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Pro & Contra: Tierversuche

Das Thema Tierversuche wird kontrovers diskutiert: Auf der einen Seite stehen die Gegner, die wissenschaftliche Versuche an Tieren als sinnlose Tierquälerei sehen, deren Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar sind. Auf der anderen Seite argumentieren viele Wissenschaftler, dass die Forschung an Tieren notwendig ist, um grundlegende Erkenntnisse über Krankheiten zu gewinnen, was auf anderem Weg nicht möglich sei. Planet Wissen hat die Argumente der gegnerischen Parteien gesammelt und gegenübergestellt.

Das Bild zeigt eine Albino-Ratte, die in einer Metallschale in einem Labor sitzt. (Rechte: Mauritius)

571.257 Ratten starben 2005 in deutschen Labors

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Tierquälerei? Nein, sagt die Forschung

In Deutschland wurden im Jahr 2005 mehr als 2,4 Millionen Tiere für wissenschaftliche Zwecke verwendet (Quelle: Tierschutzbericht der Bundesregierung 2007). "Tierversuche sind aus ethischen Gründen einfach nicht zu rechtfertigen", sagt Brigitte Jenner. Die Vorsitzende des Vereins "Tierversuchsgegner Berlin-Brandenburg" setzt sich seit 1980 gegen Tierversuche ein, weil sie darüber entsetzt ist, "was man im Labor mit den Tieren anstellt". Wolf Singer, geschäftsführender Direktor des Frankfurter "Max-Planck-Instituts für Hirnforschung", widerspricht dieser allgemeinen Kritik: "Tierversuche in der Grundlagenforschung sind nicht grausam." Die Tiere würden zwar getötet, um Erkenntnisse zu gewinnen – beispielsweise über Vorgänge in Organen, die den Tieren unter Narkose entnommen werden. Doch "es trifft nicht zu, dass hier Affen oder andere Tiere gequält werden". Das Töten von Tieren zu wissenschaftlichen Zwecken sehen die Forscher dadurch ethisch gerechtfertigt, dass die gewonnenen Erkenntnisse notwendig sind, um die Ursachen von menschlichen, aber auch tierischen Krankheiten verstehen und bessere Heilverfahren entwickeln zu können. "Diese wissenschaftliche Methode ist vom Ansatz her falsch. Denn wie man immer wieder sieht, sind die Ergebnisse der Tierversuche oft überhaupt nicht auf den Menschen übertragbar", argumentiert Brigitte Jenner. In der Tat: Einige Medikamenten-Stoffe, die Tiere im Versuch gut vertragen haben, haben bei Menschen in der Vergangenheit teilweise schwere körperliche Schäden verursacht.

Das Bild zeigt einen Affen, dessen Kopf fixiert ist. An sein Gehirn ist eine Elektrode angeschlossen. (Rechte: dpa)

Gehirnforschung an Affen

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Die Gegner fordern: alternative Methoden

Diesem Argument der Tierversuchsgegner entgegnet Singer, dass das für die Grundlagenforschung keineswegs gelte und die Erkenntnisse aus den Tierversuchen durchaus auf den Menschen übertragbar seien: "Die biologischen Prozesse im Organismus von Tieren und Menschen sind außerordentlich ähnlich, da alle Lebewesen Ergebnisse derselben evolutionären Prozesse sind und die Natur bei der Entwicklung von Mechanismen außerordentlich konservativ vorgegangen ist." Die Tierversuchsgegner werfen der Wissenschaft vor, dass sie sich bislang kaum dafür eingesetzt habe, alternative Methoden zu entwickeln und zu optimieren. Auch wünschen sich die "Tierversuchsgegner Berlin-Brandenburg", dass die Politik die Entwicklung von alternativen Methoden in der Zukunft stärker fördert. "Wenn man konsequent und mit mehr Geld in dieser Richtung geforscht hätte, wären wir heute viel weiter", so Brigitte Jenner. Auch die universitäre Ausbildung, beispielsweise von Medizinern und Tiermedizinern, müsse langfristig anders gestaltet werden: "Die Studenten lernen, wie man mit Tieren forscht, und arbeiten später natürlich so weiter. Alternativen werden kaum unterrichtet", sagt Jenner. Bestätigt wird dies von der Erfahrung, die Tiermedizinerin Carolin Koch während ihres Studiums gemacht hat: "Alternative Methoden zu Tierversuchen werden gerne verunglimpft. Wer damit arbeitet, wird oft nicht richtig ernst genommen. Ich denke, dass es ein Karrierehindernis sein kann, wenn man als Forscher Tierversuche ablehnt."

Das Bild zeigt ein Schwein in einem Käfig, das in die Kamera blickt. (Rechte: Mauritius)

Auch Schweine werden für Versuche benutzt

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Konflikt zwischen Verpflichtung gegenüber Mensch und Tier

Hirnforscher Singer sieht gravierende Probleme bei bestimmten alternativen Verfahren. So gingen bei Gewebekulturen alle Merkmale von Organen verloren, weil die Zellen in den Kulturen sich wie Tumorzellen verhielten und wild wucherten. "Gewebekulturen sind nutzlos, wenn es darum geht, die Organisation und Funktionsweise von Organen und Organismen zu untersuchen." Es sei in der Hirnforschung beispielsweise völlig aussichtslos, Ursachen für Hirnstörungen an Gewebekulturen klären zu wollen. Computermodelle seien auch nur von begrenztem Nutzen, weil man zur Simulation realistischer Bedingungen die zu erforschenden Prozesse schon kennen müsse. Wenn diese aber schon ausreichend bekannt wären, würden sich auch die Computermodelle erübrigen. Darüber hinaus spricht Singer ein grundlegendes Problem an, wenn es um die Suche nach sinnvollen alternativen Verfahren geht: "Da unser ethisches Verständnis das Experimentieren mit gesunden und kranken Menschen ausschließt, bleiben Untersuchungen an Affen und anderen Tieren unentbehrlich, wenn wir Patienten, die an bislang unbehandelbaren Erkrankungen leiden, helfen wollen." Insgesamt sieht Singer beim Thema Tierversuche ein ethisches Dilemma: "Wir stehen in einem Konflikt zwischen zwei miteinander unverträglichen ethischen Verpflichtungen. Auf der einen Seite nach Wegen suchen zu sollen, Krankheiten beherrschbar zu machen und damit menschliches Leid zu lindern, und auf der anderen Seite die Integrität und das Leben von Tieren zu bewahren."

Alexandra Stober, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Schutz für Tiere - Mit den Rettern unterwegs, 18.08.2008

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Collage: Zwei geöffnete Hände, darüber die Erde. (Rechte: ddp)

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