAN. Das 158 Zentimeter große, von japanischen Wissenschaftlern entwickelte und mit weichem Silikon beschichtete Gerät soll 70 Kilo schwere Menschen tragen können. Bereits jetzt kann der Roboter acht verschiedene Gerüche auseinander halten, feststellen, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt und ein menschliches Gesicht erkennen. In Zukunft soll er anhand des Atems den Gesundheitszustand eines Menschen beurteilen können. RI-MAN und Care-O-bot3 werden in der Altenpflege aber wahrscheinlich erst dann zum Einsatz kommen, wenn die heutige Internet-Generation im Rentenalter ist. Die Fraunhofer-Forscher rechnen, dass ihr Care-O-bot dann ungefähr so viel wie ein Mittelklassewagen kosten wird. Auch über Leasingmodelle denkt man nach. Ein mobiler Pflegedienst oder die Unterbringung im Altenheim ist um ein Vielfaches teurer. Einen Markt für Pflegeroboter wird es sicher bald geben. Bis zum Jahr 2030 wird sich die Zahl der über 60-Jährigen in Deutschland verdoppeln und die der über 90-Jährigen verdreifachen. Die Konsequenzen liegen auf der Hand: Immer mehr Alte müssen von immer weniger Jungen gepflegt werden.
Eines werden die Pflegeroboter jedoch nie können: den Menschen ersetzen. Care-O-bot3 kennt keine Gefühle, lacht nicht, spendet keinen Trost und muntert nicht auf. Er ist und bleibt eine Maschine, die künftig älteren oder behinderten Menschen dabei helfen soll, sich länger selbständig in der eigenen Wohnung zu versorgen. Und wenn er das schafft, hat man schon viel erreicht.
Michael Ringelsiep, Stand vom 28.10.2009







