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Fischereipolitik

Wollen wir auch in Zukunft leckeren Meeresfisch genießen, muss die Art und Weise, wie dieser gefangen wird, komplett geändert werden. Dies kann nur durch internationale Abkommen und die Marktmacht der Verbraucher gelingen.

Verschiedene Speisefische, mit Zitrone und Petersilie zum Verkauf dekoriert. (Rechte: Mauritius)

Speisefische - ein gefährdetes Gut

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Grenzenlose Freiheit? Fischen auf hoher See

Die Fischerei auf dem Meer unterliegt dem internationalen Seerecht. Demnach haben alle Staaten auf der hohen See die Freiheit zur Ausübung der Fischerei, so lange sie die Interessen der anderen Staaten gebührend berücksichtigen. Inzwischen haben viele Staaten, die internationale Gewässer nutzen, freiwillige Abkommen zum Schutz der Fischbestände geschlossen. Allerdings wird kein Staat gezwungen, daran teilzunehmen. Etliche Schiffe sogenannter Billigflaggenländer wie Panama fischen daher ohne jegliche Reglementierung. Diese nennt man Piratenfischer.

Großes Schiff der Küstenwache auf dem Meer (Rechte: Mauritius)

Die Küstenwache beteiligt sich an der europäischen Fischereiüberwachung

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Rechtlich bindende Vorschriften gibt es nur für die Hoheitsgewässer. Die Hohe See endete früher in Kanonenschussweite vor der Küste, an der sogenannten Dreimeilenzone. Heute reichen die Hoheitsgewässer meist bis zwölf Seemeilen aufs Meer. Eingeschränkte Hoheitsrechte beanspruchen die meisten Küstenstaaten heute auch in der 200-Meilen-Zone, der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ). Dazu zählen auch die Fischereirechte. In der 200-Meilen-Zone kann die Fischerei effektiv reguliert werden, solange ein Staat reich genug ist, dies durch eine Flotte auch durchzusetzen. Viele Staaten der Dritten Welt sind dazu allerdings nicht in der Lage.

Fangquote - Mittel mit begrenzter Wirkung

In den europäischen Gewässern regelt die "Gemeinsame Fischereipolitik" (GFP) den Fischfang. Darin werden die Bedingungen und die den Nationen zugeteilten Fangmengen festgelegt. Damit wäre eigentlich die sinnvolle Nutzung der europäischen Meere gewährleistet. Die Grundlagen für die Festlegung von Fangmengen, "Fangquoten" genannt, ermitteln in Europa sehr kompetente Wissenschaftler. Sie bestimmen die Maximalmenge an Fisch, der dem Meer entnommen werden kann, ohne dass die Fischbestände geschädigt werden. Auch werden bestimmte Rahmenbedingungen empfohlen, etwa die Größe der Maschen der Netze, damit nicht zu kleine Fische gefangen werden.

Aufgrund der Empfehlungen der Wissenschaftler legt die Europäische Kommission meist recht vernünftige Fangquoten vor, die eine nachhaltige Nutzung der Fischbestände gewährleisten würden. Beschlossen werden diese Fangquoten aber letztlich von den Fischereiministern der Europäischen Union (EU). Und in dieser Runde spielen politische Erwägungen eine wichtige Rolle. Daher werden die für die Fische maximal verträglichen Fangquoten oftmals gut und gerne verdoppelt. Zum großen Problem wird dies dadurch, dass die europäischen Fischer offenbar nochmals etwa doppelt so viel Fische fangen wie offiziell genehmigt. Ein offenes Geheimnis, wie viele Experten berichten.

Demnach wird in europäischen Gewässern bis zu vier Mal mehr Fisch gefangen, als von Wissenschaftlern gerade noch für vertretbar angesehen wird - der wichtigste Grund für die schwindenden Fischbestände unserer Meere!

Wenn schon die Kontrolle der Fischerei innerhalb der EU so lax gehandhabt wird, in internationalen Gewässern ist sie kaum noch möglich.

Krabbenkutter im Hafen von Norddeich. (Rechte: WDR)

Schutz der Fischbestände sichert auch Arbeitsplätze

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Wege zur nachhaltigen Fischerei

Deutschland hat europaweit nur einen recht geringen Anteil an der aktiven Fischerei. Rund 4000 Arbeitsplätze bietet die Fischerei auf den Fangschiffen. Dagegen leben rund 36.000 Menschen von der Verarbeitung und dem Vertrieb von Fischen und Fischprodukten. Da wir Fisch ohnehin überwiegend einführen, dürften bei uns durch notwendige Eingriffe zum Schutz der Fischbestände nicht so viele Arbeitsplätze wegfallen wie in anderen Regionen Europas.

In vielen Küstenregionen ist Fisch aber die einzige Einnahmequelle. Der einzelne Fischer muss die nächste Rate für sein Boot bezahlen und seine Familie ernähren. Würde er alleine freiwillig weniger fischen, nützte ihm das nichts, da dann die anderen Fischer einfach mehr anlanden würden. Proteste von Fischern gegen die Fischereipolitik sind daher verständlich und nachvollziehbar. Aber für alle Fischer wäre es besser, wenn viel energischer eingegriffen würde. Noch besteht Aussicht auf Erholung der Fischbestände. Wenn es erst zu spät ist, könnten die Ökosysteme womöglich auf lange Zeit ruiniert sein.

Was muss passieren?

Damit sich die Fischbestände erholen können, empfehlen Experten gleich ein ganzes Bündel von Maßnahmen:

  • Alle öffentlichen Subventionen für Fangflotten müssen gestrichen werden, auch für die großen Schiffe. Die Fangflotte muss so stark verkleinert werden, dass der technische Fortschritt nicht wieder für steigende Fänge sorgt. Die touristische Nutzung der alten Boote könnte gefördert werden, um Verdienstmöglichkeiten zu erhalten.
  • Fangquoten sollten nicht mehr jährlich, sondern für mehrere Jahre festgelegt werden, nach zuvor festgelegten Regeln, die eine nachhaltige Nutzung festschreiben. Dies sollte dem direkten Einfluss von Politikern entzogen sein, etwa in einer unabhängigen Behörde, die den EU-Kommissaren unterstellt werden könnte.
  • Sehr viel intensivere Kontrollen sind notwendig, damit Missetäter überhaupt erst einmal festgestellt werden. Das wäre eine Motivation für die Fischer, die sich jetzt schon korrekt verhalten und den Missetätern hilflos zusehen müssen. Auf großen Schiffen müssten unabhängige Beobachter eingesetzt werden. Auch die Kontrollen in den Häfen müssten besser funktionieren.
  • Sehr viel höhere, abschreckende Bestrafung bei Fehlverhalten, die letztlich auch durchgesetzt wird.
  • Alle Beifänge müssten angelandet und auf die entsprechenden Fangquoten der jeweiligen Fischarten angerechnet werden.
  • Wenn es nicht möglich ist zu fischen, ohne dabei eine Fischart zu fangen, deren Quote bereits erfüllt ist, müsste die Fischerei ganz eingestellt werden. Dann würden vielleicht selektivere und schonendere Methoden zum Zuge kommen. Kabeljau wird in Island beispielsweise geangelt.
  • Es müssten Meeresschutzgebiete ausgewiesen werden, die ganz unter Schutz gestellt sind. Nur so kann sich die Natur wenigstens in einigen Bereichen völlig erholen. In Nord- und Ostsee sollte am besten gar nicht mehr gefischt werden.

Vladimir Rydl, Stand vom 15.01.2010

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