Asiatischer Laubholzbockkäfer
Kleiner Käfer, große Folgen
Wild umherfuchtelnd sitzt der Asiatische Laubholzbockkäfer im Geäst. Mit seinen vielen weißen Punkten auf seinem schwarzen Chitinpanzer und seinen körperlangen Antennen wirkt der rund 30 Millimeter messende Käfer eher drollig-harmlos. Doch der Schein trügt: Er ist eine Gefahr für unseren einheimischen Waldbestand, denn der Einwanderer aus Übersee ist imstande, ganze Wälder nieder zu fressen. Dass der Käfer auch die gesunden Bäume nicht verschmäht, verschärft die Situation enorm. Kein Wunder also, dass Biologen und Naturschützer Alarm schlagen, wenn sie das gefräßige Insekt erspähen.
Vor allem die Larven des Laubholzbockkäfers haben einen Heißhunger auf unsere Laubbäume entwickelt. Zunächst legen die Weibchen ihre Eier in der Borke ab. Daraus schlüpfen nach circa zwei Wochen Larven. Während sich die Larven in den Stamm hinein fressen, sehen die Bäume bereits geschwächt aus, bald darauf sterben sie ab. Über fingerdicke Löcher verlassen die ausgewachsenen Käfer den zerfressenen Baum im Juli und August. Weil die Naturbehörden eine Katastrophe für den bundesweiten Waldbestand befürchten, wird der Einwanderer aus Übersee bei jedem Befall mit allen Mitteln zurückgeschlagen.
Einwanderung nach Deutschland
In Deutschland ist der Asiatische Laubholzbockkäfer zum ersten Mal 2004 in Passau aufgefallen. Ein Jahr später fand er den Weg nach Nordrhein-Westfalen: Im Oktober 2005 tauchte er in Bornheim auf. Damals mussten wegen des Käfers die Bäume einer kompletten Allee abgeholzt werden. Im Juli 2008 trieb der asiatische Eindringling dort bereits zum zweiten Mal sein Unwesen. Allerdings wurde er schnell entdeckt – nur ein Baum kam zu Fall.
Sein Weg nach Deutschland ist kurios. Es ist längst nicht nur das lebende Holz, über das sich der Käfer verbreitet. Kritisch ist vor allem das Holz der Ladepaletten. Zollbehörden führen ein tägliches Versteckspiel auf riesigen Umschlagplätzen wie dem Hamburger Hafen. Dunkle Lagerhallen und massenweise Ware. In jeder Ladung kann sich die gefräßige Wanderschar verborgen haben. Mehr als Stichproben aber sind nicht drin. Ein Kampf gegen Windmühlen angesichts der enormen Warenflut, die unsere Grenzen täglich erreicht.
Laut Handelsabkommen sollen die Asiaten die Paletten vor dem Verschiffen so behandeln, dass das Überleben des Käfers im Holz unmöglich ist. Dann allerdings dürften wir das Problem gar nicht erst haben. Während man in Deutschland noch versucht, den Käfer restlos zu verdrängen, ist er in Österreich bereits auf dem Vormarsch. Dort haben die Behörden den Kampf längst verloren. Es scheint nur eine Frage der Zeit bis der nächste Angriff über die grüne Grenze erfolgt.
Remo Trerotola, Stand vom 08.03.2012




