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Das Hutewald-Projekt

Seit Sommer 2000 findet in Deutschland ein Experiment statt, das richtungsweisend für die künftige Landschaftspflege sein könnte. In einem rund 170 Hektar großen Waldgebiet bei Holzminden im Solling (südliches Niedersachsen) wurden zu Projektbeginn rund 30 Heckrinder und Exmoor-Ponys ausgesetzt. Sie sollen dort die Pflege eines Eichenwaldes übernehmen.

Heckrind (Rechte: Imago)

Heckrinder zur Waldpflege

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Sinn des Projekts

Das hört sich im ersten Moment ungewöhnlich an, basiert aber auf einer inzwischen fast vergessenen Form der Tierhaltung. Bis ins 18. Jahrhundert schickten Bauern ihre Tiere zur Mast in den Wald. Solche Wälder, in denen Tiere gehütet wurden, nannte man "Hutewald". Sie zeichneten sich unter anderem dadurch aus, dass die Tiere nachwachsende Bäume als Nahrung nutzten und somit verhinderten, dass ein dunkler Wald entstehen konnte.

Ziel des Hutewald-Projekts ist es herauszufinden, wie sich ein Wald verändert, wenn Heckrinder und Exmoor-Ponys dort wieder das Regiment übernehmen. Wie wird sich die Pflanzenwelt verändern? Werden sich neue Tiere und Insekten ansiedeln? Und nicht zuletzt - wie passen sich die Rinder und Ponys an die Freiheit an? In beiden Fällen handelt es sich um Rückzüchtungen, denen die ausgestorbenen Wildformen Auerochse und Tarpan als Vorbild dienten. Durchgeführt wird das Projekt vom Naturpark Solling-Vogler im Weserbergland. In den Niederlanden gibt es seit längerem ähnliche Versuche auf weitaus größeren Flächen. Diese kamen zu dem Ergebnis, dass die rückgezüchteten Tierarten eine preiswerte Methode darstellen, wirtschaftlich nicht nutzbare Flächen vor der völligen Verwaldung zu bewahren.

Pony auf einer Wiese (Rechte: Mauritius)

Auch Exmoor-Ponys wurden ausgesetzt

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Bedeutung des Eichenwaldes

Das Projektgelände im Naturpark Solling-Vogler ist ein ehemaliger Hutewald in Form eines lichten Eichenwaldes. Wälder dieser Art bieten eine hervorragende Lebensgrundlage für zahlreiche Pflanzen und Tiere, die Licht und Wärme brauchen. Die Hutewälder tragen somit besonders zum Erhalt der Artenvielfalt bei. Allein im Projektgebiet sind rund 600 gefährdete Arten der Roten Listen Niedersachsens und Deutschlands beheimatet. Darunter befinden sich zum Beispiel auch vom Aussterben bedrohte Nachtfalter, die sich von Eichenblättern ernähren. Allerdings werden lichte Eichenwälder immer seltener, da sich durch die natürliche Sukzession, also dadurch, dass der Mensch nicht eingreift, unter anderem Rotbuchen ungehindert ausbreiten können und so zu einer Verdunkelung des Waldes beitragen.

Erste Ergebnisse

Obwohl man ein solches Experiment wie das im Solling erst nach Jahrzehnten, wenn nicht gar Jahrhunderten bewerten kann, zeichneten sich schon in den ersten Jahren erstaunliche Ergebnisse ab. So zertrampeln die Rinder und Pferde auf der Suche nach Nahrung vor allem die Bestände des Adlerfarns. Dieser war vorher weit ausgebreitet und nahm kleineren Pflanzen Licht und Lebensraum. Zudem fressen besonders die Exmoor-Ponys die Triebe und Knospen junger Rotbuchen und verhinderen so eine weitere Verdunklung des Waldes.

Schneller als erwartet ließ sich bei Moosen, Flechten und verschiedenen Käferarten bereits ein Anstieg der Population nachweisen. Auch das sogenannte Offenland des Projektgebiets, das aus Grünland und ehemaligen Äckern besteht, verändert sich durch die Weidetiere. Es entwickelt sich langsam zu einer Weidelandschaft mit Gebüschen und Eichen.

Besuchergruppe im Hutewald. (Rechte: Prof. Dr. Bernd Gerken)

Besuchergruppe im Naturpark Solling-Vogler

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Besucher erwünscht

Das Hutewald-Projekt findet nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Es geht nicht darum, eine vom Menschen abgeschirmte Natur oder gar "Vergangenheit" neu zu erschaffen. Die Landschaften werden nicht als Denkmäler, sondern als offene Systeme angesehen, die sich weiterentwickeln. Und der Mensch spielt dabei eine wichtige Rolle.

Die nähere Zukunft des Projekts ist allerdings noch nicht gesichert. Die Eigentümerin des Landes, die "Niedersächsischen Landesforsten", hat eine Unterstützung zunächst nur bis 2012 zugesagt. Denn dadurch, dass weniger Holz produziert werde, nehme man deutlich weniger ein. Nach 2012 brauche man deswegen einen wirtschaftlichen Ausgleich für die zur Verfügung gestellten Flächen, ließ das Unternehmen verlauten.

Helmut Brasse, Stand vom 21.09.2011

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