Wie ist Erdöl entstanden?
Die Verwandlung
In den Tiefen der Meere und Seen gelangt an das tote, organische Material kaum Sauerstoff. Die Folge: Das abgestorbene Plankton kann nicht verwesen. Sedimente, wie Sand und Ton, mischen sich mit der Zeit in die Planktonschicht. Es entsteht der sogenannte Faulschlamm, feinkörniges, unverfestigtes Erdölmuttergestein.
Durch weitere Überlagerung mit Sedimenten verfestigt sich das Muttergestein und wandert in die Tiefe. Druck und Hitze nehmen zu. In einer Tiefe zwischen 1500 und 4000 Metern, bei Temperaturen zwischen 80 Grad Celsius und 150 Grad Celsius herrschen ideale Bedingungen für die Entstehung von Erdöl: Die Bindungen der großen Moleküle des Muttergesteins brechen auf. Es entstehen kleinere Moleküle, die Erdöl-Kohlenwasserstoffe. Aus fester Substanz wird so zähflüssiges Öl.
Der Weg nach oben
Der hohe Druck in der Tiefe quetscht das Öl aus dem Muttergestein heraus. Es gelangt in die nächste, poröse Gesteinsschicht. Weil es leichter als Wasser ist, wandert es in den Porengängen, zum Beispiel in Sandstein, nach oben, so lange, bis es in einer "Erdöl-Falle" gefangen wird: Eine undurchlässige Schicht, zum Beispiel Ton oder Salz, verhindert ein weiteres Auftauchen des begehrten Rohstoffes. In einer Art Kuppel sammeln sich im Speichergestein immer mehr Erdöltröpfchen – eine Erdöllagerstätte entsteht.
Erdölvorkommen sind also keine riesigen, unterirdischen Seen, sondern eher poröse Gesteinsschichten, die sozusagen wie ein Schwamm vollgesogen sind mit Erdöl. Die wundersame Verwandlung des Plankton zu dem schwarzen, stinkigen und klebrigen Rohstoff kann zwischen 10.000 und einigen Millionen Jahren dauern. So wie wir ihn aus der Erde holen, erinnert nichts mehr an seinen Ursprung, die Kleinstlebewesen aus Meeren und Seen.
Durchbruch
Manchmal schafft es das Öl auch bis an die Oberfläche. Erdölseen entstehen, wenn der fossile Brennstoff ungehindert nach oben steigt, weil keine undurchlässige Gesteinsschicht das verhindert. An der Luft verdunsten die leichteren Bestandteile. Übrig bleibt zäher Asphalt, deshalb heißen diese Kuhlen oder Seen auch Asphaltseen. Berühmt geworden ist der Pitch Lake auf der Karibikinsel Trinidad, ein Asphaltsee, der ungefähr so groß ist wie 40 Fußballfelder.
Harald Brenner, Stand vom 17.05.2013
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