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Hochwasserschutz durch Renaturierung

Als im August 2002 nach außergewöhnlich heftigen Niederschlägen die Elbe über die Ufer trat, hinterließ die Katastrophe Schäden von mehr als neun Milliarden Euro. Nur ein winziger Bruchteil dieser gewaltigen Schadenssumme steht heute für die Renaturierung von Flusslandschaften zur Verfügung. Aber auch die vergleichsweise bescheidenen Summen sind eine gute Investition in den künftigen Hochwasserschutz, loben Experten.

Die Memel bei Rusne im Memelland in Litauen (Rechte: WDR)

Bei Hochwasser braucht ein Flussbett eine große Ausdehnungsfläche

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Flüsse, die in den vergangenen 200 Jahren begradigt und in ein verengtes Flussbett gezwängt wurden, benötigen bei Hochwasser eine ausreichend große Ausdehnungsfläche, um die gewaltigen Wassermassen transportieren zu können. Dieser sogenannte Retentionsraum wurde jedoch seit dem 19. Jahrhundert im Zuge umfangreicher Flusskorrektionsmaßnahmen weitgehend zerstört. Bei Hochwasser baut sich so eine bedrohliche Flutwelle auf, und es kommt zu hohen Pegelständen, die es früher so nie gegeben hat. Ein wichtiges Anliegen von Renaturierungsmaßnahmen ist es deshalb, an ausgewählten Abschnitten die Fließgewässer wieder ihrem ursprünglichen Zustand anzunähern und ausreichende Retentionsräume anzuschließen.

Forelle in einem Fluss (Rechte: Mauritius)

Populationen sollen sich vergrößern

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In einem ersten Schritt werden bei einer Renaturierungsmaßnahme zunächst einmal die hydraulischen Gegebenheiten erkundet. Die Eindeichung der Flüsse, das Ausbaggern von Fahrrinnen und das Trockenlegen von Auenlandschaften haben dazu geführt, dass der Grundwasserspiegel und das Oberflächenwasser sich nicht mehr auf natürliche Weise regulieren. Um wieder zu dem ursprünglichen Zustand zurückkehren zu können, müssen Flussdeiche gezielt geöffnet, Staustufen abgebaut, tote Flussarme wieder angeschlossen und Steinschüttungen an Flussufern entfernt werden. So kann es allmählich wieder zu einer gezielten Aufweitung des Flussbettes kommen. Im Laufe der Zeit werden vor allem bei Hochwasser alte Vegetationsflächen wegerodiert und in den Fluss gespült. Andernorts kommt es zu Kies- und Sandablagerungen, auf denen dann allmählich wieder neue Pioniergesellschaften entstehen können. Das fließende Wasser ist sich selbst überlassen und gestaltet nun wieder auf natürliche Weise den Lebensraum. Das Flussufer verändert sich, es kommt zu Abbrüchen und bei Hochwasser wird wieder nährstoffhaltiges Sediment in die Flussauen eingetragen. Um für Fische die Durchgängigkeit zu verbessern, werden zunehmend Fischtreppen gebaut, so dass wandernde Fischarten wie der Lachs wieder ihre ursprünglichen Laichgründe aufsuchen können. Lebendes oder keimfähiges Erbmaterial wird flussabwärts in die Auenlandschaft gespült und so kommt es allmählich zur Wiederbelebung der Artenvielfalt. Erst wenn zuvor ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten wieder heimisch werden und ihre Population sich vergrößert, kann beurteilt werden, ob die Renaturierungsmaßnahmen erfolgreich waren.

Ulrich Neumann, Stand vom 09.05.2007

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