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Naturschutzgeschichte

Rücksichtslos - so kann man den Umgang des Menschen mit der Natur im Großen und Ganzen beschreiben. Wo immer sich der Mensch ausbreitete, hatten Tiere und Pflanzen meist das Nachsehen. Ganze Arten sind durch den schonungslosen Umgang mit der Natur vernichtet worden. Dass Natur nicht nur der reinen Ausbeutung dient, sondern auch geschützt werden muss, ist aber keine neue Erkenntnis unserer Tage. Die Ursprünge des Naturschutzes gehen weiter zurück, als man vermuten würde.

Frontalansicht auf ein altertümliches, großes Haus mit Torbogen, in dem das Musuem seinen Sitz hat. (Rechte: WDR Freeze)

Das Museum für Naturschutzgeschichte

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Die ersten Naturschützer am Rhein

Die frühesten Überlieferungen von aktivem Naturschutz in Deutschland stammen aus der Zeit um 1820. Der Drachenfels bei Königswinter sollte als Steinbruch genutzt werden. Das fand aber wenig Anklang bei den besser situierten Kreisen der damaligen Gesellschaft. Sie wollten die malerische Schönheit des Drachenfelsens erhalten und konnten sich mit Hilfe des preußischen Königshauses durchsetzen. Der Drachenfels wurde 1836 durch Ankauf vor der Nutzung als Steinbruch bewahrt und ist heute das älteste Naturschutzgebiet Deutschlands. Der frühe Naturschutz fand unter rein ästhetischen und romantischen Gesichtspunkten statt. Es ging in erster Linie darum, beeindruckende Landschaften zu erhalten, welche die Menschen zu Gedichten oder Gemälden im Geiste der Romantik inspirierten.

Foto von Lina Haehnle um 1900. (Rechte: Stiftung Naturschutzgeschichte)

Lina Haehnle

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Die ersten Tier- und Pflanzenschützer

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts traten Menschen auch erstmals als Schützer einzelner Tier- und Pflanzenarten in Aktion. Auch hier spielte der ästhetische Aspekt wieder eine führende Rolle. Jene Naturschützer engagierten sich in erster Linie für attraktive oder seltenere Pflanzen und Tiere. So wurde durchgesetzt, dass zum Beispiel Schwäne, Störche und Nachtigallen nicht mehr gejagt werden durften. Zu den Pionieren des Vogelschutzes gehört die Gattin eines einflussreichen Filzfabrikanten, Lina Haehnle (1851-1941). Sie gründete 1899 den "Bund für Vogelschutz", die Keimzelle des heutigen Naturschutzbundes, und führte ihn 38 Jahre lang. Schon vor ihrer Naturschutzarbeit engagierte sich Lina Haehnle vor allem im sozialen Bereich und richtete unter anderem eine Krippe für Arbeiterkinder ein.

Reichsnaturschutzgesetz (Rechte: Stiftung Naturschutzgeschichte)

Erste Seite des Reichs­na­tur­schutz­ge­set­zes von 1935

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Naturschutz und Nationalsozialismus

Der Naturschutz des frühen 20. Jahrhunderts hatte rein konservative Ziele. Im Zuge der Ausweitung der Industrie ging es zunehmend darum, Natur zu erhalten, die als "typisch deutsch" angesehen wurde. 1919 wurde der Naturschutz erstmals als Ziel in die Weimarer Verfassung aufgenommen. Einzug in die Gesetzgebung fand er erst während des Nationalsozialismus. 1935 wurde das Reichsnaturschutzgesetz verabschiedet, das jedoch wenig beachtet wurde, wie zahllose Baumaßnahmen (zum Beispiel der Autobahnbau) der damaligen Zeit beweisen. Eine negative Folge war außerdem, dass der Naturschutz durch dieses Gesetz für lange Zeit einen "braunen Makel" bekam. Erst 1976 wurde das alte Reichsnaturschutzgesetz in der BRD durch eine neue Gesetzgebung ersetzt.

Willy Brandt und Prof. Bernhard Grzimek im Gespräch. (Rechte: dpa)

Willy Brandt und Bernhard Grzimek

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Naturschutz zum Selbsterhalt

Es hat lange gedauert, bis sich nach dem Zweiten Weltkrieg ein breites Bewusstsein für den Naturschutz entwickelt hat. Während des Wiederaufbaus in den 50er und 60er Jahren war der Umgang mit der Natur so rücksichtslos wie nie zuvor. Sichtbare Folgen waren tote Flüsse und verschmutzte Luft in Industriegebieten. Während Naturschutz bis dahin überwiegend ästhetische und konservative Gründe hatte, ging es nun sogar um die eigene Existenz. Zum ersten Mal wurde 1969 unter der Regierung von Willy Brandt die Position eines Naturschutzbeauftragten eingerichtet. Die Aufgabe übernahm der bekannte Zoodirektor und Tierfilmer Bernhard Grzimek. Nach drei Jahren legte er jedoch den Posten nieder, weil er für seine Arbeit kaum Mittel und Unterstützung fand.

Zwei Greenpeace Mitarbeiter am Ufer eines verseuchten Sees. (Rechte: dpa)

Greenpeace-Mitglieder in Aktion

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Natur- und Umweltschutz

Erst in den 70er Jahren sollte sich ein breites gesellschaftliches Interesse am Naturschutz entwickeln. Giftmüll-Skandale und sterbende Wälder betrafen schließlich jedermann. Umweltschutz wurde zu einem wichtigen Thema. Natur- und Umweltschutz sind zwar eng miteinander verbunden, jedoch nicht identisch. Naturschutz zielt auf den Erhalt von Pflanzen- und Tierwelt. Umweltschutz befasst sich mit der Reduzierung der Belastungen unserer Industriegesellschaft für die Umwelt. Ein erster Höhepunkt des neuen Natur- und Umweltbewusstseins fand seinen Ausdruck in der Gründung der Partei "Die Grünen" im Jahr 1980. Sechs Jahre später, fünf Wochen nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl, trat mit Walter Wallmann von der CDU erstmals ein Bundesumweltminister sein Amt an.

In der ehemaligen DDR gab es schon 1954 ein neues Naturschutzgesetz. Auch dort waren Naturschützer aktiv. Ihre Arbeit jedoch wurde vielfach zunichte gemacht, weil Umweltschutz in der DDR faktisch nicht stattfand. Was nach der Wiedervereinigung in Industrieregionen wie Bitterfeld mehr als deutlich wurde.

Naturschützer legen Krötenschutzzaun an (Rechte: dpa)

Bau eines Krötenschutzzaunes

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Naturschutz heute

Fast in jedem Ort findet man heute engagierte Naturschutzgruppen. Sie beseitigen Müll aus Wäldern oder stoppen auch manchmal ganze Bauvorhaben. Fast laufend werden zum Schutz von Umwelt und Natur neue Gesetzgebungen erlassen. Und die Ideen und Tendenzen im Naturschutz sind vielfältig wie nie zuvor. Es gibt zahlreiche Maßnahmen zum Schutz einzelner bedrohter Tiere und Pflanzen. Es wird sogar versucht, ausgestorbene Arten durch Rückzüchtungen zurückzugewinnen. Und es gibt neue Bewegungen, bei denen sich der Mensch bewusst aus ganzen Landschaften zurückzieht und die Natur ungestört sich selbst überlässt, zum Beispiel in den Nationalparks im Harz oder im Bayerischen Wald. Dass der Naturschutz aber trotz allem noch lange nicht ausreicht, belegen Zahlen des WWF. Demnach sterben jährlich Zehntausende Lebensformen auf unserem Planeten aus.

Helmut Brasse, Martin Gresch, Stand vom 11.03.2011
Sendung: Wildnis aus zweiter Hand - Experiment Renaturierung, 14.03.2011

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Collage: Zwei geöffnete Hände, darüber die Erde. (Rechte: ddp)

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