Alltagserfinder - Erfinderalltag
Erfinderschicksal: in Vergessenheit geraten
Der Traum vom Erfolg bedeutet für viele Erfinder auch, reich und berühmt zu werden. Oder wenigstens Anerkennung zu ernten. Vergönnt ist es nur wenigen. Heron von Alexandria ist ein erstaunliches und trauriges Beispiel dafür, wie leicht der menschliche Fortschritt um Jahrhunderte zurückgeworfen werden kann. Heron lebte und wirkte im ersten Jahrhundert nach Christus in Alexandria, dem Zentrum griechisch-römischer Wissenschaft. Er konstruierte schwere Türen, die sich scheinbar wie von Geisterhand öffneten, wenn ein Priester das heilige Feuer in einer Schale vor dem Tempel entzündete. Das Geheimnis: aufsteigender Dampf von erhitztem Wasser, einige Seilwinden und geschickt genutzter Wasserdruck. Eine großartige Sache! Aber die Griechen sahen sie eher als mechanische Spielerei. Auch die technisch begeisterten Römer fanden keine Verwendung für diese Dampfmaschinen, welche die menschliche Arbeitskraft ersetzten. Schließlich hatten die Römer ja genug Sklaven! So geriet Herons Wissen in Vergessenheit - und Dampf als Antriebskraft blieb bis ins späte 17. Jahrhundert ungenutzt.
Wer hat's erfunden? - Der Kampf ums Patent
Bei Erfindungen, die mehr Beachtung fanden und finden, gibt es häufig ein anderes Problem, mit dem der Erfinder sich herumschlagen muss: Er ist nicht der einzige, der Anspruch auf Autorenschaft erhebt. Die ersten erfolgreichen Flugversuche werden meist den Gebrüdern Wright zugeschrieben. Vor ihnen, 1901, war aber schon Gustav Weisskopf 800 Meter weit motorisiert geflogen. Das Telefon ist ebenfalls ein Kind vieler Väter. Im Kampf um das Patent setzte sich Alexander Graham Bell durch – am 14. Februar 1876 mit zwei Stunden Vorsprung vor Elisha Gray. Vielleicht gebührt der Ruhm aber doch jemand anders: Bereits 1861 telefonierte der Deutsche Philipp Reis mit dem von ihm erfundenen Apparat. Leider fehlte ihm das nötige Geld, um die Technik seines Telefons zu verbessern und das "Innovationspotential" seiner Erfindung auszuschöpfen. Er starb verbittert 1873. Ähnlich ist die Lage bei der Glühlampe. Der deutschstämmige Amerikaner Heinrich Goebel hatte sie schon 1854 erfunden, knapp 25 Jahre vor dem berühmt gewordenen "Zauberer von Menlo Park", Thomas Alva Edison. Das ungewollte Plagiat sei Edison verziehen – schließlich gehen mehr als 1500 Patente auf sein Konto! Ein Genie? Bestimmt. Edison selbst sagte: "Zum Erfinden gehören Fleiß und Schweiß." Und Vermarktung. Und genau da lag Edisons größtes Talent.
Erfinder im 21. Jahrhundert - zwischen Genius und Marketing
Im Vergleich zu ihren Vorgängern haben es heutige Erfinder schwer. Im hoch technisierten 21. Jahrhundert versetzt keine neue Technik mehr die ganze Menschheit in helle Aufregung. Der "Berufsstand Erfinder" hat sich den Forschern und Entwicklern stark angenähert. Und auf dem bereits übersättigten Markt eine richtige Sensation zu landen, ist kaum möglich, die Konkurrenz ist sehr hart. Bei diesen Bedingungen braucht es schon Idealisten und Visionäre. Doch die haben gerade in Deutschland eine lange Tradition: Trotz andauernder Konjunkturflaute ist der Erfindergeist in Deutschland ungebrochen. Rund 61.000 Patentanmeldungen verzeichnet das Deutsche Patentamt für das Jahr 2007. Aber es gelingt nur wenigen Erfindern, ihr Patent auch tatsächlich zu vermarkten.
Vermarktung, das ist das Stichwort! Wie man am Beispiel Edisons sieht, reicht ein genialer Gedanke allein nicht aus. Der moderne Erfinder muss sich und seine Innovationen geschickt managen. Und weil das nicht ganz einfach ist, gibt es heutzutage organisierte Unterstützung, zum Beispiel von SIGNO ("Schutz von Ideen für die gewerbliche Nutzung"). Mit dem Projekt unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Erfinderclubs in Deutschland.
Die größte unabhängige Vereinigung von Erfindern in Deutschland ist der DEV, der Deutsche Erfinder Verband. Er zählt über 500 Mitglieder: Berufstätige, Arbeitslose, Hausfrauen und -männer, Rentner, aber auch hauptberufliche Erfinder. Sie alle haben sehr unterschiedliche Bedürfnisse und Motivationen, nur sein lassen können sie es nicht: das ewige Tüfteln, Testen, Suchen.
Infiziert oder genial?
Wodurch unterscheiden sich diese Menschen von den anderen? Was hat sie "infiziert"? Sind sie verrückt oder einfach genial? "Auf alle Fälle sehr beharrlich, eher verbohrt, praktisch veranlagt. Und mit einer ordentlichen Portion Vorstellungskraft gesegnet", meint Karl Bauch. Er muss es wissen. Denn Herr Bauch ist nicht nur Vorsitzender des Deutschen Erfinderverbandes, sondern selbst ein wahrer Daniel Düsentrieb. Der Ingenieur kann seinen Erfindergeist austoben. "Fürs Erfinden geht eigentlich auch meine ganze Freizeit drauf. Und wenn ich mal nicht erfinde, dann bin ich anders kreativ, dann schreibe ich ein Gedicht."
Vielseitigkeit und Kreativität scheinen wichtige Merkmale aller Erfinder zu sein. Artur Fischer dichtet zwar nicht, dafür malt er. Die Ölgemälde hängen in seiner Firma, die unter anderem den Dübel produziert, der ihn berühmt gemacht hat. Mittlerweile nennt er so viele Patente sein eigen, dass er "Erfinderkönig" Edison bald eingeholt hat. Eine seiner neueren Innovationen: ein buntes Bastelspielzeug für Kinder – es besteht aus Pflanzenstärke und Lebensmittelfarbe. Obwohl Artur Fischer 2004 seinen 85. Geburtstag gefeiert hat, kann er sich für Neues begeistern. Vielleicht liegt darin das Geheimnis des erfolgreichen Erfinders!
Ulrike Vosberg, Stand vom 01.06.2009







