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In den Meeren gab es früher so viel Kabeljau, dass man ihn einfach mit geflochtenen Körben aus dem Meer heben konnte. Stimmt das?

Das klingt völlig übertrieben, aber es gibt glaubhafte historische Berichte, nach denen dies tatsächlich möglich gewesen sein soll. Der Italiener Giovanni Caboto (englisch: John Cabot) entdeckte im Auftrag des englischen Königs 1497 Neufundland und berichtete über gigantische Kabeljauschwärme auf dem vorgelagerten Flachmeer, den Grand Banks. Cabot ließ beschwerte Körbe im Wasser absinken. Beim Heraufziehen waren diese voller Kabeljau. Eine solche Fülle ist heute kaum noch vorstellbar, denn beim Kabeljau sind bereits die wichtigsten und größten Bestände der Welt zusammengebrochen oder stark bedroht.

Krabbenkutter auf dem Meer, von Möwen umschwärmt. (Rechte: dpa)

Möwen lauern auf Beifänge

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Der Kabeljau ist ein Fisch, der ein Alter von bis zu 20 Jahren erreichen kann. Gerade die großen, alten Exemplare, die widerstandsfähig sind und große Mengen von Eiern legen können, sind für die Fortpflanzung wichtig. Davon gibt es jedoch immer weniger. Der durchschnittliche gefangene Nordseekabeljau ist laut der Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) beim Fang nur noch drei Jahre alt, ein "Jugendlicher". 1996 landeten rund 90 Prozent aller Jungkabeljaue der Nordsee als lästiger Beifang in den Schleppnetzen der Schollen- und Garnelenfischer. Sie wurden nicht verwertet, sondern tot oder sterbend über Bord geworfen, als Futter für die Möwen.

Früher waren die Kabeljaubestände der Nordsee riesig und Grundlage für eine gewinnbringende Fischerei. Heute spielen sie eine immer kleiner werdende Rolle. Ob die Bemühungen zu ihrem Schutz Erfolg haben werden, ist zumindest so lange fraglich, so lange sie Opfer des Fischens auf Schollen und Garnelen werden.

Die früher größten Kabeljaubestände der Welt auf der kanadischen Neufundland-Bank, in denen Cabot 1497 noch Kabeljau mit Körben fischen konnte, können als warnendes Beispiel dienen. Nach 1497 fischten über Jahrhunderte hinweg französische, portugiesische und englische Fischer in diesen Gewässern, bis die industrielle Fischerei dem ein schnelles Ende bereitete.

Als die Fänge 1992 drastisch einbrachen, verhängte man ein absolutes Fangverbot. Man hoffte, der Bestand würde sich innerhalb weniger Jahre erholen. Doch es war zu spät, das ökologische Gleichgewicht hatte sich bereits dauerhaft verschoben. Die Kabeljaue lebten dort ursprünglich von Shrimps, die selbst wiederum gerne die zahlreichen Eier und die Brut der Kabeljaue fraßen. Als die alten Kabeljaue weggefangen waren und sie die Zahl der Shrimps nicht mehr kontrollieren konnten, vermehrten sich die Shrimps sehr stark und fraßen den gleichzeitig immer geringer werdenden Kabeljau-Nachwuchs weg. Der Kabeljaubestand konnte sich davon bis heute nicht mehr erholen. 40.000 kanadische Fischer verloren seither ihre Arbeitsplätze.

Entfernt man eine Art aus dem ökologischen Gefüge, kann diese Nische durchaus auch von einer anderen Art besetzt werden. Und diese Art muss nicht unbedingt für den menschlichen Verzehr geeignet sein. Auf der Neufundlandbank scheint das System auch ohne Kabeljau zu funktionieren. Nicht nur ökologisch, sondern auch finanziell ein Verlust, der in die Milliarden geht. Bedingt durch die allzu große Gier nach Fisch.

Vladimir Rydl, Stand vom 15.01.2010

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