Johann Gottfried Tulla - Begradiger des Rheins
Erste Pläne
1809 legte der ehrgeizige Rhein-Baumeister einen ersten Plan zur Korrektur des Rheins vor. Seine Grundidee: die Kanalisierung und Vertiefung des Oberrheins. Tulla wollte den verzweigten und verschlungenen Fluss in ein einziges, schnurgerades Bett zwingen. Sein Credo: "In der Regel sollten in kultivierten Ländern die Bäche, Flüsse und Ströme Kanäle sein und die Leitung der Gewässer in der Gewalt der Bewohner stehen." Die Rheinbegradigung sollte die Hochwassergefahr senken, das Land entlang des Stroms entsumpfen und urbar machen, die Seuchengefahr eindämmen und die Schifffahrt erleichtern.
Widerstand
Tullas Vorhaben stieß bei den Bauern und Fischern entlang des Flusses auf heftigen Widerstand. Sie befürchteten die wirtschaftlichen Folgen des Eingriffs in die Naturlandschaft. Gegen ihren Willen wurden Tullas Pläne ab 1817 zum Teil mit Waffengewalt verwirklicht. Als nach sieben Jahren bei einem großen Hochwasser die begradigten Gebiete plangemäß von Überschwemmungen verschont blieben, fand Tulla mehr Zustimmung und die weiteren Arbeiten wurden beschleunigt.
Abschluss ohne Tulla
Als die Rhein-Korrektur 1862 abgeschlossen wurde, war der Fluss um 81 Kilometer kürzer geworden. Das Hochwasser am Oberrhein ließ deutlich nach und die Schiffe mussten nicht mehr mit Pferden oder Ochsen gezogen werden. Der massive Eingriff in die Natur hatte jedoch auch unerwünschte Folgen: Die Auenlandschaft verödete, das Hochwasser-Problem verlagerte sich an den unteren Teil des Rheins. Tulla selbst erlebte die Fertigstellung der Rhein-Regulierung nicht mehr: Er starb am 27. März 1828 nach schwerer Krankheit und wurde auf dem Friedhof am Montmartre in Paris begraben.
Christiane Kopka, Stand vom 18.09.2009






