Solar Impulse
Der solare Impuls
Der Name des Projektes deutet an, wie vielseitig die Zielsetzungen von Piccard und seinen Mitstreitern sind. Piccard will nicht nur unter Beweis stellen, dass man mit einem Solarflugzeug die Welt umrunden kann. Er will auch auf das Potenzial der Solarenergie aufmerksam machen. Piccard hält den Umgang und Verbrauch mit fossilen Brennstoffen in unserer heutigen Zeit für unverantwortlich. Mit dem Nachweis der Leistungsfähigkeit des Solarantriebs möchte er auch andere Entwickler und Ingenieure inspirieren, in Zukunft mehr auf solartechnologische Lösungen zu setzen. "Wenn ein Flugzeug Tag und Nacht nur mit Solarenergie und ohne Treibstoff fliegen kann, kann niemand mehr behaupten, dass solche Lösungen nicht auch für Autos, Heizungen, Klimaanlagen oder Computer möglich sind", sagt Piccard.
Die Herausforderung
Eigens für das Projekt wurde ein rekordverdächtiges Solarflugzeug gebaut. Es hat eine Spannweite von 64 Metern - ähnlich wie ein Airbus A 380 - und ist auf den Tragflächen komplett mit insgesamt 12.000 Solarzellen ausgestattet. Diese versorgen vier Propeller mit Energie und laden parallel Akkus für den Nachtflug auf. Denn wenn das Solarflugzeug die Erde umrunden soll, muss es auch nachts fliegen können, wenn keine Sonne scheint. Die maximale Geschwindigkeit liegt zwischen 50 und 100 Kilometern pro Stunde. Am Tag fliegt es in einer Höhe von zwölf Kilometern. In der Nacht kann es in einen energiesparenden Gleitflug übergehen und nach und nach bis auf etwa drei Kilometer Höhe absinken. Die Akkus garantieren aber auch nachts volle Flugtauglichkeit.
Auf jedem Kontinent ist ein Zwischenstopp eingeplant. Die Erdumrundung soll 20 Tage in Anspruch nehmen. Für Piccard und seinen Partner André Borschberg bedeutet das, bis zu vier Tage und Nächte nonstop fliegen - ohne einzuschlafen. Eine Herausforderung für Mensch und Technik. Mit Yoga und Entspannungsübungen wollen die Piloten unterwegs ihre Leistungsfähigkeit aufrechterhalten. Sollten sie doch einmal einschlafen, soll eine spezielle Kleidung mit integrierten Sensoren die Piloten warnen und notfalls wachrütteln. Droht der Pilot einzuschlafen, erfassen die Sensoren das über elektrische Signale des Körpers und lösen einen Vibrationsalarm aus. Schon allein diese technische Entwicklung wird Anwendung in vielen anderen Bereichen finden.
Start für 2012 geplant
Den wichtigsten Schritt in der Erprobung des Solarflugzeugs hat das Team um Piccard schon hinter sich: Im Juli 2010 konnte der Pilot André Borschberg das Flugzeug mehr als 24 Stunden in der Luft halten. Natürlich inklusive Nachtflug. Die wohl wichtigste Bedingung für den weiteren Erfolg der Mission. Als nächstes will Piccard eine Atlantiküberquerung wagen. Dazu wird allerdings ein zweiter Prototyp verwendet. Dieser ist noch größer und effizienter. Die Weltumrundung selbst ist dann für das Jahr 2013 geplant. Bis dahin werden allerdings noch einige Testflüge nötig sein.
Philip Häusser , Stand vom 11.11.2010
Sendung: Der Traum vom Fliegen - Von Vogelmännern und Superflugzeugen, 11.11.2010






