Weinbau im Klimawandel
Weiß mag's nicht ganz so heiß
Deutschland ist eher als Weißweinland bekannt. Denn die hellen Trauben mögen es nicht ganz so heiß. Sie gedeihen besser bei typisch deutscher Witterung, die - verglichen mit der mediterranen Variante - etwas rauer daherkommt. Weniger warm, mehr Frost im Winter und regenreichere Sommer. In den nördlicheren Regionen von Deutschland allerdings waren die Bedingungen selbst für den Anbau heller Traubensorten bisher immer schwierig: zu kalt. Deshalb findet man traditionelle Weinanbaugebiete (meist in sonnenexponierter Hanglage) vor allem im Süden Deutschlands. Doch das könnte sich in Zukunft ändern.
Klimaarchiv Weinkeller
Wer wie die Winzer die Natur genau im Auge behalten muss, um ausreichend Ernteertrag für den Fortbestand der eigenen betrieblichen Existenz zu sichern, für den sind die Schlagzeilen über die rasante Klimaerwärmung bereits ein alter Hut. Schon seit längerer Zeit beobachten sie, dass Austrieb, Blüte und Traubenreife früher einsetzen. Und manche Weingüter machen sogar fast schon den wissenschaftlichen Klimaarchiven Konkurrenz. Akribisch beurteilt man dort schon seit hunderten von Jahren die Weinqualität. Den historischen Aufzeichnungen kann man entnehmen, dass es ab und zu alle paar Jahre mal einen Ausreißer nach unten in der Qualität der Weine gab. Seit etwa 20 Jahren aber sind die Weine ausnahmslos von guter Qualität. Keine kurzen Vegetations- und langen Frostperioden treiben die Winzer mehr mit miesen Ernten zur Verzweiflung.
Mediterrane Edelreben aus Süddeutschland
Für den Weinliebhaber hat der Klimawandel also tatsächlich einen angenehmen Nebeneffekt zu bieten. Schlaue Winzer, die den Klimatrend schon früh erkannten, experimentierten schon vor 15 Jahren mit mediterranen roten Rebsorten wie der Bordelais-Edelrebe Cabernet Sauvignon oder Merlot: mit Erfolg! Vormals exklusiv südländische Reben gedeihen heute zusehends in deutscher Hanglage.
Weinbaugebiete wandern nach Norden
Mancher Weißweinrebe könnte es im Süden Deutschlands inzwischen sogar schon zu heiß werden. Einige Sorten reagieren bereits mit „Sonnenbrand“, bräunlichen Stellen in der Schale, die auf eine Schädigung der Trauben hinweisen. Bittere Gerbstoffe bilden sich dann, die den Geschmack des Weines beeinträchtigen. Für Eiswein sieht es angesichts der Prognose, dass milde Winter nun wohl öfter auftreten werden, ebenfalls düster aus. Denn die Trauben, aus denen der Saft für den Eiswein gepresst wird, müssen noch vor der Ernte am Rebstock gefrieren. Anbaugebiete, deren klimatische Bedingungen sich für solche Weinsorten eignen, könnten in Zukunft weiter nördlich liegen: in Norddeutschland, Dänemark oder Schweden zum Beispiel. Kleine Weinbaugebiete gibt es dort bereits schon. Heute vielleicht noch belächelt - könnten nordische Weine vielleicht schon bald den Kennergaumen entzücken.
Susanne Decker, Stand vom 24.07.2009








