Wissensfrage
Stimmt es, dass Schleimpilze intelligentes Verhalten zeigen können?
Japanische Forscher führten unter der Leitung von Toshiyuki Nakagaki ein Experiment mit Schleimpilzen durch, dessen Ergebnis selbst die Fachleute überraschte. Die Wissenschaftler ließen ein Plasmodium der Art "Physarum polycephalum" sämtliche Gänge eines etwa 25 mal 35 Zentimeter großen Labyrinths bewachsen, das sie vorher mit Nährlösung präpariert hatten. Nachdem alle Gänge vom Schleimpilz besiedelt waren, platzierten sie an zwei von vier Ausgängen kleine Häufchen mit Haferflocken. Sofort begann der Schleimpilz, seine Gestalt zu ändern.
"Physarum polycephalum" zog sich vollständig aus den meisten Gängen des Labyrinths zurück. Er verließ alle Sackgassen und Umwege und beschränkte sich auf die kürzeste Wegstrecke zwischen den beiden Futterquellen. Damit war bewiesen, dass sich der Schleimpilz in seiner Bewegung am Nahrungsvorkommen orientiert, nach Meinung der Forscher aber auch noch mehr: Es scheint, so Nakagaki, "dass zelluläre Materie primitive Intelligenz aufweist".
Um sich in ihrer Umgebung zurecht zu finden, tragen die schleimigen Plasmodien übrigens Photorezeptoren für ultraviolettes und in geringerem Maße auch für Rotlicht. Diese helfen ihnen, einen besonders hellen oder dunklen Platz in ihrer Umgebung zu finden. Außerdem verfügen Schleimpilze über verschiedene Chemorezeptoren, mit denen sie zum Beispiel Nahrung oder Feuchtigkeit registrieren können.
Markus Schall, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Schleimpilze, 13.11.2003






