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Höhlenforschung

Noch immer gibt es unerforschte Höhlen und noch immer finden Wissenschaftler dort Spuren von unseren Vorfahren. Und dafür müssen sie gar nicht erst die ganze Welt bereisen, auch hier in Deutschland gibt es viel zu entdecken. Knochenfunde, Tropfsteine, Zeichnungen - alles Spuren aus frühester Menschheitsgeschichte.

Blick in eine Grotte auf Sardinien. (Rechte: Imago)

Viele Höhlen sind noch nicht erforscht

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Aufschwung der Höhlenforschung

1856 entdeckte der Elberfelder Lehrer Johann Carl Fuhlrott in einer Höhle des Neandertals bei Düsseldorf die Überreste des "Neandertalers". Auch wenn bislang schon systematisch Höhlen durchsucht worden waren, diese Entdeckung sollte der Startschuss für eine Ausweitung zur modernen Höhlenforschung werden, auch wenn Herr Fuhlrott es nicht mehr miterleben durfte, dass man seiner Entdeckung Glauben schenkte. Wenig später entdeckte O. Fraas in der Schwäbischen Alb Steinwerkzeuge neben den Knochenüberresten von Eiszeit-Tieren. Dies war ein zweiter Hinweis darauf, dass Menschen zur selben Zeit gelebt haben mussten wie die Tiere der Eiszeit. 1889 wurde der erste deutsche Höhlenverein gegründet. Einen Beruf Höhlenforscher in diesem Sinne gab es nicht und gibt es auch heute nicht: Anthropologen, Paläontologen, Geologen und Archäologen arbeiten meistens zusammen, um den Geheimnissen der Höhlen auf die Spur zu kommen. Doch dabei nehmen sie gerne die Hilfe mancher Höhlenforscher in Anspruch, die aus purer Leidenschaft den größten Teil ihrer Freizeit in Höhlen verbringen, um Entdeckungen zu machen und später detailliert zu erforschen und zu vermessen.

Ein Rettungsteam in voller Ausrüstung bereitet sich auf die Arbeit in ein einem Höhlenlabyrinth bei Deservillers im Osten Frankreichs vor. (Rechte: picture-alliance/dpa)

Gut gerüstet für einen Höhlenabstieg

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Das Arbeitswerkzeug des modernen Höhlenforschers

Das Arbeitswerkzeug des Höhlenforschers hat sich über die Jahrhunderte natürlich verändert. Kletterten sie früher noch in einfacher Straßenkleidung und nur mit Fackeln und Spaten in die Löcher, so tragen die heutigen Höhlenforscher wasserdichte und reißfeste Kleidung, elektrische Lampen oder Karbidlampen und einen Helm. Daneben sollte jeder Höhlenforscher eine vernünftige Kletterausrüstung dabei haben, denn häufig genug muss er in tiefe unbekannte Gänge und Schluchten vordringen. In manchen Höhlen finden sich Seen oder überflutete Gänge, dann ist auch eine Taucherausrüstung angebracht. Gefährlich ist so eine Höhlentour eigentlich nicht, wenn man bereit ist, seine Grenzen zu akzeptieren und für alle Eventualitäten vorgesorgt hat. Dazu gehört als erstes, nur mit erfahrenen Höhlenforschern loszuziehen und außerdem auf jeden Fall vorher jemanden über die Erkundung zu informieren, der im Notfall Hilfe holen kann, wenn man nicht zur verabredeten Zeit wieder da ist.

Sorgfältig wird der Knochen eines Höhlenbären in eine Plastiktüte verpackt (Rechte: WDR Freeze)

Der Knochen eines Höhlenbären

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Spuren vergangenen Lebens

Schon das Entdecken einer neuen Höhle oder eines neuen Gangs in einer Höhle kann einem Höhlenforscher Freude genug sein, sein Hobby zu betreiben. Richtig spannend wird es dann, wenn sich in bislang unbetretenem Gebiet Reste früheren Lebens finden. Knochen von Menschen, aber auch von Höhlentieren können uns heute ein Bild von dem Leben vor über 100 000 Jahren geben. Dazu ist es allerdings unabdingbar, dass die Höhlenfunde weitergereicht werden an die Wissenschaftler, die sich auf das Leben vergangener Erdperioden spezialisiert haben, wie beispielsweise an die Paläontologen.
Das wurde nicht immer so gehandhabt. Ein Renner in der Medizin früherer Zeiten war zu Pulver zerriebener Einhornknochen, der so ziemlich gegen jede Krankheit helfen sollte, denn Einhörner symbolisierten Kraft und Keuschheit. Auch wenn manch einer behauptete, dass es sich bei dem so begehrten Pulver keinesfalls oder zumindest nicht in jedem Fall tatsächlich um Einhornpulver handelte, der Run darauf hielt bis in das 18. Jahrhundert an, so dass spätere Höhlenforscher in manchen Höhlen kaum noch Knochen finden konnten. In Wahrheit dürfte es sich bei vielen der Knochen um die Überreste, vor allem um die Zähne der so genannten Höhlenbären und anderer Eiszeittiere gehandelt haben.

Ein Präparator baut im Museum für Naturkunde in Magdeburg an dem Skelett eines über drei Meter hohen Einhorns. Das Skelett ist ein Exponat der Ausstellung über Otto von Guericke, die aus Anlass des 400. Geburtstages des Gelehrten stattfand. Guericke (1602-1686) war der erste Gelehrte, der 1672 anhand gefundener Knochen ein fossiles Wirbeltier rekonstruiert hat. Dem Zeitgeist entsprechend bildete er ein Einhorn nach. (Rechte: picture-alliance/ZB)

Ein von Otto von Guericke (1602-1686) rekonstruiertes Einhorn

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Schrittweise Erkenntnisse

Nur schrittweise gelangten die Wissenschaftler an ihre heutigen Erkenntnisse. Ein gutes Beispiel: der Höhlenbär. Dachte man zunächst, es handele sich um Einhorn- oder möglicherweise Drachenknochen, so vermutete man später, dass es einfach nur ein besonders groß gewachsener Braunbär sei. Erst allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, dass es sich bei dem Höhlenbären um eine eigene Spezies handelt, von der wir inzwischen vieles, aber lange noch nicht alles wissen. Um den Geheimnissen der Urzeit auf die Spur zu kommen, müssen die Wissenschaftler viele Faktoren berücksichtigen. Die Höhlen helfen ihnen dabei, denn nur hier lassen sich noch ungeplünderte, unbetretene Stellen finden. Außerdem bieten Höhlen ein besonders gut konservierendes Klima. Vor allem Kalkhöhlen verhindern eine Zerstörung der Knochen, da sie mit Kalk gesättigt sind. Ganz Berge von Knochen finden sich hier, die sich häufig über Jahrtausende angesammelt haben. Wann welche Knochen hier gelandet sind, lässt sich mit verschiedenen Methoden herausfinden, wobei die Erkenntnisse der unterschiedlichen wissenschaftlichen Gebiete der Höhlenforschung sich ergänzen. Bei kleineren Knochen handelt es sich häufig um das so genannte Gewölle von Raubvögeln, das sie, einmal am Höhleneingang zur Ruhe gekommen, wieder auswürgen. Die Zusammensetzung der Knochen gibt Rückschlüsse auf das Klima, das damals geherrscht haben muss. Findet man beispielsweise die Knochen von kleinen Waldtieren, kann man davon ausgehen, dass damals ein Wald in dem Bereich der Höhle existiert haben muss; dies läßt auf ein gemäßigtes, nicht allzu kaltes Klima schliessen.

Ein wunderschönes Tropfsteingebilde aus der Hermannshöhle: eine Reihe miteinander verwachsener Stalaktiten, die bereits den Boden erreicht haben. (Rechte: ddp)

Uralt und faszinierend: Tropfsteine

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Das Alter der Tropfsteine

Tropfsteine erreichen ein so hohes Alter, das man es sich kaum vorstellen kann. Mit über 200.000 Jahre können sie viel über das Leben zur damaligen Zeit erzählen. Zunächst gilt es auch hier, das Alter zu bestimmen. Wissenschaftler nutzen hierbei die Erkenntnis, dass Tropfsteine radioaktive Elemente besitzen. Diese sind instabil und zerfallen innerhalb fester Zeiträume in andere Elemente. Mit Hilfe dieser so genannten "Halbwertszeit" können sie das Alter nicht nur der Tropfsteine an sich, sondern auch der einzelnen Schichten eines Tropfsteines bestimmen. Diese wiederum können Aufschluss darüber geben, wie das Klima über der Höhle gewesen sein muss. Ein einfaches Beispiel: hat es viel geregnet, ist die Tropfsteinschicht dicker als bei wenig Regen.

Sine Maier-Bode, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Geheimnisse der Höhlen - Im Reich der Finsternis, 09.04.2008

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Bildcollage zum Thema Höhlen (Rechte: WDR)

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