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Johann Gottfried Tulla - Begradiger des Rheins

Johann Gottfried Tulla, am 20. März 1770 als Sohn eines evangelischen Pfarrers in Karlsruhe geboren, wurde nach dem Besuch der höheren Schule Landvermesser. 1797 trat er in die Dienste des Markgrafen von Baden, bei dem er als Ingenieur und Offizier zugleich Karriere machte und schließlich den Chefsessel des "Badischen Wasser- und Straßenbaus" bestieg. 1807 gründete Tulla die erste deutsche Ingenieurschule in Karlsruhe, aus der 1825 die Universität hervorging.

Porträtgemälde von Johann Gottfried Tulla. (Rechte: AKG)

Johann Gottfried Tulla

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Erste Pläne

1809 legte der ehrgeizige Rhein-Baumeister einen ersten Plan zur Korrektur des Rheins vor. Seine Grundidee: die Kanalisierung und Vertiefung des Oberrheins. Tulla wollte den verzweigten und verschlungenen Fluss in ein einziges, schnurgerades Bett zwingen. Sein Credo: "In der Regel sollten in kultivierten Ländern die Bäche, Flüsse und Ströme Kanäle sein und die Leitung der Gewässer in der Gewalt der Bewohner stehen." Die Rheinbegradigung sollte die Hochwassergefahr senken, das Land entlang des Stroms entsumpfen und urbar machen, die Seuchengefahr eindämmen und die Schifffahrt erleichtern.

Begradigter Rheinabschnitt mit reicher Vegetation. (Rechte: dpa)

Von Tulla in Form gebracht: Der begradigte Oberrhein

Vergrößern

Widerstand

Tullas Vorhaben stieß bei den Bauern und Fischern entlang des Flusses auf heftigen Widerstand. Sie befürchteten die wirtschaftlichen Folgen des Eingriffs in die Naturlandschaft. Gegen ihren Willen wurden Tullas Pläne ab 1817 zum Teil mit Waffengewalt verwirklicht. Als nach sieben Jahren bei einem großen Hochwasser die begradigten Gebiete plangemäß von Überschwemmungen verschont blieben, fand Tulla mehr Zustimmung und die weiteren Arbeiten wurden beschleunigt.

Auenlandschaft mit dichter Bewaldung. (Rechte: dpa)

Von den Auenlandschaften blieben nur noch Reste

Vergrößern

Abschluss ohne Tulla

Als die Rhein-Korrektur 1862 abgeschlossen wurde, war der Fluss um 81 Kilometer kürzer geworden. Das Hochwasser am Oberrhein ließ deutlich nach und die Schiffe mussten nicht mehr mit Pferden oder Ochsen gezogen werden. Der massive Eingriff in die Natur hatte jedoch auch unerwünschte Folgen: Die Auenlandschaft verödete, das Hochwasser-Problem verlagerte sich an den unteren Teil des Rheins. Tulla selbst erlebte die Fertigstellung der Rhein-Regulierung nicht mehr: Er starb am 27. März 1828 nach schwerer Krankheit und wurde auf dem Friedhof am Montmartre in Paris begraben.

Christiane Kopka, Stand vom 18.09.2009

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Bildcollage zum Thema Flüsse (Rechte: SWR)

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