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Der ökologische Fußabdruck

Sind wir zu viele auf der Erde oder leben wir einfach über unsere Verhältnisse? Sicher ist: Würden alle so leben wie wir Deutschen, bräuchten wir 2,5 Planeten, die US-Amerikaner mindestens 5,5 Planeten. Wer von uns die Erde wie stark beansprucht – der ökologische Fußabdruck bringt es ans Licht.

New York City: Blick vom Empire State Building über Manhattan nach Norden. (Rechte: Bruno Perousse / akg-images)

Wie stark beanspruchen wir die Erde?

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Zwei Fußballfelder für jeden

Einmal angenommen, alle Menschen auf der Erde hätten exakt die gleiche Fläche zur Verfügung, von der sie leben müssten. Nach Berechnungen aus dem Jahr 2003 wären dies 1,8 Hektar - ungefähr so viel wie zwei große Fußballfelder. Die afrikanischen Staaten oder alle anderen nicht-industrialisierten Länder würden damit locker auskommen. Die meisten Industrieländer jedoch nicht. Oder anders ausgedrückt: Würden alle Menschen auf der Erde so leben wie wir, hätten wir schon längst ein paar weitere Planeten besiedeln müssen.

Ein mit Müll verdreckter Sandstrand - im Hintergrund sind Menschen und das Meer zu sehen. (Rechte: mauritius images)

Mit in der Berechnung: der von jedem verursachte Müll

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Das neue Rechenmodell

Die neue Rechengröße, der "ökologische Fußabdruck", soll feststellen, wie viel Platz ein Land, eine Stadt oder ein Haushalt für den derzeitigen Lebensstandard verbraucht - gleichzeitig aber auch, wie viel biologische Kapazität ein Land bietet. 1994 entwickelten die Wissenschaftler Mathis Wackernagel und William E. Rees ein Konzept, das sich auf jedes Land und jede Person anwenden lässt - ganz gleich wo auf der Welt. In den ökologischen Fußabdruck werden eingerechnet: die Flächen, die zur Produktion von Nahrung, Kleidung, Möbeln und sonstigen Gebrauchsgegenständen benötigt werden, aber auch die Flächen für das Wohnen, den produzierten Müll, für die Bereitstellung von Energie und das Binden des freigesetzten Kohlendioxids.

Aus der gesamten nutzbaren Fläche der Erde und der Anzahl der Menschen, die darauf lebt, wird berechnet, wie viel Fläche jedem theoretisch zusteht. Da die Weltbevölkerung ständig wächst, wurde diese Fläche in den vergangenen Jahren immer kleiner. Gleichzeitig steigt in vielen Ländern der Lebensstandard, der ökologische Fußabdruck wächst. Die weltweit benötigte Fläche hat die verfügbare längst überschritten: 1,8 Hektar stehen durchschnittlich pro Kopf zur Verfügung, aber 2,2 Hektar würden gebraucht.

Wie groß ist mein Fußabdruck?

Wer nun wissen möchte, ob er auf großem Fuß lebt oder nicht, kann dafür einen der vielen Rechner nutzen, die es im Internet gibt. Je nach Anbieter sind die Angaben, mit denen der Rechner gefüttert werden muss, allgemeiner oder detaillierter - und selbstverständlich bleibt alles anonym. Am Ende erhält der Nutzer eine Auswertung - mal nach Teilbereichen (Essen, Verkehr, Energie), mal insgesamt - wie es um seinen ökologischen Fußabdruck steht. Manche Anbieter wie das Footprintnetwork bieten zum Vergleich auch den Durchschnittswert des Landes und verraten, wie viele Planeten der jeweilige Lebensstil erfordern würde.

Großstadtverkehr in Bangkok: starker Verkehr mit bunten Autos vor bunter Skyline. (Rechte: mauritius images / imagebroker)

Im Stadtverkehr gibt es noch viele ökologische Defizite

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Der Fußabdruck als Wirtschaftsfaktor

Wenn Städte sich ihren ökologischen Fußabdruck berechnen lassen, dann steht im Grunde schon vorher fest, dass die Bilanz mit Blick auf den Landesdurchschnitt nicht gut aussieht. Dennoch geben viele die Berechnung in Auftrag, so zum Beispiel London, Berlin, Hamburg, München, Wien. Ergebnis für Berlin: Der ökologische Fußabdruck der deutschen Hauptstadt entspricht der 168-fachen Fläche des derzeitigen Stadtgebiets.

Dennoch hat die Berechnung des Fußabdrucks einen Sinn, denn die Wettbewerbsfähigkeit von Städten hängt auch davon ab, wie ökologisch effizient sie sind. Der ökologische Fußabdruck bietet jede Menge Informationen, die für die Planung interessant sind. Er deckt auf, wo Defizite vorhanden sind, beispielsweise beim Verkehr, beim Wohnen, bei der Energieversorgung. Entsprechend können die Städte handeln, indem sie beispielsweise dafür sorgen, dass die Wege zur Schule, zum Supermarkt, zum Arbeitsplatz sich verkürzen oder indem sie beim Wohnungsbau auf Effizienz achten. Berlin zum Beispiel stellte fest, dass der hohe Verbrauch fossiler Energie ein Schwachpunkt ist. Wien beschloss ein umfangreiches Klimaschutzprogramm für die Stadt und bietet seinen Unternehmen ein Umwelt-Service-Paket an. Durch die freiwilligen Maßnahmen bei Effizienz und Sparsamkeit haben fast 700 Unternehmen ihre Betriebskosten erheblich gesenkt und sorgen gleichzeitig für eine bessere Öko-Bilanz.

Projekt Produkt-Fußabdruck

Was im Großen funktioniert, lässt sich auch auf alltägliche Produkte wie Lebensmittel, Haushaltsgeräte, Körperpflegemittel und vieles mehr übertragen. Verbraucher, die umweltbewusst einkaufen wollen, stehen oft vor der Frage: Kaufe ich ein Bio-Produkt, das nach Deutschland eingeflogen wurde oder verzichte ich auf Bio, kaufe dafür aber regionale Ware? Wie sehr fallen Transport, Verpackung und Herstellung des Produkts ins Gewicht?

Im Frühjahr 2008 starteten in Berlin vier Organisationen, die sich mit Umweltthemen befassen, zusammen mit sechs Unternehmen ein Pilotprojekt zum ökologischen Fußabdruck von Produkten und Dienstleistungen. Sie ermittelten die CO2-Bilanz (Kohlendioxid) von 15 Produkten wie Eiern, Tetra-Packs, Kaffee, Toilettenpapier, Klebstoff und einer Dienstleistung im Bereich Telekommunikation. Durch das Pilotprojekt PCF (Product Carbon Footprint) soll eine einheitliche Berechnungsmethode gefunden werden. Ähnliche Projekte gibt es bereits in anderen europäischen Ländern.

Doch bis die Verbraucher einem Produkt ansehen können, wie groß sein CO2-Fußabdruck ist, wird es noch eine Weile dauern. Manche Länder besitzen, ähnlich wie Deutschland mit dem Blauen Engel, schon eine Kennzeichnung, die aber nicht so weitreichend ist wie der Product Carbon Footprint. Bei einem internationalen Kongress zu diesem Thema 2009 wurde die Frage einer europaweit einheitlichen Kennzeichnung diskutiert - entsprechend der Kennzeichnung, die es bereits für Elektrogeräte gibt. Doch dem stehen bisher zu große Unterschiede bei der Methodik und bei der gewünschten Verwendung eines solchen Labels im Weg: Frankreich möchte gerne alle Produkte kennzeichnen, Schweden nur diejenigen, die in Sachen CO2 am besten abschneiden, und Deutschland nur die insgesamt umweltfreundlichsten.

Menschen steigen aus einem Flugzeug. Andere gehen mit Rucksäcken zu einem Gebäude im Hintergrund. (Rechte: dpa)

Effektive Methode: der Verzicht aufs Fliegen

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Kompensation

Eine sehr effektive Methode, CO2 zu sparen und so seinen persönlichen Fußabdruck zu verkleinern, ist der Verzicht aufs Fliegen. Doch das funktioniert nicht immer - manche Flüge müssen sein und ganz ehrlich: Manchmal lockt der sonnige Süden eben doch. Wer mit gutem Gewissen reisen und etwas für die Umwelt tun möchte, kann das CO2, das er mit dem Flug verursacht, "neutralisieren" oder "kompensieren". Das funktioniert mithilfe von sogenannten Offsets, auch Ausgleichszahlungen genannt. Offsets werden weltweit von vielen Organisationen angeboten, die mit den Geldern wiederum Umweltprojekte finanzieren, um die CO2-Menge in der Atmosphäre zu verringern. Man kann sich die Höhe der Offset-Zahlung beispielsweise via Internet ausrechnen lassen und auch direkt bezahlen; manche Fluglinien bieten dem Kunden schon bei der Buchung die direkte Abwicklung der Offset-Zahlung an.

Die freiwilligen Zahlungen werden inzwischen von vielen Flugreisenden geleistet. Doch Vorsicht: Nicht alle Offset-Anbieter sind auch wirklich seriös! Wer auf Nummer sicher gehen möchte, achtet vor der Bezahlung darauf, ob die Organisation das Qualitätssiegel "Gold Standard" hat. Dann ist sicher, dass das Geld in guten Händen ist und in sinnvolle Projekte fließt.

Martina Frietsch, Stand vom 18.06.2012

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Wie kaufe ich korrekt ein?

Der Biomarkt boomt, und deutsche Landwirte allein können den Bedarf nicht mehr decken. Deshalb findet der Verbraucher in den Bio-Läden und Supermärkten mit Bio-Angebot immer mehr Bio-Lebensmittel, die aus Asien, Südamerika oder sogar aus Neuseeland kommen. Letztlich muß der Verbraucher selbst entscheiden, was er für richtig befindet.

http://www.planet-wissen.de

Konsum

Heute können wir per Internet einkaufen, im Supermarkt selbst unsere Waren scannen, und "intelligente" Kühlschränke sorgen dafür, dass sie immer gefüllt sind. Im Lauf der Jahrhunderte hat sich vor allem in den reichen Ländern Europas, Asiens und Amerikas der Konsum immer weiter entwickelt.

http://www.planet-wissen.de

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