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Von Jagd bis Zirkus - Themen der Tierschützer

Deutschland zählt zu den wenigen Ländern, die den Tierschutz in ihrer Verfassung verankert haben. Damit haben die Tierschützer im Jahr 2002 ein großes Ziel erreicht. Die Tierschutzvereine kritisieren jedoch, dass die Lebensqualität vieler Tiere in Deutschland dennoch schlechter als je zuvor sei. Planet Wissen stellt die Bereiche vor, bei denen die Tierschützer großen Handlungsbedarf sehen und die Öffentlichkeit auf Missstände aufmerksam machen – von der Jagd bis hin zur Lage von Zirkustieren.

Das Bild zeigt vier Schweine auf einem Tiertransport-LKW, die ihre Rüssel durch die Gitterstäbe stecken. (Rechte: dpa)

Angeprangert: lange Tiertransporte

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Jagd

Tierschützer kritisieren, dass bei der Jagd das Töten von Tieren zum Freizeitvergnügen gemacht werde. Dagegen argumentieren Jäger, dass sie bestimmte Tiere erschießen müssten, um das ökologische Gleichgewicht in den Wäldern zu erhalten und Bäume vor Wildschäden zu schützen. Viele Hobby-Jäger sind jedoch darauf aus, besonders prächtige und gesunde Tiere zu schießen. Dadurch stören sie das natürliche Gleichgewicht und tragen im schlimmsten Fall dazu bei, dass manche Wildtier-Arten in bestimmten Regionen nicht mehr zu finden sind. Ein weiterer Angriffspunkt der Tierschützer ist die Behauptung der Jäger, dass die Tiere nicht leiden müssten. Tatsache ist jedoch, dass ungefähr die Hälfte aller Tiere nicht sofort tot ist, sondern noch Stunden oder sogar Tage mit den Verletzungen weiterlebt. Als besonders problematisch sehen die Tierschützer die Jagd mit Fallen. Hierbei kommt es noch häufiger vor, dass das Tier lange leidet, bevor es stirbt. Rund zwei Drittel der Deutschen sind laut einer Emnid-Umfrage von 2004 für ein Verbot der Fallenjagd; über drei Viertel der deutschen Bevölkerung stehen der Jagd allgemein kritisch gegenüber oder lehnen sie ganz ab.

Das Bild zeigt Legehennen in ihren Käfigen in einem Großbetrieb. Unter den sehr kleinen Käfigen laufen Fließbänder, die die gelegten Eier abtransportieren. (Rechte: dpa)

Bewegung – für diese Legehennen kaum möglich

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Massentierhaltung

Für die Herstellung von tierischen Lebensmitteln wurden in Deutschland gemäß dem aktuellen Tierschutzbericht der Bundesregierung im Jahr 2006 über 26 Millionen Schweine und mehr als 36 Millionen Legehennen gehalten. Dazu kommen zahlreiche Puten, Hähnchen, Rinder, Schafe und andere Tiere, die die Deutschen in Form von Fleisch und Wurst verzehren. Die Mehrheit dieser Tiere wird in Großbetrieben gehalten, was die Tierschützer scharf kritisieren. Denn die Lebensbedingungen der Tiere sind dort selten artgerecht, was dem Tierschutzgesetz widerspricht. Die Tiere werden meist auf engstem Raum gehalten und können ihren Bewegungsdrang und ihr natürliches Sozialverhalten nicht ausleben. Sie bekommen häufig artfremdes Futter und sehen zum Teil nie das Tageslicht. Wissenschaftler haben in Studien nachgewiesen, dass ein zu enger und nicht artgerechter Lebensraum dazu führt, dass sich Tiere anormal verhalten, ihre Nachkommen vernachlässigen, aggressiv gegenüber Artgenossen und besonders anfällig für Krankheiten sind. Deshalb fordern die Tierschützer artgerechte Ställe für Schweine, Hennen und Co., in denen sie mehr Platz haben und ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können.

Das Bild zeigt eine Frau mit rot verschmierten Händen in einem Käfig. Sie trägt Kleidung aus Pelz. Im Hintergrund ist eine Filiale eines Modehauses zu sehen. (Rechte: dpa)

PETA-Aktion gegen Pelzmode

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Pelztiere

Auf rund 30 Pelzfarmen in Deutschland werden für Modezwecke jährlich rund 300.000 Iltisse, Füchse, Marderhunde, Sumpfbiber und Chinchillas getötet, so der Bundesverband der Tierversuchsgegner. Nach Ansicht vieler Tierschützer ist das eine Straftat. Denn ihrer Meinung nach ist der vom Tierschutzgesetz verlangte "vernünftige Grund" für das Töten eines Tieres in diesem Fall nicht gegeben. Die deutsche Politik folgt dieser Sichtweise allerdings nicht, und für die Haltung von Pelztieren gab es lange keine besonderen Tierschutzregelungen. Erst im November 2006 haben Bund und Länder Haltungsvorgaben für Pelztiere verabschiedet. Nach Ansicht der Tierschützer sind diese Mindestanforderungen nicht ausreichend. Außerdem kritisieren sie, dass den Pelztierzüchtern Übergangsfristen von bis zu zehn Jahren eingeräumt werden. Doch die Tierschützer hoffen, dass die Umsetzung der Vorschriften für die Besitzer der Pelztierfarmen ein so großer finanzieller Aufwand ist, dass sich das Geschäft mit Pelz langfristig nicht mehr rentiert.

Das Bild zeigt einen Torero, der in einer Stierkampf-Arena den Stier mit seinem roten Tuch reizt. (Rechte: dpa)

Spaß für die Zuschauer, Leid für den Stier

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Stierkampf

Anhänger bezeichnen ihn als kulturelle Tradition, Tierschützer sehen ihn schlicht als Tierquälerei. Allein in Spanien werden laut dem "Deutschen Tierschutzbund" jedes Jahr rund 30.000 Tiere bei Stierkämpfen getötet. Schon vor den eigentlichen Kämpfen werden den Tieren oft Verletzungen und Verstümmelungen zugefügt, um sie zu reizen. Gleichzeitig werden sie häufig durch tagelangen Futter- und Wasserentzug vor den Kämpfen geschwächt. Der "Deutsche Tierschutzbund" fordert die deutschen Urlauber auf, Stierkämpfe zu boykottieren: "Wer Stierkämpfe als fröhliches und traditionelles Ereignis feiert, verschließt die Augen vor Tierleid und dem äußerst grausamen Umgang mit den Tieren", so Wolfgang Apel, der Präsident des Tierschutzbundes. Im Europäischen Parlament brachten drei Abgeordnete das Thema Anfang 2007 auf die Agenda: Sie legten eine schriftliche Erklärung zu einem EU-weiten Verbot von Stierkämpfen vor. Bis zum Ablauf der Frist unterzeichneten 211 Europa-Parlamentarier; um als "offizielle Position des Europäischen Parlamentes" gewertet zu werden, hätten sich 393 Abgeordnete für das Verbot aussprechen müssen.

Das Bild zeigt einen Tiertransport-Lkw mit Rindern. Im Hintergrund ist ein Polizist zu sehen. (Rechte: dpa)

Tierschützer: zu wenig Kontrollen

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Tiertransporte

Aus wirtschaftlichen Gründen werden Nutztiere häufig von den Mastbetrieben zu weit entfernten Schlachthöfen im In- und Ausland transportiert. Auf den Lastwagen haben sie selten ausreichend Platz, bekommen meistens weder Wasser noch Futter und können bei Verletzungen oft nicht behandelt werden. Der "Deutsche Tierschutzbund" fordert deshalb, eine maximale Ladedichte für die Lastwagen festzulegen, die Transportzeit auf acht Stunden zu begrenzen und regionale Schlachthöfe sowie den Einsatz von mobilen Schlachteinheiten zu fördern. Anfang 2007 trat die Verordnung für eine neue EU-Gesetzgebung zum Schutz der Tiere beim Transport in Kraft. Sie enthält strengere Regelungen zu Kontrollen und verschärft einzelne Anforderungen, die beim Tiertransport erfüllt werden müssen. Allerdings konnten sich die EU-Staaten bei den Vorgaben zu Transport- und Pausenzeiten sowie Platzvorgaben nicht einigen. Aus Sicht der Tierschützer sind es jedoch besonders diese Kriterien, die im Sinne des Tierschutzes überarbeitet werden müssen. Insgesamt wird von den Tierschützern kritisiert, dass die Vorschriften zum Schutz der Tiere beim Transport noch immer komplex, unübersichtlich und ungenügend seien. Eine strikte Durchsetzung und Kontrolle sei deshalb nach wie vor nicht garantiert.

Tierversuche

In Deutschland wurden im Jahr 2005 mehr als 2,4 Millionen Tiere für wissenschaftliche Zwecke verwendet, so der Tierschutzbericht der Bundesregierung von 2007. Tierschützer kritisieren Tierversuche aus verschiedenen Gründen: Sie bezeichnen die Experimente mit Tieren allgemein als grausam und tierquälerisch und sehen keine ethische Rechtfertigung dafür. Darüber hinaus argumentieren die Tierschützer, dass die Ergebnisse von Tierversuchen häufig überhaupt nicht auf den Menschen übertragbar seien. Sie fordern, alternative Methoden wie Computersimulationen oder das Arbeiten an Zellkulturen einzusetzen und Tierversuche ganz abzuschaffen. Demgegenüber stehen die Wissenschaftler – vor allem die Grundlagenforscher – mit folgenden Argumenten: Die Tiere werden zwar zum Zweck der Wissenschaft getötet, aber sie werden nicht gequält. Das Töten von Tieren zu wissenschaftlichen Zwecken ist dadurch ethisch gerechtfertigt, dass die gewonnenen Erkenntnisse notwendig sind, um die Ursachen von menschlichen, aber auch tierischen Krankheiten verstehen und bessere Heilverfahren entwickeln zu können. Bestimmtes Wissen kann nicht durch alternative Verfahren gewonnen werden. Gerade in der Grundlagenforschung sind Ergebnisse von Tierversuchen durchaus auf den Menschen übertragbar, weil die biologischen Prozesse im Organismus von Menschen und Tieren sehr ähnlich sind.

Das Bild zeigt drei Löwen in einer Manege. Ein Dompteur steht mit dem Rücken zum Betrachter. (Rechte: dpa)

Zirkus: kein Vergnügen für Löwen und Co.

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Zirkustiere

Um Besucher anzuziehen, halten und dressieren viele Zirkusse noch immer Wildtiere. Die Tierschützer vertreten den Standpunkt, dass es ethisch gesehen nicht zu rechtfertigen ist, Wildtiere zum Freizeitvergnügen der Menschen in der Manege vorzuführen und damit Geld zu verdienen. In anderen europäischen Ländern wie Dänemark, Finnland, Österreich und Schweden ist das Halten von bestimmten Tierarten (Affen, Elefanten, Großkatzen, Robben, Nashörner, Wölfe) aus Tierschutzgründen seit Jahren verboten. Im Oktober 2003 hat der Deutsche Bundesrat auf Initiative des Landes Hessen ein solches Verbot – mit möglichen Ausnahmen – beschlossen. Eine Änderung des Tierschutzgesetzes gibt es bislang jedoch nicht, da rechtliche Probleme erkennbar wurden: So könnte ein Haltungsverbot von Wildtieren in Zirkussen als Beeinträchtigung der Grundrechte der Berufsausübungs- und Berufswahlfreiheit gewertet werden. Die Tierschützer kritisieren, dass die Haltung der Tiere zu selten und nicht ausreichend streng kontrolliert wird und Zirkusse teilweise Genehmigungen zur Haltung von Tieren bekommen, obwohl sie tier- und artenschutzrechtliche Bestimmungen nicht einhalten.

Alexandra Stober, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Schutz für Tiere - Mit den Rettern unterwegs, 18.08.2008

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Collage: Zwei geöffnete Hände, darüber die Erde. (Rechte: ddp)

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