Wissensfrage
Heutzutage kann man Klimadaten so präzise messen wie nie zuvor. Hightech-Sonden liefern den Wissenschaftlern unentwegt Unmengen an Daten aus den höchsten Luftschichten der Erdatmosphäre und aus den tiefsten Regionen der Weltmeere. Was für Wissenschaftler, die sich mit Klimaprognosen beschäftigen, aber mindestens genau so wichtig ist, sind "lange Messreihen" - also Klimadaten über einen extrem langen Zeitraum. Nur so können signifikante Prognosen für die Zukunft gestellt werden. Um an solche Daten aus längst vergangenen Zeiten zu kommen, nehmen die Forscher die Spuren, die das Klima in der Natur hinterließ, ganz genau unter die Lupe.
Bäume und Korallen lüften Klimageheimnis
In Vegetationszonen, in denen es Kälte und Trockenperioden gibt, wechseln Bäume zwischen Wachstums- und Ruhephasen. Sie bilden Baumringe, an denen man gut das Alter ablesen kann: pro Ring ein Jahr mit Vegetations- (heller, breiter Ring) und Ruhephase (dunkler, schmaler Ring). Die Ringe zeigen aber noch mehr. In Jahren, in denen das Klima gut für das Wachstum war, bildet der Baum besonders breite Ringe, in mageren Jahren dagegen entsprechend schmalere. Auch Korallen bilden in ihrem Kalkskelett Jahresringe, die man allerdings nur auf dem Röntgenbild erkennen kann. Anders als beim Baum analysiert man hier nicht die Dicke der Korallenringe, um Rückschlüsse auf das Klima zu erhalten. Vielmehr schaut man danach, welche chemischen Stoffe in den Schichten des Kalkskeletts eingelagert sind. Aus deren Menge und Zusammensetzung können Wissenschaftler lesen, welche Temperaturen zum jeweiligen Wachstums-Zeitpunkt unter Wasser geherrscht haben, wie stark die Sonneneinstrahlung und wie hoch der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre war.
Gigantisches Klimaarchiv im Gletscher-Eis
Klimadaten, die bis zu mehreren hunderttausend Jahren zurückreichen, sind in den gigantischen Eispanzern der Gletscher gespeichert. Jede Schicht Schnee und Eis, die sich innerhalb eines Jahres gebildet hat, birgt Informationen über die zum damaligen Zeitpunkt herrschenden Klimaverhältnisse. In Grönland, der Antarktis oder im Gebirge holen Forscher Eiskerne aus einer Tiefe von mehreren Kilometern heraus. In den unterschiedlichen Eisschichten ist - eingeschlossen in Luftkammern - die Atmosphäre vergangener Zeiten konserviert. So kann man beispielsweise den Anteil an Treibhausgasen wie Methan und Kohlendioxid oder die Zusammensetzung der feinen Aerosolpartikel aus historischen Erdepochen bestimmen. Die in den Gletschern gespeicherten Informationen sind von unschätzbarem Wert für zukünftige Klimaprognosen. Paradoxerweise könnten sie - gerade wegen der Klimaerwärmung - schon in einigen Jahrzehnten weggeschmolzen sein.
Susanne Decker, Stand vom 24.07.2009






