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Das Brachsenkraut

Es sieht aus wie herkömmlicher Schnittlauch, doch es ist eine Rarität. Ein Überbleibsel aus der Eiszeit, das in ganz Mitteleuropa nur noch an zwei Stellen im Schwarzwald vorkommt: im Titisee und im Feldbergsee. Die Rede ist vom stachelsporigen Brachsenkraut (Isoëtes echinospora).

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Je dicker, desto älter

Das zarte Pflänzchen wächst meist unter Wasser, kann aber auch in Feuchtgebieten überleben. Seine grasartigen Blätter sind hellgrün, weich und werden in der Regel nicht länger als zehn bis zwanzig Zentimeter. Sie spreizen sich rosettenartig von dem sogenannten Wurzelstock am Boden ab, was die Pflanze äußerlich an einen Farn erinnern lässt. Wissenschaftlich gesehen gehört das stachelsporige Brachsenkraut jedoch zu den Bärlapppflanzen. Ähnlich wie bei einem Baumstamm, der mit der Zeit immer dicker wird, zeigt der Durchmesser der Stängel an, wie alt das Brachsenkraut ist.

Vermehrung wie anno dazumal

Seinen Namen hat das Brachsenkraut vermutlich einem alten Marktbrauch zu verdanken. Früher wurden nämlich Brachsen und andere Süßwasserfische auf diese Pflanze gebettet zum Verkauf angeboten. Der Zusatz “stachelsporig“ hat dagegen etwas mit der Art der Vermehrung der Pflanze zu tun. Diese geschieht über sogenannte Sporen, und die sind beim stachelsporigen Brachsenkraut - wie der Name schon verrät - mit feinsten Widerhäkchen ausgestattet. Gebildet werden die Sporen, eine besonders widerstandfähige Art von Pflanzenkeimen, die lange ohne Wasser, Nährstoffe und Sauerstoff auskommen kann, am unteren Abschnitt der Brachsenkrautblätter in einer grubenartigen Vertiefung, die Fovea genannt wird. Die Fortpflanzung über Sporen ist sehr ursprünglich und war schon bei Urzeitpflanzen verbreitet.

Bedrohtes Pflänzchen

Trotz seiner über Jahrmillionen erprobten Fortpflanzungstrategie ist das stachelsporige Brachsenkraut vom Aussterben bedroht. War es am Ende der letzten Eiszeit in Mitteleuropa noch weit verbreitet, reduziert sich die Zahl der Fundorte immer mehr. Der Hauptgrund dafür ist vermutlich, dass das Brachsenkraut auf nährstoffarme Seen mit sehr klarem, kühlem Wasser als Lebensraum angewiesen ist. Doch diese sind im Zuge der nacheiszeitlichen Erwärmung immer seltener geworden. Außerdem hat wohl die Wasserverschmutzung durch den Menschen die Pflanze zurückgedrängt.>/p> Das stachelsporige Brachsenkraut steht daher unter Naturschutz. Aus diesem Grund ist zum Beispiel das Baden im Feldbergsee strikt untersagt. Aufgewirbelter Schlick würde das sensible Pflänzchen genauso gefährden wie unbedacht auf ihm herumtrampelnde Menschenfüße.

Lena Ganschow, Stand vom 01.06.2009

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Collage: Zwei geöffnete Hände, darüber die Erde. (Rechte: ddp)

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