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Spiegelneuronen und Täuschung

Spiegelneuronen sind täuschungsanfällig. Oder anders gesagt - der Einzelne ist nicht davor geschützt, in seiner Wahrnehmung in die Irre geführt zu werden. Das kann beim Flirt genauso passieren wie beim Gebrauchtwagenkauf. Gefährlicher wirkt sich aus, dass wir durch gezielte Botschaften in Filmen und in der Werbung oder durch den Auftritt von Politikern, die bewusste Stimmungen erzeugen wollen, manipulierbar sind.

Das Filmplakat zum Spielfilm 'Shining' (USA, 1980). (Rechte: Warner Columbia)

Gewaltbilder werden als Muster gespeichert

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Zu viel unechte Emotionen

Wir lassen uns von Haltungen, Emotionen und Gefühlen täuschen, die gar nicht so gemeint waren, denn unser Resonanzsystem reagiert auf bisher gemachte Erfahrungen. Erfassen wir nun Signale oder Zeichen, die nicht nach dem gewohnten Muster ablaufen, sitzen wir einer Täuschung auf. Kinder lassen sich leichter täuschen als erwachsene Personen. Je nach Erfahrung haben wir einen Blick dafür, wenn ein Gefühl nur aufgesetzt ist.

Durch das Fernsehen oder das Internet sind wir von einer permanenten Bilderflut umgeben und haben es häufig mit vorgespielten Emotionen und Gewaltszenen zu tun. Das hat zur Folge, dass wir oberflächlicher und abgestumpfter werden und gar nicht mehr so richtig nachempfinden können. Unser Gehirn wird überfrachtet mit zu vielen unechten Emotionen. Bilder der Zerstörung und der Gewalt werden als Muster gespeichert, die dann in unsere Vorstellungen eingehen. Was vorher unvorstellbar war, wird, nachdem es gesehen und miterlebt wurde, zu eigenen Bildern. Gerade für Jugendliche kann das verheerende Folgen haben und die eigene Gewaltbereitschaft erhöhen.

Schwarzweißaufnahme auf der der nationalsozialistische 'Führer' Adolf Hitler gestenreich eine Rede hält. (Rechte: picture-alliance / dpa)

Hitler verstand es, sich in Szene zu setzen

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Manipulation in der Politik

Politiker können durch ihr Auftreten bestimmte Stimmungen erzeugen, die via Medien auf die Masse übertragen werden. Hitler war einer der Ersten, der die suggestive Kraft und manipulatorische Wirkung des Mediums Films erkannte und für seine verbrecherischen Ziele einsetzte. Mit einem Lehrer übte er die richtige Geste vor dem Spiegel ein und konnte sich bei seinen Reden geschickt in Szene setzen. Durch die Ausstrahlung seiner Auftritte in Wochenschauen und Rundfunk vervielfachte er die Wirkung seiner Gesten und Stimmungen. Je mehr man von einer anderen Person, ihrer Körpersprache oder Stimme wahrnehmen kann, desto stärker ist die im Publikum ausgelöste spiegelbildliche Resonanz. Hitler hat das intuitiv geahnt und eingesetzt. Durch seine expressive Körpersprache und Stimme konnte er mittels der Spiegelresonanz sein Publikum mit seiner aggressiven, antisemitischen, auf Ressentiments zielenden Haltung emotional empfänglich machen.

Auch Redner in den politischen Talkshows von heute wollen Stimmungen erzeugen. Allerdings versuchen sie nicht mehr durch starke, aggressive Affekte ihre Zuhörer "anzustecken", sondern sie versuchen ihr Publikum mit Nachdenklichkeit, Souveränität und rationalen Überzeugungen zu beeinflussen. Wichtig ist, die vorherrschenden Stimmungen durch den eigenen Verstand auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen.

Bildschirmaufnahme aus einem Werbespot der Republikaner: Auf dunklem Hintergrund ist deutlich in weiß 'RATS' (deutsch: Ratten) zu lesen. (Rechte: picture-alliance / dpa)

Eine klare Botschaft, die unterschwellig wirkt

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Subliminale Stimulation

Zuerst bediente sich die amerikanische Werbung in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts der subliminalen (unterschwelligen) Stimulation. In Werbefilmen tauchten nur für den Bruchteil einer Sekunde versteckte Bilder auf, die das menschliche Auge nicht wahrnahm, wohl aber unbewusst vom Gehirn registriert wurden. Die Spiegelneuronen im Gehirn wurden aktiviert, ohne dass die Zuschauer es realisierten. Die Fachwelt spricht von subliminaler Stimulation. In Deutschland ist diese Art der Beeinflussung verboten. Dennoch gibt es in jüngster Zeit noch genügend Beispiele von subliminaler Stimulation. So wurde in der Wahlwerbung von George W. Bush immer das Wort "rats" (Ratten) eingeblendet, sobald über seinen ersten Gegenkandidaten Al Gore gesprochen wurde. Auch im russischen Werbefernsehen tauchen immer wieder versteckte Botschaften auf, die das menschliche Auge nicht wahrnimmt, die aber vom Unterbewusstsein sehr wohl registriert werden. Gegenmaßnahmen zur Dechiffrierung solch versteckter Bilder wurden von der russischen Regierung bereits veranlasst.

Sabine Kaufmann, Stand vom 19.10.2010

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Collage aus Bildmotiven zum Thema Forschung (Rechte: WDR)

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