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Stimmt es, dass mobiler Hochwasserschutz am besten mit Sandsäcken funktioniert?

Was plötzliches Hochwasser anrichten kann, das ist spätestens nach den Katastrophen 1997 an der Oder und 2002 an der Elbe deutlich geworden. Welch zerstörerische Kraft das Element Wasser in sich birgt, das hat der verheerende Tsunami in Südostasien wohl bisher am eindrucksvollsten gezeigt. Was also tun, wenn das Wasser schnell und plötzlich steigt? Ist der Sandsack noch die modernste Lösung?

In Europa ist der mobile Hochwasserschutz seit den Überflutungen an Oder und Elbe immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten. Zahlreiche Experten suchen nach den besten Schutzmöglichkeiten vor dem unvorhergesehenen Wasser. Weil nicht sämtliche Flussabschnitte fest eingedeicht werden können, sind zusätzlich mobile Systeme gefragt. Sie müssen flexibel und kostengünstig sein, sich in die Landschaft einfügen, schnell zur Hand und unkompliziert im Aufbau sein. Bisher hat der Katastrophenschutz hier mehr oder weniger erfolgreich auf den klassischen Sandsack zurückgegriffen. Tatsächlich erfüllt diese Methode viele der oben beschriebenen Bedingungen. Aber: Der Leinensack muss befüllt, geschleppt und einzeln geschichtet werden. Er braucht also viele starke Hände. Zehn Arbeitskräfte schaffen pro Stunde etwa 400 Sandsäcke. Die maximale Höhe der Schutzmauer liegt etwa bei 1,5 Meter. Der Aufwand ist immens.

Ein Mann läuft während des Jahrhundert-Hochwassers über einen Wall, der aus Tausenden von Sandsäcken besteht. (Rechte: dpa)

Schutzwall aus Sandsäcken

Vergrößern

Deshalb bekommt der Sandsack seit einiger Zeit auch zunehmend Konkurrenz von anderen mobilen Systemen. Mittlerweile sind eine Vielzahl von Produkten auf dem Markt: Vor allem im städtischen Bereich scheinen sich auch andere Lösungen anzubieten. Weil der Untergrund hier meistens sehr eben ist, kommen zum Beispiel Rohrsysteme oder verzahnte Gitterkörbe erfolgreich zum Einsatz. Die Rohre oder Körbe können sehr schnell maschinell mit Kies oder Sand gefüllt werden und bieten noch in drei Meter Höhe Schutz vor dem Wasser. Zusätzlich greifen immer mehr Städte auf "halb mobile" Systeme zurück. Hierbei handelt es sich um mobile Wände oder Winkelsysteme, die an der Uferzone eingebaut sind und bei Bedarf einfach hoch geklappt werden. Die neuen Deiche sind ein neues El Dorado für gewitzte Erfinder: Schweizer Experten haben sogar Bürgersteige entwickelt, die sich bei Hochwassergefahr hochklappen lassen. Die Stahl-Bürgersteige werden elektrisch oder gar per Handkurbel senkrecht hochgefahren und bieten entsprechenden Schutz. Vorteil: Die Wartung ist unkompliziert. Nachteil: Dieses Klappsystem kostet viel Geld und ist für Gemeinden kaum zu finanzieren. Was den Sandsack angeht, so gilt er gerade im unwegsamen Gelände und bei Deichbefestigungen immer noch als bewährter Arbeitsgegenstand. Doch die Konkurrenz schläft nicht.

Alexandra Trudslev, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Flüsse, Schluchten, Wasserfälle - Die Kraft des Wassers, 03.06.2008

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