Tiefsee und Klima
Meeresströmungen und Klima sind eng vernetzt
Würde zum Beispiel der Golfstrom nicht mehr warmes Wasser in unsere Regionen bringen, würden die Lufttemperaturen in Europa gewaltig fallen: Auch eine Veränderung der Strömungsrichtung des Golfstroms hätte für uns in Europa gravierende Folgen. Eine neue Eiszeit könnte drohen. Jede Veränderung der Tiefsee-Oberfläche könnte dramatische Folgen haben. Aber es funktioniert auch anders herum: Fallen zum Beispiel die Temperaturen in der Luft, führt das - an manchen Stellen - zu mehr Regen.
Mehr Regen im Ozean verringert hier den Salzgehalt, die Dichte des Salzwassers nimmt ein bisschen ab, das salzige Wasser wird etwas leichter. Tatsächlich kommt dann der Golfstrom ins Trudeln, denn der wird angetrieben von schwerem Salzwasser, das in die Tiefe sinkt. Manche Verbindungen verweilen mehrere Tausend Jahre im Ozean, bevor sie wieder auftauchen. Ozeane können so als Speicher dienen. Genau das wollen Forscher in Zukunft vielleicht ausnutzen. Ihr Plan: Sie wollen Kohlendioxid in großen Mengen im Ozean einlagern und so das Treibhausgas aus der Atmosphäre bannen. Kohlendioxid wirkt als Treibhausgas und heizt der Erde an. Zu welchen Effekten das in der Tiefsee führen könnte, ist jedoch weitgehend unbekannt.
Der Motor des Golfstroms sitzt in der Tiefsee
Die Meeresströmungen durchziehen alle Ozeane der Erde: Nicht nur an der Oberfläche, sondern auch in der Tiefe ist das Wasser ständig in Bewegung. Der Motor dieser globalen Strömung sitzt im Nordatlantik und der Antarktis: Hier sinkt schweres, salzhaltiges Wasser in 3000 bis 4000 Meter Tiefe ab und fließt als kalter Tiefseestrom zurück. Ein kleiner Bestandteil dieser erdumspannenden, klimarelevanten Strömungen ist der Golfstrom. Trotzdem sind die Dimensionen gigantisch: Der Golfstrom befördert mehr als 30mal soviel Wasser wie alle Flüsse der Welt zusammen.
Da der Golfstrom aus Äquatornähe kommt und warm ist, bringt er viel Wärme aus dem Golf von Mexiko mit. So wirkt er wie eine Zentralheizung für Europa. Wollte man die Wärmeleistung des Golfstroms durch die Leistung von Kernkraftwerken ersetzen, so bräuchte man in etwa eine Million davon. Da wird schnell klar: Fällt der Golfstrom weg, droht Europa eine neue Eiszeit. Insofern war die Erforschung der Meeresströme schon immer ein Hauptgebiet der Tiefseeforschung.
Wird durch die Klimaerwärmung zunehmend in den Meerestiefen freigesetzt: Methan
Zeitbombe am Meeresboden? Methanhydrat
Methanhydrat entsteht, wenn das Treibhausgas Methan über Spalten aus dem Erdinneren entweicht und dann am Meeresgrund gefriert. Tiefe Temperaturen und der dort vorherrschende, enorme Druck sorgen für den Prozess.
Als 1995 große Vorkommen von Methanhydrat vor der Küste Oregons entdeckt wurden, war die Euphorie groß. Einige Forscher glaubten, alle Energieengpässe könnten damit gelöst werden, man müsse es nur an die Erdoberfläche befördern. Die Methanhydrat-Vorkommen sind immens groß: Der Energievorrat ist doppelt so groß wie der der anderen Energieträger - Erdöl, Erdgas und Kohle - zusammen.
Doch die Goldgräberstimmung hielt nicht lange an, denn der Abbau des Hydrats gestaltet sich schwierig: In den oberen Wasserschichten wird es wärmer, der Druck nimmt ab, als Folge davon zersetzt sich das Methanhydrat um so schneller, je näher es an die Wasseroberfläche kommt. Das Gas könnte in großen Blasen aufsteigen, wenn es nicht gelingt, den Zersetzungsprozess technisch unter Kontrolle zu bringen. Jeder Betriebsunfall bei der Förderung hätte fatale Folgen: Würde Methan ungehemmt in die Atmosphäre entweichen, würde es den Treibhauseffekt anheizen. Methan ist ein 40mal wirksameres Treibhausgas als Kohlendioxid.
Aufsteigende Methan-Blasen bieten eventuell auf eine Erklärung für ein nach wie vor mysteriöseres Rätsel : Sogenannte "Blows", schnell aufsteigende Gasblasen, könnten auf für das Verschwinden Hunderter von Schiffen im Bermuda-Dreieck verantwortlich sein.
Vor 55 Millionen Jahren könnte Methan schon einmal einen globalen Klimakollaps ausgelöst haben: Methanhydrat befindet sich auch oft an den Kontinentalhängen und als diese damals im Zuge von Kontinentalplatten-Bewegungen abrutschten, wurden vermutlich schon einmal gewaltige Methanmengen freigesetzt. Laut Berechnungen ging es damals um die gewaltige Menge von 1000 Milliarden Tonnen.
Dirk Beppler, Stand vom 16.01.2007







