Der Mensch und das Moor
Kultstätte Moor
Seit dem Neolithikum war das Moor auch Ort für unterschiedliche Rituale. Es konnte Opferstätte, Richtstätte oder Bestattungsplatz sein. Besondere Zeugen dieser Beziehung des Menschen zum Moor sind Funde, die man immer wieder im Moor macht: Waffen, Gebrauchsgegenstände oder Artefakte deuten darauf hin, dass man im Moor Geistern oder Gottheiten Opfer darbrachte und unterschiedliche Kulte praktizierte.
Der Mensch schafft Moore
Unbeabsichtigt trugen Menschen aber auch dazu bei, dass Moore entstanden: Bereits die ersten Ackerbauern, die in den europäischen Waldlandschaften vor mehr als 5000 Jahren sesshaft wurden, veränderten durch die Rodung der Wälder den Wasserhaushalt ganzer Landschaften. Dadurch wurden großflächige Versumpfungen und Moorbildungen ausgelöst. Vor allem in den regenreichen Gebieten Englands, Schottlands und Irlands erreichten solche "Deckenmoore" riesige Ausmaße. Im deutschen Kulturraum staute man die meisten Fließgewässer in vielen Abschnitten, um Mühlen betreiben zu können. Oft wurde durch einen solchen Mühlenstau ein größeres Gebiet unter Wasser gesetzt, es kam allmählich zu Versumpfungen und zur Moorbildung.
Der Mensch nutzt das Moor
Wenn die Menschen früher ins Moor gingen, dann aus der Not heraus, um ihre kärgliche Existenz zu sichern: Das Moor lieferte Torf - einen wertvollen Brennstoff. Im Moor fand man Heilkräuter wie den Fieberklee, Gräser, die man als Viehfutter nutzen konnte und allerlei andere Rohstoffe wie die Flugsamen der Wollgräser, mit denen man Kissen auspolsterte. Es dauerte lange, bis der Mensch gelernt hatte, die Ressourcen des Moores zu nutzen. Doch als es soweit war, begann der "Kampf gegen die Moore": der Torf wurde abgebaut, große Flächen wurden entwässert und ausgetrocknet, um Weideland oder Ackerfläche zu gewinnen. Wegen der geringen Nährstoffmengen in den Böden eignen sich ehemalige Moorflächen jedoch kaum für die Weidewirtschaft oder den Ackerbau. Nur mit intensiver Bearbeitung und Düngung bringen die Böden hinreichend Erträge.
Die erste Form solcher Bodenbearbeitung war die "Moorbrandkultur". Dabei wurde das Moor zunächst entwässert; im Frühjahr steckte man es dann in Brand und säte in die heiße Asche Buchweizen-Saat. (Der Buchweizen ist ein Knöterich-Gewächs, das nur in solch einer Brandkultur gedeiht.) Aus dem geernteten Buchweizen gewann man schließlich Mehl, und die Lebensmittel aus diesem Mehl bildeten das Grundnahrungsmittel der Moorbauern.
In solcher Brandkultur konnte man aber nacheinander nur zwei bis drei Ernten Buchweizen einfahren. In den Folgejahren ließen sich dann noch einmal zwei oder drei Jahre lang andere Getreidesorten wie Hafer oder Roggen ernten, doch dann waren die Böden so weit erschöpft, dass auf Jahrzehnte hinaus kein Feldbau mehr möglich war.
Bei anderen Verfahren wurden die Moore systematisch entwässert, dann wurde der Torf abgetragen und verwertet. Auf die abgetorften Böden brachte man Erde oder Schlamm auf und bewirtschaftete dann die Flächen.
Mit der Verbreitung von Kunstdünger im 19. Jahrhundert ging man dazu über, die oberste Moorschicht zu entwässern und dann mit Mineraldünger und mit Kalk anzureichern. So erreichte man ebenfalls eine Verbesserung der Bodenqualität - doch wiederum nur für begrenzte Zeit, denn auch durch dieses Verfahren laugten die Böden aus. Die letzte Entwicklung war die Sandmischkultur. Hier wurde Sand auf die Flächen aufgebracht und mit Erde gemischt, um die ehemaligen Moorböden landwirtschaftlich nutzen zu können.
Der Mensch zerstört das Moor
All diese Methoden führten dazu, dass man landwirtschaftliche Flächen gewann, aber eben um den Preis der Zerstörung der Moore. Heute sind, nach den massiven Eingriffen der Menschen in den vergangenen Jahrhunderten, in Deutschland nur noch kleine Reste der einst großen Moore übriggeblieben. In anderen Ländern, etwa in Russland oder in der Ukraine gibt es noch ausgedehnte Moorgebiete. Doch seit ungebremste kapitalistische Profitgier und Mafia-Wirtschaft in immer mehr Ländern des ehemaligen "Ostblocks" wüten, werden auch dort die Naturressourcen immer rücksichtsloser ausgebeutet. So verschwinden in den letzten Jahren zum Beispiel Estlands Moore in beängstigendem Tempo in Plastiksäcken und tauchen dann in deutschen Bau- und Gartenmärkten als billiger Torf wieder auf.
Umweltschützer kämpfen seit Jahren gegen diesen Raubbau an der Natur: hier werde aus kurzsichtigem Gewinnstreben zerstört, was in Jahrtausenden gewachsen sei. Es gäbe billige und gute Alternativen zum Torf für den Garten - etwa Baumrinde. Außerdem sei die Torfeinstreu ohnehin nicht sinnvoll: der Torf lockert zwar den Boden und verbessert so, unter Umständen, kurzfristig die Bodenqualität. Doch da Torf kaum Nährstoffe enthält, muss man sehr viel Kunstdünger ausbringen. Den hält der lockere Torfboden aber nicht fest. So gelangt der Dünger ins Grundwasser und trägt zur Überdüngung unserer Gewässer bei. Schließlich braucht man immer wieder neuen Dünger und wieder neuen Torf im Garten und so fort. Das mag ein gutes Geschäft für Gartenmärkte sein, aber ökologisch ist es völlig untragbar.
Siegfried Klaschka, Stand vom 05.10.2007







