Rat & Tat: Tipps zur Namensanalyse
Schauen Sie nach, wie häufig der Name in Deutschland vorkommt
Zum Beispiel im Online-Telefonverzeichnis oder mit einer Telefon-CD-ROM. Kommt der gesuchte Name sehr häufig vor, dann hat er wahrscheinlich mehrere Ursprungsquellen. Findet man ihn eher selten, ist es wahrscheinlich, dass dieser Name nur eine Ursprungsquelle hat.
Finden Sie heraus, wo in Deutschland der Name vorkommt
Entweder anhand der Orts- und Postleitzahlen-Auflistung im Telefonverzeichnis (Online oder CD-ROM) oder noch anschaulicher auf der Internet-Seite von Christoph Stoepel (siehe unten). Hier kann man sich direkt und kostenlos eine Verbreitungskarte des gesuchten Namens erstellen lassen. So können Sie erkennen, ob es sich um einen "eingewanderten" Namen aus anderen Sprachräumen handelt (diffuse Verteilung auf der Karte) oder ob es ein Name ist, der aus einem ganz bestimmten Sprachgebiet in Deutschland stammt. Oft wirkten in Zeiten der Namensentstehung (zum Beispiel im Mittelalter) auch regionale Dialekte ein. Tritt ein Name auf der Karte sehr konzentriert in einer bestimmten Gegend auf, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Ursprungsdialekt Einfluss hatte.
Versuchen Sie den Namen in eine der folgenden Kategorien einzuordnen:
1) Familiennamen, die aus Rufnamen entstanden sind
Viele Familiennamen haben ihren Ursprung in einem Rufnamen. "Der Sohn von Friedrich" wurde zum Beispiel zum Nachnamen "Friedrichs" oder "Friedrichsen" ("Friedrichs Sohn"). Dasselbe gilt auch für die Namen "Konrads", "Hansen", "Jürgens" oder "Hinrichsen". Wenn der Name vom Namen des Vaters abgeleitet wurde, spricht man von einem "Patronym". War es der Name der Mutter, von einem "Matronym". Matronyme sind im deutschen Sprachraum wesentlich seltener als Patronyme.
2) Familiennamen nach Herkunft und Wohnstätte
Eine Frau "Nürnberger" oder ein Herr "Altenburger" hatten als Vorfahren Menschen, die, nachdem sie in eine neue Stadt umgezogen waren, von ihren Mitbürgern als "der Hans, der aus Nürnberg kommt" oder "Jakob, der aus Altenburg kommt" beschrieben wurden. Nicht nur Herkunftsstädte, sondern auch Herkunftsgebiete wurden zu Nachnamen: So entstanden zum Beispiel die Namen "Schwabe", "Böhme" oder "Bayer". Dann gibt es auch noch Namen, die einen bestimmten Wohnort innerhalb einer Siedlung beschreiben. Der Vorfahr von Herrn "Baum" wohnte in der Nähe eines imposanten Baumes, Herr "Wiesemanns" Vorfahr an einer großen Wiese, Frau "Dorers" Ur-ur-ur-ur-ur-und-nochmals-ur-Großmutter "am Tor“ und Herr “Ende" hatte einen Ahnen, der am Ende einer Siedlung lebte.
3) Familiennamen nach dem Beruf
Dazu gehören die häufigsten Namen in Deutschland: "Müller", "Schmidt", "Schneider" und "Fischer". Bestimmt fallen Ihnen aus dem Effeff noch zahlreiche weitere Beispiele dieser Namenkategorie ein. Die wichtigsten Berufe aus dem Mittelalter (viele dieser Berufe gibt es natürlich auch heute noch) sind populäre Familiennamen der Gegenwart. Aber so einfach, wie bei den Namen "Wagner", "Koch" und "Bauer", ist der Beruf nicht immer zu erkennen. Die Tätigkeit eines Kurzwarenhändlers, der im Mittelalter allerlei Nützliches für den Haushalt feilbot, hatte zum Beispiel den Nachnamen "Krempelsetzer" zur Folge. Auch unübersehbare berufliche Begleiterscheinungen blieben, was die Namenkreationen angeht, nicht folgenlos. Die Kleidung von Frau "Mehlhose" ’s Vorfahr (der wohl Müller war) war nach getaner Arbeit immer von oben bis unten ordentlich mit feinem Mehlpuder bestäubt...
4) Familiennamen aus Übernamen
Essen Sie für Ihr Leben gerne Pfannkuchen, oder gönnen Sie sich Feierabends schon mal gerne mehrere Gläschen Bier? Dann haben Sie diese Vorlieben mit den Verursachern der Namen "Pfannkuchen" und "Bierfreund" gemeinsam. Solche sogenannten "Übernamen" entstehen aus der Beschreibung von Gewohnheiten oder besonderen Merkmalen eines Menschen. Zum Beispiel "Groß", "Klein", "Schwarzkopf" (dunkle Haare), "Langnese" (lange Nase), "Schimmelpfennig" (geizig), "Morgenschweiß" (Frühaufsteher), "Sonntag" (am Sonntag geboren) und so weiter.
Manche Namen lassen sich relativ schnell und leicht zuordnen, manche führen auf eine falsche Fährte, weil sich im Laufe der Jahrhunderte der Sinn eines Wortes stark verändert hat oder es einfach mehrere Deutungsmöglichkeiten gibt. Andere Namen wiederum erweisen sich nach den ersten Interpretationsversuchen als wirklich "harte Nuss", die ohne fundiertes Expertenwissen einfach nicht zu knacken ist.
Susanne Decker, Stand vom 01.06.2009




