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Naturlandschaften

Fast die gesamte Fläche Deutschlands besteht aus Landschaften, die vom Menschen angelegt wurden. Kulturlandschaften - so der Fachausdruck. Reine Naturlandschaften wie Urwälder, wo die Natur sich ungestört entfalten kann, sind bei uns weitgehend verschwunden. Doch Naturschützer arbeiten daran, dass sich das ändert.

Nationalpark Bayerischer Wald mit umgestürzten Bäumen und einem Bachlauf. (Rechte: dpa)

Urwald im Nationalpark Bayerischer Wald

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Die Natur sich selbst überlassen

Als Sukzession bezeichnet man jenen Vorgang, der eintritt, wenn man Landschaften sich selbst überlässt. Das Land in unseren Breiten hat die Eigenschaft zu verwalden. Der Ablauf der Sukzession ist immer wieder gleich, wenn auch die Art der beteiligten Pflanzen variieren kann. Auf einem stillgelegten Acker siedeln sich erst Moose und Flechten an, danach Gräser und Kräuter. Nach und nach folgen immer höhere Pflanzen, bis schließlich ein Wald entsteht. Und mit den Pflanzen kehrt ebenfalls Schritt für Schritt die Tierwelt zurück.

Verschneiter Nadelwald. (Rechte: WDR)

Nadelwälder - Ersatz für abgeholzte Laubwälder

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Unsere Urlandschaft

Noch vor 2000 Jahren war fast ganz Europa ein weitgehend dicht besiedelter Urwald. Mit Beginn unserer Zeitrechnung breiteten sich die Menschen immer weiter aus. Sie rodeten Wälder, um auf den gewonnenen Flächen zu siedeln und Landwirtschaft zu betreiben. Der ursprüngliche deutsche Wald bestand überwiegend aus Laubbäumen. Deren Holz diente als Baustoff und wurde mit Beginn der Industrialisierung zur begehrten Energiequelle. Im 19. Jahrhundert schließlich waren die Wälder so weit ausgeplündert, dass der Mensch gezwungen war, Wälder neu anzulegen. Dabei wurden schnellwachsende Nadelhölzer wie Kiefer und Fichte bevorzugt angepflanzt, die noch heute unsere Wälder prägen.

Nebliger Wald bei Sonnenaufgang (Rechte: dpa)

In der Sächsischen Schweiz finden sich noch wenige Urwälder

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Letzte Urwälder Europas

In Deutschland gibt es nur noch wenige Wälder, die den Namen Urwald verdienen. Teile des Nationalparks Bayerischer Wald an der Grenze zu Tschechien und einige Waldstücke in den Schluchten der Sächsischen Schweiz gehören dazu. Hier hat sich der Mensch seit Jahrzehnten bewusst zurückgezogen. Der Wald ist sich selbst überlassen.

Der letzte richtige Urwald Europas befindet sich in Polen an der Grenze zu Weißrussland. "Puszta Bialowieza" ist der Name dieses Gebietes. Touristen dürfen nur bestimmte Bereiche betreten und diese auch nur in Begleitung amtlicher Führer. Der Bialowieza-Urwald wurde niemals von Menschen verändert. Entsprechend wild sieht er aus. Zudem bietet er einen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die sonst in Europa nicht mehr zu finden sind wie zum Beispiel das Wisent. Es war in den 20er Jahren schon fast ausgestorben, bis 1952 eine freilebende Wisentherde im Bialowieza-Nationalpark ausgewildert wurde.

Bau einer Autobahn in einem hügeligen Gelände bei Dresden. (Rechte: dpa)

Ungewöhnlicher Lebensraum für bedrohte Pflanzen

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Zurück zur Naturlandschaft

Seit einiger Zeit ist ein neuer Trend im Naturschutz zu beobachten. Bislang wurden für bedrohte Tiere und Pflanzen Reservate geschaffen, in denen sich ihre Bestände vom Menschen kontrolliert erholen konnten. Nun aber geht man immer häufiger dazu über, der Natur zurückzugeben, was man ihr einst nahm. Sowohl Kleinflächen als auch ganze Landschaften werden wieder völlig der Natur überlassen - teilweise sogar ohne jegliche Eingriffe des Menschen. Dieser Vorgang wird als "natürliche Sukzession" bezeichnet.

Erstaunlicherweise werden solche Projekte zum Beispiel entlang von Autobahnen durchgeführt. Und man kann beobachten, dass sich dort von allein seltene Pflanzen und Tierarten ansiedeln, die sonst in unserer kontrollierten Kulturlandschaft keinen Lebensraum mehr finden. Projekte dieser Art sorgen dafür, dass in unserer Natur wieder Landschaften entstehen, die wirklich den Namen "Naturlandschaft" verdienen.

Helmut Brasse, Stand vom 21.09.2011

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