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Die Lüneburger Heide

Heidekraut, Heidschnucken und Hermann Löns - diese drei "Hs" gehören zur Lüneburger Heide wie Dom und Karneval zu Köln. Übersehen wird bei diesen Klischees oft, dass diese Region voller Besonderheiten und Geheimnisse steckt. Die Lüneburger Heide gehört zu den ältesten Kulturlandschaften und weist die größten zusammenhängenden Heidekrautflächen Mitteleuropas auf. In dieser einzigartigen Landschaft hat sich ein sensibles Ökosystem entwickelt, das vielen vom Aussterben bedrohten Pflanzen und Tieren eine letzte Zufluchtsstätte bietet.

Ein Schäfer hütet mit seinem Hund eine Heidschnucken-Herde in der Lüneburger Heide. Im Hintergrund sieht man die traditionellen Imkerkörbe. (Rechte: WDR/dpa)

Das verbindet man mit der Lüneburger Heide

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Nicht jedes Heidekraut heißt "Erika"

Im Sommer, wenn die Heide blüht, zieht es Scharen von Touristen in die Region. Sie alle bewundern die schon von Heide-Dichter Hermann Löns so viel gerühmte, lilafarbene Erika. Doch was die meisten Besucher nicht wissen: Das Kraut, das alle so bestaunen, heißt gar nicht so, wie sie glauben. Denn hier blüht vor allem die Besenheide, unter Biologen auch "Calluna vulgaris" genannt. Die Besenheide ist ein rund 60 Zentimeter hoher, immergrüner Zwergstrauch mit hellvioletten Blüten. Als wahrer "Hungerkünstler" kommt sie bestens mit den trockenen, nährstoffarmen Böden der Sandheiden zurecht. Und solange ihr kein Baum das Licht raubt oder der gefürchtete Heideblattkäfer den Garaus macht, gedeiht sie prächtig.

Die Calluna ist allerdings "nur" eine nahe Verwandte der Erika, denn sie gehört zu einer anderen Pflanzengattung. Ob Hermann Löns das wohl absichtlich verwechselt hat, weil er mit der gemeinen Besenheide nichts anzufangen wusste? Jedenfalls gibt es für alle Fans der richtigen Erika ein kleines Trostpflästerchen. In den sumpfigen Gebieten der Lüneburger Heide findet man die Glockenheide. Sie gehört zweifelsohne zur Gattung der richtigen Erika-Gewächse. Im Gegensatz zur Besenheide bevorzugt sie feuchte Standorte. Insgesamt kennen Biologen über 800 Heidekrautgewächse, von denen erstaunlicherweise allein 600 Arten im südlichen Afrika beheimatet sind.

Typische Heidelandschaft im Naturschutzpark um den Wilseder Berg: blühendeHeidelandschaft mit Bäumen und Wacholdersträuchern. (Rechte: Mauritius)

Herzstück des Naturschutzparks: Heide bei Wilsede

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Lange Tradition: Naturschutz in der Heide

Seit 100 Jahren wird der Naturschutz in der Lüneburger Heide großgeschrieben. Damals war es der engagierte junge Pastor Wilhelm Bode, der verhinderte, dass das heutige Naturschutzgebiet um den "Totengrund" (in der Nähe des Ortes Wilsede) als Bauland verkauft wurde. Nach langem Suchen fand er einen Sponsor, der ihm die damals beträchtliche Summe von 6000 Mark zur Verfügung stellte. Mit dem Kauf der Heideflächen am "Totengrund" war die Keimzelle für den Naturschutzpark entstanden. Doch bald drohte neuer Ärger: Auch die Heideflächen um den Wilseder Berg sollten bebaut werden! Pastor Bode und seinem Mitstreiter Landrat Ecker aus Winsen gelang es nicht nur, eine Lotterie zur Rettung der Heideflächen ins Leben zu rufen, sondern auch, öffentliche Gelder zu mobilisieren. Außerdem unterstützten angesehene Schriftsteller wie Hermann Hesse und Bertha von Suttner die Kampagne. Im Jahr 1910 konnten auch die Flächen um den Wilseder Berg vom Verein "Naturschutzpark" gekauft werden. Heute umfasst der Naturpark Lüneburger Heide ein Gebiet, das mit einer Fläche von 1130 Quadratkilometern größer ist als die Hauptstadt Berlin. Der eigentliche Kern, das Naturschutzgebiet bei Wilsede, ist mit 234 Quadratkilometern allerdings wesentlich kleiner.

Der balzende Birkhahn zeigt sein prächtiges blauschwarzes Gefieder mit weißen Schwanzfedern. Durch den roten Kamm auf dem Kopf ist der Birkhahn gut zu erkennen. (Rechte: Mauritius)

Birkhahn bei der Balz

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Ein Paradies für Birkhähne

Die Lüneburger Heide ist heute für viele gefährdete Pflanzen und Tiere, die auf der Roten Liste stehen, ein wichtiges Rückzugsgebiet. Beispielsweise für den seltenen Birkhahn. Der Birkhahn ist ein sensibler Hühnervogel, der vor allem die Ungestörtheit liebt. Er hält sich bevorzugt in abgelegenen Moor- und offenen Heidelandschaften auf. Während das Gefieder des Männchens prächtig blauschwarz gefärbt ist, sind die Hennen meist unspektakulär braun gefleckt. Ihre Unauffälligkeit dient gleichzeitig auch ihrem Schutz. Zum Brüten suchen sich die Hennen eine Mulde im Heidekraut, in die sie ihre sechs bis zehn Eier legen. Nach rund 30 Tagen schlüpfen die Küken, die bald schon flügge sind. Ein Naturerlebnis der besonderen Art ist die Birkhahnbalz, die man ab März in der Heide beobachten kann. Jedes Jahr kommen die Hähne an ihre angestammten Balzplätze zurück, wo sie den Balztanz aufführen. Aufgeplustert tragen sie mit ihren Konkurrenten spektakuläre Kämpfe aus, bei denen sie eigenartig kullernde Laute von sich geben und seltsame Luftsprünge vollführen.

Die Lüneburger Heide – eine 5000 Jahre alte Kulturlandschaft

Bei so viel Natur sollte man vielleicht meinen, dass die Lüneburger Heide eine Naturlandschaft ist. Tatsächlich wäre diese Landschaft aber - so wie sie heute ist - nicht ohne den permanenten Eingriff des Menschen denkbar. Die menschliche Besiedlung der Lüneburger Heide begann schon in der Jungsteinzeit. Noch heute findet man in Form von Hügelgräbern Zeugen dieser frühen Besiedlung. Die historische Heidebauernwirtschaft hat ihren Anfang erst im Mittelalter. Ihre größte Ausdehnung erreichte die Lüneburger Heide um 1800. Das war die Hochzeit der Heidebauernwirtschaft.

Doch schon ein Jahrhundert später war der lilafarbene Teppich enorm geschrumpft. Die Ursache war der rasante Niedergang der traditionellen Heidewirtschaft. Die Bewohner der Heide (Heidjer) bei Lüneburg lebten vor allem von dem Verkauf ihrer Produkte wie Wolle, Honig und Wachs. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erwuchs diesen Produkten durch den verstärkten Welthandel und die Verbreitung von Zucker, Paraffin oder die sehr viel weichere Merinowolle starke Konkurrenz. Die Produkte der Heidjer waren nicht mehr gefragt. Es kam zu einer großen Hungersnot. Viele verkauften ihr Land an den preußischen Staat, der ein gewaltiges Wiederaufforstungsprogramm startete. Ohne die ständige Pflege der Heidebauern hatten die großen Heideflächen keine Überlebenschance. Dem "Verein Naturschutzpark" ist es zu verdanken, dass es heute noch einen Bruchteil dieser Flächen gibt.

Sandra Kampmann, Stand vom 19.08.2009
Sendung: Die Lüneburger Heide, 19.08.2009

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Collage: Zwei geöffnete Hände, darüber die Erde. (Rechte: ddp)

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