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Lawinen

Ein dumpfes, beunruhigendes Grollen ist in der Ferne zu hören. Schnell kommt es näher. Eine Lawine ist ausgelöst. Riesige Schnee- und Eismassen rutschen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 300 Kilometern in der Stunde den Gebirgshang hinab. Sie prallen mit starkem Druck auf alles, was ihnen im Weg steht.

Eine Lawine rauscht einen Berg hinunter. (Rechte: dpa)

Lawinenabgang

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Entstehung von Lawinen

Sind die Luft- und Bodentemperatur sehr unterschiedlich, wird am Boden die typische Sternform der Schneekristalle aufgebrochen. Sie verfilzen und verwandeln sich in feste Körner, die dann säulenförmig anwachsen. Mehrere dieser Kristallsäulen verschmelzen zu einer glatten und sehr zerbrechlichen Schicht. Bodenerschütterungen oder der Druck durch neuen Schnee können die eisigen Massen ins Rutschen bringen. Die riesigen Schollen erreichen in nur fünf Sekunden eine Geschwindigkeit von 90 Kilometern in der Stunde. "Rund 90 Prozent der Verschütteten haben ihre Lawine selbst ausgelöst", erklärt das Eidgenössische Institut für Schnee und Lawinenforschung der Schweiz, das seit vielen Jahren die Lawinenentstehung untersucht.

Eine Lawine hat mehrere Häuser verwüstet. (Rechte: dpa)

Zerstörerische Kraft

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Extrem-Skifahrer, Schneemobile und Snowboarder dringen immer wieder in unberührte Bergregionen vor. Oft ist es deren Unkenntnis, die Lawinen auslöst. So werden beispielsweise für alle Ski- und Berggebiete Gefahrenstufen ausgewiesen, die vor der Lawinengefahr warnen. Werden Lawinenopfer in der ersten Viertelstunde geborgen, haben sie gute Überlebenschancen. Ist die Bergwache informiert, sollten Nichtverschüttete beginnen, die Vermissten zu suchen – jede Minute ist kostbar. Der Platz unter der Schneedecke ist meist so eng, dass die Verschütteten nur noch Finger oder Zehen bewegen können – eigenes Freigraben ist aussichtslos. Es droht der Tod durch Erfrieren. Auch der Sauerstoff wird knapp. Ersticken ist die häufigste Todesursache nach einem Lawinenunfall. Der Schnee verstopft Mund und Nase, erklärt Birgit Ottmer vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung der Schweiz.

Lawinentypen

Lawine ist nicht gleich Lawine. Der weiße Tod nimmt unterschiedliche Formen an.

  • Lockerschneelawine: Eine kleine Menge Schnee löst sich an einer Stelle und reißt immer mehr Schnee mit. Rauscht die Lockerschneelawine ins Tal, breitet sie sich rasch fächerförmig aus.
  • Schneebrettlawine: Neuschnee rutscht auf einer instabilen oder glatten Unterschneeschicht ab. Bei Zusatzbelastung, etwa durch einen Skifahrer, reißt sie und rutscht ab.
  • Fließlawine: Fließlawinen entstehen meist im Frühling. Wenn der Schnee schmilzt und abrutscht, kann es zu schweren Lawinen kommen. Die Fließlawine walzt alles nieder, was ihr im Weg ist. Es kommt vor, dass sich mehrere, kleinere Lawinenstriche zu einer großen Lawine vereinigen und aufgrund ihres Gewichtes durch den nassen Schnee einen enormen Druck aufbauen. An steilen Hängen können aus Fließlawinen Staublawinen entstehen. Je schneller die Fließlawine ist, desto mehr Staub entwickelt sich. Durch die starke Luftströmung, die Pulverschnee auslöst, prallen in den unteren Schichten der Fließlawine Schnee- und Eisbrocken aufeinander.

Die häufigsten Lawinentypen sind Mischformen. Die meisten Lawinenkatastrophen beginnen mit einem Schneebrett oder einer Lockerschneelawine und entwickeln sich später zu einer Staublawine. Diese reißt weiteren Schnee mit sich, so dass sie zu einer Fließlawine wird. Bäume, Felsen und Erde werden mitgerissen.

Schutzzäune gegen Lawinen an einem Berghang. (Rechte: dpa)

Schutzzäune sind nur eine Möglichkeit

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Schutz vor Lawinen

Konstruktionen aus Stahl, Beton und Holz stützen die Schneedecke und verhindern so einen Lawinenabgang ins Tal. Die Stützen unterteilen dabei den Hang in kleine Flächen, so dass nicht die gesamte Schneemasse in Bewegung kommen kann. Kleinere Rutsche werden gebremst. Ablenkdämme leiten Lawinen in eine bestimmte Richtung. Mit etwa zwei bis fünf Meter hohen Verwehungszäunen können Triebschneesammlungen gesteuert werden. Die natürlichen Windverhältnisse werden derart abgeändert, dass sich der Schnee hinter den Wänden ablagert und keine große Schneemassen angehäuft werden. Häuser werden mit bis zu einen Meter dicken Zusatzwänden verstärkt.

Der besten Schutz vor Lawinen ist allerdings der natürliche: Dichter, hochstämmiger Wald verhindert große Triebschneeansammlungen und Lawinenanrisse. Eine einzelne Tanne hat dabei einen Einflussbereich von fünf Metern. Sie bringt die Schneedecke durcheinander, indem sie den Neuschnee zuerst mit der Krone auffängt, bevor er später auf den Boden fällt und die Schneedecke bildet. Es können sich keine Gleitschichten bilden. Mit Ästen und Nadeln verunreinigter Schnee schmilzt im Frühling schneller, denn er nimmt mehr Sonnenenergie auf. Wenn eine Lawine oberhalb losbricht, hat der Wald aber keine Schutzwirkung. Die Lawine schlägt eine Schneise in ihn hinein und beschädigt ihn. Neue Wälder werden aufgeforstet – die sind aber erst nach Jahrzehnten groß genug, um vor Lawinen zu schützen.

Claudia Kracht/Claudia Kynast, Stand vom 30.07.2009

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Collage aus Bildmotiven zum Thema Klima (Rechte: dpa)

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