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Interview: Dr. Markus Borner

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Interview: Im Herzen der Serengeti - Dr. Markus Borner

Löwen, Zebras, Elefanten - um wilde Tiere zu sehen, muss Dr. Markus Borner nicht in den Tierpark fahren. Seit 1984 lebt der Schweizer Zoologe im Serengeti-Nationalpark mitten unter ihnen. Als Nachfolger von Prof. Grzimek koordiniert er von dort aus die Naturschutzprojekte der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt in Ostafrika und kämpft mit viel Herz und Engagement für das Überleben der Serengeti. Mit Planet Wissen hat er über seinen ungewöhnlichen Arbeitsplatz und über seine Aufgaben gesprochen.

Porträt von Dr. Markus Borner. (Rechte: ZGF)

"Eigentlich bin ich langweiliger Durchschnitt"

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Planet Wissen (PW): Herr Dr. Borner, was lieben Sie an der Serengeti am meisten?

Dr. Markus Borner (M.B.): Die Gnu-Migration. Auch noch nach fast 30 Jahren ist der Anblick von über einer Million Gnus auf der Wanderung einfach überwältigend! Es berührt mich immer noch zutiefst, wenn ich über die endlosen Herden fliege. Schon erstaunlich, dass es so was überhaupt noch gibt auf der Welt - Gnus und Zebras von Horizont zu Horizont.

Hunderte von Gnus laufen in Schlangenlinie hintereinander durch beigefarbenes, hohes Gras. (Rechte: dpa)

Faszinierende Wanderung

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PW: Waren Sie bereits als Kind auf Abenteuer aus?

M.B.: So wie jeder andere Junge auch. Ich bin am See aufgewachsen, habe ständig irgendwelche Flöße gebaut, was nicht immer so glimpflich abging. Ich denke, dass ich ein Beispiel dafür bin, dass total durchschnittliche Typen etwas Außerordentliches tun können. Sehen Sie, eigentlich bin ich echt langweiliger Durchschnitt: In der Schule war ich eher in der unteren Hälfte, beim Autofahren lass' ich lieber eine Frau ans Steuer, Musik kann ich nur vom CD-Player machen, Sprachen lernen ist mir ein Gräuel. Trotzdem habe ich ein erfülltes und abenteuerliches Leben und fliege mit meiner Cessna über halb Afrika. Drei Sachen, die mir - und wahrscheinlich allen meinen Mit-Durchschnittsbürgern - die Welt öffnen, sind: erstens etwas wirklich zu wollen - und das dann auch ziemlich stur -, zweitens gerne mit Leuten umzugehen und drittens unverwüstlicher Optimismus und Neugierde.

Ein Tier, in der Größe eines Meerschweinchens, sitzt auf einem Felsen. Sein Fell ist kurz und braun. Sein Mund ist geöffnet, als wenn es drohen würde. Die spitzen Zähne sind zu erkennen. (Rechte: Mauritius)

Ein Klippschliefer ist der Chef im Haus

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PW: Als Sie heute Morgen aufgewacht sind, welches Tier haben Sie da zuerst gesehen?

M.B.: Wie jeden Morgen ist meine erste Begegnung, wenn ich verschlafen aus dem Bett krieche, ein kleiner Klippschliefer, der mich durchs Schlafzimmerfenster griesgrämig anguckt. Wenn er reden könnte, würde er sicher bestätigen, dass er der eigentliche Herr in meinem Haus ist. Er guckt mich auch jedes Mal so an, als ob er denken würde: "Was machst du denn da?" Nach dieser kleinen Morgenzeremonie dreht er sich jeweils um, pisst vors Fenster und geht seinem Alltag nach - und mir hat er gerade wieder beigebracht, dass wir im Nationalpark eben die Gäste und nicht die Hausherren sind.

Großaufnahme vom Kopf eines Spitzmaulnashorns. (Rechte: AKG)

Leidenschaft Spitzmaulnashorn

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PW: Welches Projekt liegt Ihnen zurzeit besonders am Herzen?

M.B.: Wir haben von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt eine ganze Reihe von Projekten zum Schutz des Schwarzen Nashorns in Tansania, Kenia und Sambia. Bereits für meine Doktorarbeit hatte ich mich mit Sumatranashörnern beschäftigt und finde diese seltsamen Urviecher immer noch faszinierend. Was mich im Moment auch sehr interessiert, sind unsere Bemühungen, eine "Serengeti Stiftung" auf die Beine zu stellen. Diese soll den Erhalt der Serengeti auf lange Zeit absichern.

PW: Was war bis jetzt beruflich Ihr größter Sieg?

M.B.: Im Naturschutz ist manchmal die Erhaltung des Status quo einer der größten, wenn auch nicht so aufsehenerregenden Siege. Es sind gewöhnlich nicht spektakuläre Einzelaktionen, sondern der andauernde, beharrliche Einsatz. Dass die Serengeti heute noch so intakt ist, hängt sicher mit dem über 50-jährigen Einsatz der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt zusammen. Da ich ein Rad in dieser Organisation bin, hat dieser Sieg wahrscheinlich doch auch etwas mit mir und meinen 30 Jahren hier zu tun.

Markus Borner steht unter dem linken Flügel eines kleinen Flugzeugs. Das Flugzeug ist, wie ein Zebra, schwarzweiß gestreift. (Rechte: ZGF)

Immer im Einsatz

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PW: Was war die größte Niederlage?

M.B.: Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt kümmerte sich viele Jahre um einen kleinen Nationalpark in Malawi. Wir sind dann aber vor einem Jahr zu einem Punkt gekommen, wo wir nicht mehr weiterkamen und die Flinte ins Korn geworfen haben. Ich musste realisieren, dass Naturschutz in einem überbevölkerten, mausarmen Land ganz einfach keine Priorität hat. Persönlich bin ich überzeugt, dass die Erhaltung der natürlichen Ressourcen besonders für solch arme Länder außerordentlich wichtig ist, konnte das aber offensichtlich in all den Jahren zu wenig an unsere afrikanischen Regierungspartner vermitteln.

PW: Mit welcher Tätigkeit verbringen Sie die meiste Zeit Ihrer Arbeit?

M.B.: Mit viereckigen Augen in meinen Computer zu starren!

PW: Gibt es etwas, das Sie zur Weißglut treiben kann?

M.B.: Es ärgert mich grauslich, wenn Leute keinen Respekt vor Wildtieren haben. Für mich ist die Ehrfurcht vor Wildtieren die Grundlage zum verantwortungsvollen Umgang mit der Natur. Je länger ich mit Wildtieren arbeite, desto mehr Respekt habe ich vor ihnen. All diese TV-Serien, wo irgendwelche armen Krokodile, Schlangen oder Geparden von selbsternannten "Experten" belästigt werden, sind mir ein Gräuel.

PW: Was vermissen Sie persönlich momentan in der Serengeti am meisten?

M.B.: Schwarzwälder Kirschschnaps, Bayrischer Leberkäs, Frankfurter Oper, einen See.

Birgit Amrehn, Stand vom 19.03.2007

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