Schmetterlinge
Schmetterlinge, Falter, Schwärmer & Co.
Schmetterlinge stellen mit rund 150.000 bekannten Arten eine der größten und beliebtesten Insektengruppen auf unserer Erde. Der wissenschaftliche Name für Schmetterlinge lautet Lepidoptera vom griechischen "lepis", was Schuppe bedeutet und "pteron", was für Flügel steht: Schuppenflügler. Schmetterlinge können von zwei Millimeter bis zu sieben Zentimeter lang werden, ihre Flügelspannweite reicht von drei Millimeter bis 32 Zentimeter. Die größten Schmetterlinge der Welt sind unter den Tagfaltern der Königin-Alexander-Falter aus Neu-Guinea mit einer Flügelspannweite von 30 Zentimetern und bei den Nachtfaltern die Agrippina-Eule aus Südamerika, deren Flügelspannweite stattliche 32 Zentimeter erreichen kann.
Schmetterling oder Falter?
Der Begriff "Schmetterling" ist der Überbegriff für diese Insektengruppe. "Falter" nennt man den Schmetterling in seinem letzten Stadium, jenes in dem er Flügel hat und flattert, im Gegensatz zur Raupe oder Puppe.
Schmetterlinge werden zunächst in zwei Gruppen eingeteilt: in Tagfalter und in Nachtfalter, wobei nur rund 18.000 der bekannten Arten zu den Tagfaltern gehören und die viel größere Gruppe der Schmetterlinge zu den Nachtfaltern. Es wäre naheliegend zu glauben, dass alle Tagfalter tagaktiv, und alle Nachtfalter nachts unterwegs sind, was aber so nicht stimmt.
So gehören beispielsweise die Widderchen zu den tagaktiven Nachtfaltern. Falsch wäre es auch zu glauben, dass alle bunten Schmetterlinge automatisch zu den Tagfaltern gehören und alle farblosen zu den Nachtfaltern. Das große Nachtpfauenauge beispielsweise ist ein bunter großer Nachtfalter.
Es gibt andere Unterscheidungsmerkmale, an denen man die beiden Gruppen unterscheiden kann. Tagfalter stellen beispielsweise ihre Flügel in Ruheposition senkrecht in die Höhe, während die Nachtfalter ihre Flügel flach an den Körper drücken: die Hinterflügel sind dabei von den dachförmig gefalteten Vorderflügel fast oder ganz bedeckt. Auch an den Fühlern oder auch Antennen genannt, kann man die jeweilige Gruppenzugehörigkeit erkennen: Ein Nachtfalter hat oft gefiederte oder kammartige Fühler, während die Fühler der Tagfalter immer glatt sind und sich am Ende zu Keulen verdicken.
Die Schwärmer gehören zu den Nachtfaltern, wobei es auch unter ihnen einige rein tagaktive Arten gibt, wie beispielsweise das Taubenschwänzchen Sie sind meist große Falter mit schmalen Vorderflügeln und kurzen Hinterflügeln. Der Körper ist kräftig, spindelförmig, die Fühler einfach, aber verdickt. Die nackten Raupen haben am Hinterende ein Horn, wie beispielsweise die Raupe des Ligusterschwärmers. Schwärmerraupen verpuppen in der Erde.
Als Motten werden fälschlicherweise oft alle nachtaktiven Schmetterlinge bezeichnet, doch Motten sind ebenfalls eine Familie der Nachtfalter. Sie sind allesamt sehr kleine bis winzige Arten mit weniger als drei Zentimeter Flügelspannweite, zu denen auch die früher als Schädling gefürchtete Kleidermotte gehört. Ihre Raupen ernähren sich im Gegensatz zu vielen anderen Schmetterlingen nicht von Pflanzen sondern ausschließlich von trockenen, tierischen Substanzen, wie Federn, Haaren oder Horn und sie benötigen zur ihrer Entwicklung fast kein Wasser.
Gaukler der Lüfte
Obwohl sie so zerbrechlich wirken, ihre Anpassung an die verschiedensten Klimabedingungen haben die Schmetterlinge zu einer sehr weit verbreiteten Insektengruppe werden lassen. Ob in der Tundra, den kargen Matten der Hochgebirgszüge in den Alpen oder im dunklen Dickicht der Regenwälder Schmetterlinge sind fast überall dort zu finden, wo es Blütenpflanzen gibt. Aber sie sind bedroht. In unseren Gefilden sind die meisten Falter auf Nektar angewiesen. In den Tropen ernähren sich Schmetterlinge neben dem Nektar vor allem von verrottenden Früchten, Baumsäften, aber auch von Kot, Urin oder sogar Blut anderer Tiere.
Durch die Behandlung vieler Pflanzen mit so genannten "Schutzmitteln" gegen andere Insekten, wurden bei uns viele Falterarten an den Rand der Existenz gebracht. Erst die langsame Regulierung des Einsatzes solcher Insektizide hat die Schmetterlinge bei uns zum Teil wieder zurückkehren lassen.
Gemeinsam mit den Schmetterlingen in den Tropen droht unseren Faltern heute vor allem Gefahr vor Ausrottung durch den Verlust ihres Lebensraums: in Europa durch Landwirtschaft und Bebauung in den Tropen durch Brandrodung oder Abholzung des Regenwaldes.
Wenn es kalt wird
Schmetterlinge treffen wir meistens im Sommer, aber was tun sie im Winter, wenn es keinen Nektar gibt? Um die kalte Jahreszeit erfolgreich zu überstehen, haben die einzelnen Arten unterschiedliche Strategien entwickelt, denn ist ein Schmetterling voll entwickelt, so stirbt er sobald es kalt wird. Eine Ausnahme bildet aber beispielsweise der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni). Er überwintert ungeschützt in Eis und Schnee. Das funktioniert nur deshalb, weil er einen Teil seiner Körperflüssigkeit durch eine Art Frostschutzmittel ersetzt. Dieses setzt sich zusammen aus Alkohol, Salzen und Eiweiß. So kann er selbst bei großer Kälte überleben.
Andere Falter ziehen - ähnlich wie die Zugvögel - in den sonnigen Süden. Der Distelfalter ist beispielsweise so ein Vertreter. Doch die meisten Schmetterlingsarten verbringen bei uns den Winter in unterschiedlichen Stadien ihrer Verwandlung. Manche überwintern als Puppe, andere als Raupe oder als Ei.
Verwandlungskünstler
Schmetterlinge sind Meister der Verwandlung und das von der Wiege aufwärts. Die Entwicklung aus dem Ei über die Raupe zur Puppe und schließlich zum flatternden Falter ist noch heute ein ästhetisches Spektakel und gibt Entwicklungsbiologen mehr als ein Rätsel auf. Aus dem Ei schlüpft zunächst eine kleine Raupe, die sich kaum auf der Welt zu einer richtigen Fressmaschine entwickelt. Täglich vertilgt sie das mehrfache ihres Körpergewichtes an Blättern, so dass sie sich mehrmals häuten muss. Dies ist notwendig, da die "Raupenhaut" nicht mit wächst, sie besteht aus einer wenig elastischen Kutikula.
Ist die Raupe erwachsen, häutet sie sich zum letzten Mal und erreicht das Stadium, in dem die Raupe sich zur Puppe umformt. Je nach Schmetterlingsart gibt es verschiedene Verpuppungsarten: Der schöne Morphofalter oder das Tagpfauenauge zum Beispiel hängt sich kopfüber an einen Ast. Der Seidenspinner spinnt sich aus Seidenfäden einen Kokon, in dem die Raupe sich dann verpuppt. Baumweißling oder Schwalbenschwanz befestigen einen Faden am Ast, den sie sich wie einen Gürtel um ihren Körper legen, so dass sie in einer Schlinge hängen. Der.Nachtschwalbenschwanz näht sich für seine Verwandlung in ein Blatt ein und der Windenschwärmer vergräbt sich in der Erde und chitinisiert dort zur Puppe.
Und nun beginnt der aufregendste Moment im Inneren dieser Puppen: sämtliche Organe, die bisher wunderbar für ein Raupenleben geschaffen waren, etwa die Mundwerkzeuge, lösen sich auf und formen sich in die Organe um, die nach Vollendung der Metamorphose einen Falter bilden. Schließlich platzt die Puppe auf und aus dieser toten Haut schlüpft dann der vollendete Schmetterling. Bevor aber der erste Flug möglich ist, müssen die noch zerknitterten, feuchten Flügel entfaltet werden. Dies geschieht in dem er Blut und Luft in die Flügel pumpt, so dass sich diese aufspannen können.
Meister der Sinne
Schmetterlinge sind Meister der Sinne: Ein Weibchen etwa, dass seinen Partnern signalisieren will "ich bin paarungsbereit" scheidet Duftstoffe, so genannte Pheromone aus, die von den Männchen noch in der allerkleinsten Verdünnung und über weite Entfernungen von den Antennen aufgenommen werden und so die Fährte zur Geliebten legen. Der Seidenspinner reagiert bereits auf 200 Moleküle pro Milliliter Luft eines bestimmten Pheromons. Der Chemiker und Nobelpreisträger Adolf Butenandt benötigte fast 20 Jahre und eine dreiviertel Million weibliche Exemplare des Seidenspinners, um Ende der 1950er Jahre den ersten Sexuallockstoff zu isolieren und zu identifizieren, das Bombykol. Die Vielfalt dieser Signalstoffe ist sicher mit der Artenvielfalt unter den Schmetterlingen zu vergleichen. Wenn wir auch die Duftstoffe der Schmetterlinge nicht wahrnehmen können, die Vielfalt der Formen und Farben unter den zerbrechlichen Gauklern entschädigen dafür allemal.
Axel Wagner, Stand vom 05.07.2010
Sendung: Schmetterlinge - Juwelen der Lüfte, 05.07.2010








