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Hasen und Kaninchen

Ob Meister Lampe, Langohr oder Osterhase, wenn sie das Näschen rümpfen, schnuppern, springen und posieren, die langen Ohren recken, dann finden viele sie unwiderstehlich: Hasen und Kaninchen zählen zu den beliebtesten Haustieren der Deutschen. Doch was ist der Unterschied zwischen Hase und Kaninchen? Es gibt Schmusetiere fürs Zuhause und die mehr als 300 unterschiedlichen Rassekaninchenarten, die sich bei Züchtern und Zuchtschauen tummeln. Ganz anders die Realität für den Feldhasen, ein echtes Wildtier: Sein Lebensraum muss geschützt werden, damit wir ihn auch in Zukunft in freier Flur noch antreffen.

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Biologie Hasen und Kaninchen

Biologisch gesehen ist der Unterschied zwischen Hasen und Kaninchen äußerlich durchaus erkennbar. Feldhasen sind groß und schlank und haben lange, kräftige Hinterläufe. Sie wiegen vier bis sechs Kilogramm. Klein und gedrungen ist dagegen der Körper der Wildkaninchen. Sie bringen rund zwei Kilo auf die Waage und besitzen relativ kurze Ohren. Lange wurden beide den Nagetieren zugeordnet. Da sie aber nicht mit den Vorderpfoten greifen können, gelten sie nicht als Nagetiere. Hasen sind Nestflüchter, werden mit Fell und sehend geboren. Kaninchen sind als Nesthocker nackt und blind, wenn sie auf die Welt kommen. Hasen sind in der Regel Einzelgänger, Kaninchen leben in Kolonien.

Vier Feldhasen auf einem Feld mit jungem Winterweizen. Zwei der Tiere stehen auf den Hinterfüßen und 'boxen' mit ihren Vorderläufen. (Rechte: mauritius images)

Der Feldhase ist ein echtes Wildtier

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Der Feldhase in Deutschland

Der bekannteste Hase bei uns ist der Feldhase. Sein Lebensraum sind Feld, Wald und Wiese, die der Mensch ihm durch Veränderung des ländlichen Raumes hin zur Verstädterung streitig macht. In manchen Regionen steht der Feldhase deshalb auf der roten Liste. Der Feldhase ist ein Wildtier und lässt sich nicht in Gefangenschaft halten. Immer wieder werden verwaiste Jungtiere in freier Natur von Menschen gefunden. Der Finder sollte sich an Aufzuchtinformationen halten, um das Tier später dann wieder auszuwildern. Informationen dazu auf dieser-Planet-Wissen-Seite.

Ein Kaninchenzüchter hält eines seiner Kaninchen der Rasse Deutsche Riesen grau, das fast zehn Kilogramm auf die Waage bringt. (Rechte: picture-alliance/ZB)

Stolzer Kaninchenzüchter mit einem Tier der Rasse "Deutscher Riese"

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Vom Wildkaninchen zur Kaninchenzucht

Alle Hauskaninchen stammen eigentlich von den Wildkaninchen ab. Ihre Nutzung durch den Menschen begann vor etwa 4000 Jahren. Erste Berichte stammen von den Phöniziern im "Land der Kaninchen", Spanien. Die Römer hielten sich halbwilde Kaninchen in "Leporarien" für den Speiseplan. Sie begannen mit ihrer Domestikation. Auch im Mittelalter wurden sie gezüchtet, größer und schwerer, denn sie dienten immer noch vornehmlich als Speise. Mit dem Aussterben des Wiesels Hermelin im 19. Jahrhundert züchtete man Hermelinkaninchen, deren Fell dem des Hermelins sehr ähnlich war. Die Hoch-Zeit der Kaninchenzucht kam mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert. Die Menschen lebten beengt in Städten und hatten keinen Platz mehr für Kühe oder Schweine. Heute ist Deutschland eine Hochburg der Kaninchenzüchter, insgesamt sind 149.000 Rassekaninchenzüchter im "Zentralverband Deutscher Rasse Kaninchenzüchter" registriert.

In einer Kaninchenmastanlage drängeln sich zahllose Kaninchen in engen Käfigen. (Rechte: mauritius images)

Kaninchenmast mit viel zu engen Käfigen

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Die traurige Seite der Kaninchenzucht

In Deutschland werden jährlich laut Welternährungsorganisation 41.000 Tonnen Kaninchenfleisch verzehrt, das sind etwa 24 Millionen Kaninchen. Rund 40 Prozent der Tiere stammen dabei vermutlich aus industrieller Produktion. Kaninchenmast bedeutet mancherorts Massentierhaltung, verbunden mit regelrechter Tierquälerei. Die viel zu engen Käfige, mit 30 auf 40 Zentimeter gerade mal so groß wie ein DIN A4-Blatt, führen, ähnlich wie bei der Hühnermast, zu Krankheiten. Im Gegensatz zur Hühnermast besteht bei der Kaninchenmast nach wie vor eine Gesetzeslücke, sodass es keine Haltungskriterien für Kaninchenmastbetriebe gibt.

Kaninchenplage in "Down Under"

Seit Ende des 19. Jahrhunderts leidet ein ganzer Kontinent - Australien - unter einer Kaninchenplage. 1859 hatte ein Einwanderer nur 24 Kaninchen mitgebracht, um sich ein Stück alte Heimat zu bewahren und einer alten Leidenschaft - der Hasenjagd - nachzugehen. Die hohe Fruchtbarkeit und Fortpflanzung sowie der Mangel an natürlichen Feinden führten zu einer nicht geahnten Massenvermehrung der Tiere. Anfang des 20. Jahrhunderts baute man den 1700 Kilometer langen "rabbit-proof fence", einen Zaun, der sich von Norden nach Süden wie ein Gürtel über den australischen Kontinent zieht. In den 50er Jahren bekämpfte man die Kaninchen mit dem Myxoma-Virus, der für die Ausrottung der Hälfte der Tiere sorgte. Viele Kaninchen wurden aber resistent. Mitte des 20. Jahrhunderts verwüsteten mehrere Milliarden Kaninchen Australien. Heute sind die Tiere, außer im Norden, in ganz Australien heimisch. Ganze Ökosysteme, mit fatalen Folgen für die Natur und Landwirtschaft, wurden zerstört und bis heute ist keine Lösung in Sicht. Nach wie vor wird mit alten und neuen Viren und anderen Bekämpfungsmethoden probiert und geforscht.

Almut Röhrl, Stand vom 01.06.2009

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