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Naturbeobachtung

Sektkorken knallen unter blühenden Büschen ins neue Jahr. Haselpollenallergien mitten im Dezember und Balzvogelgezwitscher schon im Januar. 2006 gab es den wärmsten Dezember seit 32 Jahren und den drittwärmsten seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen 1901. Die Betreiber italienischer Eisdielen machten schon zwischen Weihnachten und Neujahr ein gutes Geschäft. Die neue Klimasituation ist noch völlig ungewohnt. Mensch, Tier und Pflanze müssen sich ganz besonderen Herausforderungen stellen.

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Zu frühe Frühlingsgefühle

Ein Abendspaziergang in warmen lauen Lüftchen, das ist ja schon was Nettes. Und jedes Jahr sehnt man von neuem den Frühling herbei. Verspricht er doch neue Energie und Lebenskraft, Tatendrang und vielleicht auch ein kleines amouröses Geplänkel. Denn frisch verliebt turtelt es sich doch am schönsten inmitten eines Meeres aus zarten, lieblich duftenden Frühlingsblüten. Doch ohne einen zünftigen, knackig kalten Winter zuvor fehlt einem einfach etwas. Frühlingsgefühle im Dezember?! Klappt nicht so richtig. Stattdessen sehnt man sich nach der Zeit, in der es draußen einfach ungemütlich ist und man sich vor dem Kamin mit einem dicken Schmöker in Händen in Schichten von Wolldecken genüsslich einmummeln darf. So sind wir’s gewohnt. Man braucht doch, um sich wohl zu fühlen, die Jahreszeiten - nicht nur im Kalender, sondern auch als Wetter! Oder?

Braunbär im Wald (Rechte: Photopress)

Was wird mit seinem Winterschlaf?

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Phänologische Beobachtungen gefragter denn je

Den gewohnten Witterungswechsel der Jahreszeiten brauchen nicht nur wir Menschen zum Wohlfühlen, sondern auch die Tiere und Pflanzen. Wir Lebewesen haben uns lange an die Bedingungen angepasst, die in den Klimazonen unseres jeweiligen Lebensraumes herrschen. Klimawandel gab es in der Erdgeschichte zwar schon öfter, allerdings noch nie so rasant wie jetzt. Was passiert, wenn Bär und Erdkröte nicht mehr in den Winterschlaf fallen? Wenn Bäume schon im Dezember blühen oder Zugvögel ihrem Namen keine Ehre mehr machen und einfach den Winter im Sommerquartier verbringen? Kann die Natur das so einfach wegstecken oder kommt dadurch alles durcheinander? So genau kann das heute noch keiner sagen. Die Natur kann man nicht im Reagenzglas untersuchen, dazu sind die Zusammenhänge zu komplex. Für zukünftige Prognosen ist Feldforschung heutzutage wichtiger denn je. Ökologen und Phänologen, die die Erscheinungen in der Natur genau beobachten und wissenschaftlich analysieren, sind heute in der Klimadiskussion gefragte Experten.

Ein ausgewachsener Hummer im Ökolabor der Biologischen Anstalt im Helgoländer Südhafen (Rechte: dpa)

Der Hummerbestand vor Helgoland ist stark rückläufig

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Heimische Arten bekommen Probleme

Inzwischen sind schon Pflanzen- und Tierarten bei uns sesshaft geworden, die sonst eigentlich in Mittelmeer-Regionen zu Hause sind. Die Bereicherung in Sachen “Flora und Fauna“ hat allerdings auch ihre Schattenseiten. Heimische Arten können durch sie verdrängt werden. Dazu kommt noch, dass für einige das Klima generell nicht mehr stimmt. Der Klimawandel könnte damit als Aussterbeursache diejenige des “Lebensraumschwundes“ sogar noch toppen. Bioklimatologen sehen zum Beispiel auch Probleme, die sich für die filigran aufeinander abgestimmten Nahrungsnetze ergeben. Das gilt für Lebensräume an Land genauso wie für die unter Wasser. Die Bestände des europäischen Hummers vor Helgoland zum Beispiel - früher kam er dort in hoher Zahl vor - sind inzwischen drastisch geschrumpft. Wegen der Erwärmung der Nordsee schlüpfen die Larven früher, verpassen dadurch aber die Planktonblüte und finden deshalb nichts zum Fressen. Die meisten der kleinen Hummer müssen deshalb verhungern.

Eine Zecke auf der Haut eines Menschen (Rechte: dpa)

Die Gefahr von FSME und Borreliose steigt

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Gefahr im Anflug: Kleine Insekten mit gefährlicher Fracht

Warme, feuchte Winter und heiße Sommer - darüber freuen sich auch winzig kleine “Gäste“, die wir Menschen nicht wirklich mögen: die Tigermücke zum Beispiel, die eigentlich in Asien beheimatet ist und die das gefährliche Dengue-Fieber übertragen kann. Noch ist sie nicht hier. Sie wurde aber bereits in Italien und in der Schweiz gesichtet. Und - was kaum jemand weiß: Die Anopheles-Mücke, Überträgerin der Malaria, ist schon seit langem in Deutschland heimisch. Die Malaria glücklicherweise noch nicht. Für den Erreger sind unsere Winter zu kalt. Doch das kann sich ändern, hält der gegenwärtige Temperaturtrend an. Tropenmediziner sind schon in Alarmbereitschaft. Gleichermaßen sind das auch die Allergologen, denn der wärmeliebende Eichenprozessionsspinner, dessen Raupen hoch allergene Substanzen in ihren feinen Härchen mit sich tragen, fühlt sich bei uns pudelwohl. Auch Zecken vermehren sich, je wärmer es ist, desto prächtiger. Die Gefahr von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose (Krankheiten, die durch Zeckenbisse übertragen werden) steigt.

Susanne Decker, Stand vom 24.07.2009
Sendung: Klimawandel und Natur - Warnsignale vor der Haustür, 27.04.2007

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