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Welches berühmte Bauwerk wurde wegen der Flutung des Assuan-Staudamms versetzt?

Nach einem Jahr Millimeterarbeit waren die Tempel fort, aus dem Niltal gerissen, wo sie vor mehr als 3200 Jahren gebaut worden waren. Die Lücken, die der wohl spektakulärste Umzug der Menschheitsgeschichte hinterlassen hatte, glichen Spuren von Riesen, die durch das Tal gewandert sind. Wenige Wochen später überflutete das Wasser das Areal und verwischte damit die letzten Spuren von Abu Simbel. Pharao Ramses hatte den Tempel einmal als "Haus der Ewigkeit" gebaut.

Blick auf den Assuan-Staudamm. Mit großem Druck wird das Wasser durch den Damm gedrückt. (Rechte: dpa)

Wassermassen im Tal der Pharaonen

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Seit 1960 liefen die Bauarbeiten am Assuan-Staudamm, wenig später stieg das Wasser und drohte die ewigen Tempel für immer zu ertränken. Die meisten Rettungspläne, die der UNESCO vorgestellt worden waren, schienen nicht praktikabel oder viel zu teuer. Erst 1963 erarbeitete ein schwedisches Ingenieurbüro realistische Umzugspläne: Die Tempel sollten in Blöcke zerlegt und 64 Meter oberhalb ihres ursprünglichen Standorts, 180 Meter landeinwärts, wieder aufgebaut werden. Ein technisch und organisatorisch anspruchsvolles Projekt. Die größte Herausforderung für die sechs beteiligten Firmen aber war die Zeit. Nur noch wenige Meter war das Wasser von Abu Simbel entfernt.

Im Frühjahr 1964 begannen unterhalb der riesigen Sitzstatuen die Bauarbeiten. 4000 Techniker und Arbeiter wurden eingeflogen, Lebensmittel und Medikamente, Bagger, Kräne, Planierraupen wurden über tausende von Kilometern herangefahren. Mit denen schütteten die Arbeiter zunächst einen 360 Meter langen provisorischen Damm auf, um die Tempel zu schützen. Pausenlos arbeiteten die Motorenpumpen, um das durchsickernde Wasser zu bewältigen. Rund um die Tempel trugen die Arbeiter mehrere hunderttausend Tonnen Gestein ab. Die Tempelräume wurden mit Stahlstelen verstärkt, die die Erschütterungen auffangen sollten. Den porösen Sandstein, aus dem der sitzende Pharao, seine Mutter, seine Frau und einige seiner Kinder gehauen sind, hatten die Ingenieure durch Kunstharz-Injektionen verfestigt. Die Fassaden der Tempel wurden mit Wüstensand zugeschüttet, um sie vor dem herabstürzenden Gestein zu schützen.

Dann begann der Hauptteil der Umzugsarbeiten: Der Tempel wurde in Quader, alle um die 30 Tonnen schwer, zerlegt. Bizarre Szenen spielten sich in diesen Wochen ab. Im Oktober 1965 etwa, als Ramses II. zunächst sein Gesicht und später seine Beine verlor. Ein Riesenkran hob das Antlitz des Pharaos aus dem Fels.

Die riesigen Sitzstatuen am Eingang des Tempels Abu Simbel. (Rechte: AKG)

Ramses' "Haus der Ewigkeit"

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Das Projekt entwickelte sich zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Fluten. Im November schien dieses Rennen verloren: Der Nil hatte bis auf zwei Meter die Krone des Provisoriums erreicht. Noch einmal erhöhten die Arbeiter den Damm. Am 4. Januar 1966 setzten die Bauingenieure den ersten Stein des Tempels an seinen neuen Platz. Drumherum wurden wieder große Steine angebracht. Die Menschen hatten Abu Simbel direkt in den Fels gearbeitet. Das machte die Faszination dieses Kulturdenkmals aus. Sie sollte wieder hergestellt werden.

Abu Simbel ist trotzdem ein anderes Denkmal geworden. Es wirkt, als habe es auf der Wanderung zum neuen Standort etwas verloren. Die Architekten bewundern Abu Simbel seit der Umzugsaktion aber noch mehr als vorher. "Niemand weiß, wie viele Menschen einst wie lange schuften mussten, um die Monumente aus dem Fels zu hauen", hat Sergio Frascarelli, einer der beteiligten Ingenieure, später gesagt. "Aber wir wissen, dass 4000 Menschen ein Jahr lang arbeiten mussten, um sie aus dem Fels zu befreien. Diese 4000 Jahre menschlicher Arbeitszeit haben die Tempel nicht nur vor der Vernichtung bewahrt, sondern auch wertvoller gemacht. Abu Simbel war ein Wunder des Altertums. Jetzt ist es auch ein modernes Weltwunder."

Katharina Beckmann, Stand vom 20.09.2010

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