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Michail Kalaschnikow

Sein Name ist vermutlich der bekannteste russische Name weltweit: Kalaschnikow. 60 bis 80 Millionen Kalaschnikows - niemand kennt die genauen Zahlen - sind schätzungsweise im Umlauf. Der Mann, der mit dem Sturmgewehr "AK-47" quasi das Synonym für massenhaftes Schießen und Töten entwickelt hat, verfolgte laut eigener Aussage nur ein Ziel: sein Vaterland zu schützen. Der Autodidakt wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Geld hat er hingegen mit seiner Erfindung, die weltweit Waffengeschichte schrieb, nie verdient.

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Porträt: Michail Kalaschnikow (5'27'')
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Leben für eine Waffe

Michail Kalaschnikow sagt von sich selbst, dass er sein ganzes Leben seiner Waffe gewidmet hat. Von seinem 20. Lebensjahr an war der junge Mann allein von dem Gedanken beseelt, die bestmögliche Waffe für die Verteidigung seines Vaterlandes zu bauen und ständig weiterzuentwickeln. Dabei hatte der spätere Waffenkonstrukteur schon als kleiner Junge die dunkelsten Seiten der Geschichte dieses Vaterlandes am eigenen Leib erfahren. Michail Timofejewitsch Kalaschnikow kommt im Jahr 1919 als Sohn armer Bauern in Kurja, einem Dorf in der südrussischen Altai-Region, zur Welt. Nur acht der insgesamt 18 Kinder seiner Eltern überleben. Im Zuge von Stalins Zwangskollektivierung wird die Familie nach Sibirien deportiert - Michail ist gerade elf Jahre alt. Mit 16 Jahren verlässt er die Schule und beginnt eine Ausbildung als Techniker bei der Eisenbahn. 1938 wird Kalaschnikow zum Militär einberufen und arbeitet als Panzermechaniker.

Ein Ölgemälde zeigt einen stehenden Mann im Anzug, im Hintergrund hängt ein Gewehr. (Rechte: AKG)

Kalaschnikow hängt in Öl im Museum

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Ein geborener Erfinder

Als die Deutschen in die Sowjetunion einfallen, geht auch Michail Kalaschnikow an die Front - und wird im Herbst 1941 bei der Schlacht von Briansk schwer verletzt. Ohne den Krieg wäre Kalaschnikows technisches Geschick vielleicht in eine andere Richtung gelaufen. Doch so steht sein Entschluss fest: "Ich wollte eine Waffe bauen, um die Faschisten zu besiegen." Schon im Militärkrankenhaus zeichnet der Verwundete seine ersten Entwürfe in ein Heft. Seine Entwicklungen folgen weniger wissenschaftlichen Erkenntnissen als seinen eigenen Vorstellungen. Kalaschnikow ist kein Ingenieur, er hat nie eine Universität besucht. "Ich bin ein geborener Erfinder", sagt er von sich selbst. Die Bauteile seines Prototyps zeichnet seine spätere Frau Katja erst auf, nachdem er sie bereits in seiner Werkstatt gebaut hat. 1947 ist es dann so weit: Kalaschnikows Sturmgewehr kann vor den Augen der Heeresleitung bestehen und geht in Serie: ein einfach zu bedienendes Gewehr, die "Automat Kalaschnikow", kurz AK-47.

Eine Parade von Soldaten in Venezuela. Die Männer tragen Tarnuniform und haben sich die Gesichter angemalt. Sie halten Maschinengewehre in den Händen. (Rechte: dpa)

Bei Militärs beliebt: Maschinengewehre Typ Kalaschnikow

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Einsatzbereit im Schlamm wie im Staub

Das AK-47 stellte alle Waffen in die Schatten, die bis dato zur Verfügung standen. Die Stärke der Waffe bestand nicht in einer ausgeklügelten Technik, sondern in ihrer Einfachheit und Zuverlässigkeit. Zwar wog sie fünf Kilogramm und war somit schwerer als alle vergleichbaren Maschinengewehre, aber auch deutlich robuster. Die einzelnen Bauteile wurden nicht im Block, sondern voneinander getrennt auf der Oberseite der Waffe angeordnet, was sie weniger störanfällig machte. Egal, ob die Soldaten damit durch Staub, Schlamm oder Wasser robbten - das AK-47 war einsatzbereit, im russischen Winter oder in der Sahara ebenso wie im Dschungel. Was die Waffe für den Kriegseinsatz perfekt machte, war die Möglichkeit, von Einzelschüssen auf Dauerfeuer zu wechseln. Bereits 1949 zeichnet Stalin Kalaschnikow mit dem Stalin-Preis aus - es folgen: dreimal der Lenin-Orden, zweifache Auszeichnung als "Held der Sozialistischen Arbeit" und schließlich sogar der Doktortitel für Technische Wissenschaften. Nur Geld hat Kalaschnikow für seine Erfindung nie gesehen, denn sie patentieren zu lassen, kam ihm gar nicht in den Sinn.

Ein Mann, vermummt mit einem Palästinensertuch, posiert mit einer Kalaschnikow. (Rechte: dpa)

Hamas-Aktivist mit Kalaschnikow

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"Die Waffe führt ein Eigenleben"

Jahrzehntelang lebt Kalaschnikow abgeschottet als Geheimnisträger im hintersten Winkel des Ural und entwickelt in der Waffenfabrik von Ischewsk seine Waffe weiter. Zunächst gelingt es den Russen, das AK-47 weitgehend geheim zu halten, dann aber wird es zum größten Exportschlager der Sowjetunion - und schließlich zum Werkzeug des Terrors. Im Vietnamkrieg kämpft der Vietkong mit dem AK-47 gegen die US-Soldaten. Das afrikanische Mosambik bildet das Gewehr als Symbol für den Freiheitskampf in seinem Staatswappen ab. Auch in den USA ist das Gewehr weit verbreitet, vor allem bei Drogendealern und Gangs. Fast die Hälfte aller Streitkräfte weltweit haben AK-Schnellfeuergewehre in ihrem Arsenal, außerdem sind sie das bevorzugte Kampfmittel von Rebellen, Milizen und bewaffneten Banden. Kalaschnikow selbst äußert Bestürzung darüber, dass gerade seine Gewehre überall auf der Welt so viel Unheil anrichten: "Die Waffe führt ein Eigenleben, das vollkommen unabhängig von meinem Willen ist." Er ist der Meinung, es sei die Pflicht der Politiker, die Verantwortung für das Geschehene zu übernehmen - nicht die seine. Und er wünscht sich: "Ich hoffe, ich bleibe den Menschen als derjenige in Erinnerung, der eine Waffe für die Verteidigung seines Vaterlandes und nicht für den Terror entwickelt hat."

Katrin Lankers, Stand vom 24.11.2011
Sendung: Pistolen und Gewehre, 20.08.2008

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