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Alte Nutztierrassen - Die Rückkehr von Bentheimer Schwein und Pommernschaf

Wer kennt heute noch das Deutsche Weideschwein? Diese alte Nutztierrasse ist in den 60er Jahren leider ausgestorben - ein Schicksal, das fast auch dem Bunten Bentheimer Schwein oder dem Pommernschaf widerfahren wäre, wenn es nicht engagierte Züchter gegeben hätte. Weltweit stirbt alle zwei Wochen eine Nutztierrasse aus ? verdrängt von den wenigen Hochleistungsrassen, die der Nahrungsmittelindustrie in kürzester Zeit die Steaks nach Maß bringen. Aber Kühe sind nicht nur schwarzweiß gefleckt und Schweine nicht nur hellrosa: Die Welt der Nutztierrassen war früher viel bunter! Seit einiger Zeit findet jedoch ein Umdenken statt.

Interessiert blickt ein Düppeler Weideschwein Ferkel in die Kamera. (Rechte: dpa)

Kaum noch bekannt: ein Düppeler Weideschwein Ferke

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Vom Wildtier zum domestizierten Haustier

Die Geschichte der Haus- beziehungsweise Nutztierhaltung ist lang. Bereits in der Steinzeit, vor über 10.000 Jahren, begannen die Menschen, Schafe und Ziegen zu halten. Dazu mussten sie Wildtiere fangen und sie isolieren, um sie an das Leben in Gefangenschaft zu gewöhnen. Nur Tiere, die sich in der Obhut des Menschen fortpflanzen, eignen sich zur Domestikation. Die Tiere machten die Menschen damals zum ersten Mal vom Jagderfolg unabhängig, aber sie täglich zu versorgen, bereitete ebenfalls viel Arbeit. Mit dem Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht machte die Menschheit einen großen Sprung. Archäologen sprechen auch von der Neolithischen Revolution, denn die Tiere waren lebende Fleischkonserven, Milchspender, Arbeitshilfe, und Fell oder Wolle dienten der Bekleidung. Erst auf dieser Grundlage konnten sich die großen Hochkulturen entwickeln. Die Geschichte der Domestikation begann an Euphrat und Tigris. Von dort verbreitete sich diese Errungenschaft über Nordafrika und Südspanien bis nach Europa.

Eine Schwarzweißfotografie aus dem Jahr 1897 zeigt eine Muttersau mit ihren Ferkeln auf einem Hof im Freien. (Rechte: akg-images)

Schweinealltag in Wilmersdorf bei Berlin im Jahr 1897

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Aufstieg und Fall der Rassenvielfalt

Als der Römer Tacitus im Jahr 100 nach Christus nach Germanien kam, soll er ausgerufen haben, wie hässlich doch hier die Tiere seien. Jedes Schaf sehe anders aus! Doch bis sich klar definierte Rassen mit festgeschriebenen Eigenschaften und Aussehen etablierten, dauerte es noch lange. Erst vor 200 Jahren wurden systematische Rassezüchtungen eingeführt. Dabei waren die Unterschiede von einem Dorf zum nächsten groß, man sprach auch vom "Kirchturmschlag" - von einem Kirchturm zum nächsten sahen die Kuhherden sehr unterschiedlich aus. Mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert begann das Sterben der Rassen. Die Nationalsozialisten forcierten in den 1930er Jahren auch bei den Tieren eine "Rassebereinigung". Drei bis vier Rassen pro Tierart sollten ausreichen. Nach dem Krieg veränderten sich außerdem die Essgewohnheiten. Das Fett beim Fleisch kam aus der Mode, denn die Menschen arbeiteten nicht mehr so hart und brauchten die Kalorien nicht mehr. Stattdessen waren fettarme Rassen gefragt. Je industrieller die Tierproduktion wurde, desto spezialisierter auch die Rassen, die sich für die Landwirte lohnten. Von beispielsweise 30 Rindersorten in Bayern blieb plötzlich nur noch eine Hand voll übrig!

Schulwandbild: Vor jungsteinzeitlichen Häusern bearbeiten Frauen kleine Beete - im Vordergrund pflügt ein Mann mit Hakenpflug und Ochsengespann. (Rechte: akg-images)

Schon früh wurden Haustiere für schwere Arbeiten eingesetzt

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Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH)

Alte Haus- und Nutztierrassen sind ein Kulturgut des Menschen, ein Beleg seiner züchterischen Leistung. Und die alten Rassen haben wertvolle Eigenschaften, die die Menschen für kommende Zuchtvorhaben bewahren sollten. Dieser Überzeugung waren Anfang der 80er Jahre ein paar Veterinärmediziner und Landwirte, die sich zur GEH, der "Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen", zusammenschlossen. Sie suchen seitdem nach alten Beständen, versuchen die Populationen zu vergrößern und mit Gentests die Abstammungslinien zu erforschen, um Inzestschäden zu vermeiden. Und sie machen die alten Rassen wieder populär. Das Fleisch von Heidschnucken, Bentheimer Schweinen und Hinterwälder Rindern gilt als Delikatesse, und auf Leistungsschauen wie der Berliner Grünen Woche schneidet das Schwäbisch-Hällische Schwein als das Schwein mit dem besten Muskelfleisch ab. Doch auch für die Landschaftspflege sind die alten Rassen wegen ihrer Robustheit wieder auf dem Vormarsch, und man besinnt sich auf Genressourcen, die möglicherweise künftige Fleischskandale verhindern helfen könnten.

Ein rauwolliger Pommerscher Schafbock angebunden an ein Gatter. (Rechte: ddp)

Eine alte Rasse auf den Archehöfen: das Pommernschaf

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Projekt Archehöfe

Um ihr Anliegen besser an die Öffentlichkeit zu bringen, hat die GEH das Projekt der Archehöfe initiiert. Die Landwirte der Archehöfe wirtschaften mit den alten Rassen bei artgerechter Tierhaltung. Viel Auslauf, für Schweine ein Schlammloch zum Suhlen, für Gänse ein Teich - oft wirken die Archehöfe wie eine Idylle von damals. Mindestens drei alte Rassen aus drei verschiedenen Tiergruppen müssen die Höfe halten, um die Auszeichnung als Archehof zu bekommen. Zur Überlebensstrategie gehört die Selbstvermarktung der tierischen Produkte: Das Fleisch von Bentheimer Schweinen oder Heidschnucken gilt unter Feinschmeckern inzwischen als Delikatesse und regionale Gastwirte bieten es in ihren Lokalen an. Archehöfe verpflichten sich außerdem, der Öffentlichkeit die Situation der alten Nutztierrassen nahezubringen. Schulklassen und Familien sind willkommen, manche Archehöfe haben sogar extra einen kleinen Streichelzoo eingerichtet.

Christiane Gorse, Stand vom 01.06.2009

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Bildcollage zum Thema Haustiere (Rechte: frei)

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